Rollrasen statt Asphalt: 15 Jahre „Park(ing) Day“

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Park(ing) Day
Ein Parkplatz wird zur grünen Oase. (Foto: Tobias Hase / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Gregor Bauernfeind

Minigolf statt rückwärts Einparken und grüner Rasen statt Asphalt: Beim „Park(ing) Day“ werden jedes Jahr Parkplätze für ein paar Stunden zu Parks und anderen Freizeitorten umgewidmet.

Damit soll auf den Flächenverbrauch durch Autos und Parkplätze aufmerksam gemacht werden. Die Debatte um Autos in den Innenstädten hat gerade in Zeiten von „Fridays for Future“ Fahrt aufgenommen. Den Aktionstag gibt es aber schon viel länger.

Wie es begann: Geboren wurde der „Park(ing) Day“ bereits, als viele der „Fridays for Future“-Aktivistinnen und Aktivisten noch nicht einmal in der Schule waren. Im September 2005 baute eine Gruppe von Künstlern eine Parklücke in San Francisco zu einem Mini-Park um: Eingetopfter Baum, Rollrasen, Parkbank - fertig war die kleine Oase in der Großstadt.

Nur zwei Stunden dauerte die erste Aktion, dann war die Parkuhr abgelaufen - Baum, Rasen und Bank wurden wieder entfernt. Mit dem Parkticket hatten sich die Künstler - wie die „Park(ing) Day“-Aktivisten noch heute - die Zeit erkauft, einen Parkplatz zu nutzen. Nur eben nicht fürs Parken.

Das Ziel: Mit der Aktion wollten die Künstler eine Debatte über die Nutzung des öffentlichen Raums anstoßen: Autos und Parkplätzen werde viel Platz eingeräumt, während andere öffentliche Interessen zu kurz kämen - zum Beispiel Parks. „Park(ing)“ lässt sich in etwa mit „Park(en)“ ins Deutsche übersetzen.

In die Welt: Bald folgten weitere Gruppen dem Vorbild des Kollektivs aus San Francisco. Heute gibt es in Städten auf der ganzen Welt ähnliche Aktionen, in Anlehnung an das Original immer am dritten Freitag im September. Der fällt dieses Jahr auf den 18., auch viele deutsche Städte machen mit.

Was möglich wäre: Die empfohlenen Bemessungen einer Parklücke unterscheiden sich - Parkplätze parallel zur Straße sind länger, aber schmaler als Stellplätze schräg zur Straße. Geht man vereinfacht von einer Breite von 2,5 Metern und einer Länge von 6 Metern aus, könnte man auf der Fläche...

- (fast) zwei Minigolfbahnen nebeneinander aufbauen. Sie würden nur ein kleines Stückchen überragen: Nach den „Normungsbestimmungen für Miniaturgolf (NormMiniatur)“ sollen die Bahnen 6,25 Meter lang und 90 Zentimeter breit sein. Aktivisten in San Francisco machten es vor: Dort konnten beim „Park(ing) Day“ 2012 Passanten auf einer Kunstrasenbahn einlochen.

- ungefähr 90 Edelrosen für einen Brautstrauß pflanzen. Bei einem „Park(ing) Day“ wurde nämlich sogar schon einmal geheiratet - wenn auch nur zum Schein. Der „Bräutigam“ machte der „Braut“ 2018 in Bethesda (US-Bundesstaat Maryland) mit einem Süßigkeiten-Ring einen Antrag.

- liegen, dösen, spielen, sich unterhalten. Auch wenn immer wieder Außergewöhnliches auf kleinem Raum gemacht und mit Kunst und Aktionen auf das Thema Flächenverbrauch und Gerechtigkeit im öffentlichen Raum aufmerksam gemacht wird, nutzen viele Teilnehmer ihre Parklücke eben wie einen Park.

© dpa-infocom, dpa:200916-99-585514/3

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