Robert Redford - The Golden Look

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Robert Redford - The Golden Look
Der Schauspieler und Regisseur Robert Redford (2012). (Foto: Daniel Dal Zennaro / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Antje Wessels

Wie viele andere Kinogrößen hatte auch Robert Redford sein Debüt einst im Fernsehen. In Serien wie „Maverick“, „Der zweite Mann“ oder „Playhouse 90“ trat er Anfang der 60er Jahre in Nebenrollen auf.

Doch bereits zwei Jahre nach seinem Fernsehdebüt gelang ihm mit dem Kriegsdrama „Hinter feindlichen Linien“ der Durchbruch als Akteur und Hollywoods Vorzeigeschwiegersohn. Arte widmet dem Weltstar an diesem Sonntag um 22.05 Uhr die Dokumentation „Robert Redford - The Golden Look“.

Für Redford wurde „Hinter feindlichen Linien“ nicht nur zum Beginn einer Freundschaft mit Sydney Pollack, der damals noch vorwiegend vor der Kamera auftrat und später zu einem der wichtigsten Verbündeten Redfords werden sollte. Er manifestierte damit seinen Status als aufregender Jungschauspieler, der in seinem späteren Leben in mehr als 80 verschiedenen Film- und Serienprojekten mitwirken, selbst neun Spielfilme inszenieren und Dutzende produzieren würde.

Im vergangenen Jahr gab der Star bekannt, dass die Hauptrolle des Bankräubers Forrest Tucker in der Krimikomödie „Ein Gauner & Gentleman“ sein letzter Auftritt als Schauspieler sei. Wenige Monate später war er schließlich noch einmal in einer kurzen Szene des Superhelden-Mammutwerks „Avengers: Endgame“ zu sehen. „Man soll niemals nie sagen!“, sagte Redford selbst in einem Interview, angesprochen darauf, ob er sich nun wirklich aus dem Filmgeschäft zurückziehe. Eine neue Antwort darauf liefert die Arte-Doku nicht. Aber vielleicht hilft sie einzuordnen, wie eine solche Aussage Redfords zu verstehen ist.

Pierre-Henry Salfatis wohl bekanntestes Werk ist das mit Mario Adorf besetzte Drama „Der letzte Mentsch“, in dem ein Überlebender des KZ Auschwitz verzweifelt Beweise für seine jüdische Vergangenheit sucht. Schwere Kost, die Salfati inszenatorisch stark umgesetzt hat, aber auch eine falsche Fährte legt. Denn nicht nur aufgrund ihrer übersichtlichen Länge von gerade einmal 53 Minuten ist „Robert Redford - The Golden Look“ klar ein Fernsehprojekt.

Auch der Aufwand ist mit einem großen Kinoporträt kaum vergleichbar. So wurde Robert Redford in die Entstehung des Films beispielsweise selbst nicht involviert. Stattdessen besteht die Dokumentation vorwiegend aus Archivmaterial, von dem Pierre-Henry Salfati immerhin so Einiges zusammentragen konnte. Neben diversen Filmausschnitten gibt es auch Einblicke hinter die Kulissen diverser Frühwerke Redfords. Doch je aktueller die Dokumentation wird, desto mehr erhält man den Eindruck, der Film wolle einfach nur wichtige Stationen abhaken und lässt dabei einige ganz eklatante Karriereabschnitte gar völlig außer Acht.

Redfords Auftritt im 2014 erschienenen Marvel-Thriller „The Return of the First Avenger“ wird beispielsweise lediglich in einem Nebensatz angedeutet. Dabei wäre es doch gerade spannend gewesen, einen Blick darauf zu werfen, was den Schauspieler zum Mitwirken in einem solchen Blockbuster bewogen hat - immerhin das einzige Multimillionendollarprojekt in seiner langen Karriere.

Stattdessen erfährt man lediglich zu Beginn etwas über den Menschen hinter dem Schauspieler. Etwa warum sich Redford schon früh als Umweltschützer betätigte; eine erzählerische Klammer des Films bildet nicht umsonst ein Auftritt vor den Vereinten Nationen im Jahr 2015. Hier hielt Redford eine Rede über die Klimaerwärmung. Dieses Unterthema gibt zunächst auch noch die erzählerische Richtung vor. Immer wieder ziehen sowohl die Off-Kommentatorin als auch die verschiedenen Weggefährten Redfords, die hier ausführlich zu Wort kommen, die Verbindung zur Natur zurate, um einen roten Faden in seiner Rollenauswahl zu verdeutlichen.

Doch irgendwann lassen die Macher diesen Ansatz fallen. Stattdessen scheint es nur noch darum zu gehen, sich möglichst rasch von einem Punkt in Redfords Vita zum nächsten zu begeben. Weshalb über den eher unbekannten Film „Der Moment der Wahrheit“ jedoch länger gesprochen wird als über „Der Pferdeflüsterer“, von dem Redford immer wieder sagt, es handele sich dabei um sein größtes Herzensprojekt, erschließt sich einem nicht. Insbesondere in der zweiten Hälfte wirkt der Film dann doch eher wie das Projekt eines Fans, statt wie ein aufrichtiges Porträt über einen der größten Schauspieler Hollywoods.

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