Rotkäppchen trifft Joker

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Deutsche Presse-Agentur

Helden aus Märchen und Film sind die Trend-Kostüme der Karnevals-Saison 2009. Von Finanzkrise und Kaufzurückhaltung ist in den Karnevals-Läden nichts zu spüren - auch dieses Jahr sind die Jecken bereit, für ihre Verkleidung tief in die Tasche zu greifen.

„Die meisten Kunden wissen genau, was sie wollen“, sagt Verkäufer Patrick Bleistein vom Kölner Kostümkaufhaus Deiters. „Dieses Jahr gibt es bei uns zwei Trends: Märchen-Kostüme und alles, was mit Himmel und Hölle zu tun hat.“ Das hängt mit dem diesjährigen Kölner Karnevals-Motto „Unser Fastelovend - himmlisch jeck“ zusammen. Zwei Wochen vor Beginn des Straßenkarnevals sind manche Outfits schon vergriffen: „Rotkäppchen ist seit Tagen in allen Filialen ausverkauft“, sagt Bleistein. Auch Engelskleidchen, Priester- und Mönchskostüme liefen so gut wie schon lange nicht mehr.

Vor allem junge Frauen setzen auf Kostüme im Mini-Format: „Fast alles, was kurz ist, ist schon weg“, sagt Bleistein. Verkäuferin Petra Mainka vom Karnevalsmarkt Spielkauf bestätigt: „Knappe Dirndl sind besonders gefragt.“ So werden an den Karnevalstagen wohl zahlreiche leicht bekleidete Bajuwarinnen, Stewardessen oder Hippie-Bräute die Straßen des Rheinlands unsicher machen. Männer setzen hingegen eher auf Ganzkörper-Kostüme: „Der klassische Clown läuft immer noch gut“, so Mainka. Auch Plüschkostüme wie etwa Frosch oder Hase werden oft nachgefragt - „wahrscheinlich haben viele Leute Angst, dass es noch mal richtig kalt wird“, mutmaßt Bleistein.

Ob Plüsch-Hase oder sexy Rotkäppchen - im Schnitt geben Deiters-Kunden pro Kostüm etwa 40 Euro aus. Junge Leute sind etwas preisbewusster, Ältere suchen gezielt nach hochwertigen Kostümen und sind bereit, dafür auch mehr zu zahlen. Insgesamt rechnen die deutschen Kostüm-Hersteller und Vertreiber in diesem Jahr mit einem Umsatz von rund 300 Millionen Euro.

Die Alternative zum gekauften Kostüm bleibt auch 2009 der Griff zu Nadel und Faden. Auch bei den selbst gebastelten Kostümen zeichnen sich klare Favoriten ab: Kino-Helden sind die angesagte Selfmade-Verkleidung der Saison. Bei jungen Männern besonders gefragt: Bösewicht „Joker“ aus dem letzten „Batman“-Film. „Ich kenne bestimmt zehn Leute, die als Joker gehen wollen“, sagt die 18-jährige Marina Berg. „Dafür braucht man ja auch nur ein bisschen Schminke und grünes Haarspray.“ Ähnlich unaufwendig ist der zweite Kostüm-Trend unter Jugendlichen: Inspiriert vom Kino-Erfolg „Twilight - Biss zum Morgengrauen“ wollen sich viele Teenager als cooler, moderner Vampir verkleiden. Der Vorteil: Man braucht nicht einmal einen schwarzen Umhang - 2009 trägt der Vampir zum leichenblassen Gesicht einfach „eine coole Jeans“.

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