Razzia gegen „Hawala-Banking“

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Deutsche Presse-Agentur

Der mutmaßliche Kopf des illegalen „Hawala“-Bankings, das mit einer bundesweiten Großrazzia zerschlagen wurde, ist der Düsseldorfer Besitzer einer Juwelierkette.

In seinen Juwelierfilialen unter anderem in Duisburg sowie in Pfandhäusern in Berlin sollen die illegalen Geldtransfers betrieben worden sein. Bei der Razzia am Dienstag seien 22 Millionen Euro in Form von Bargeld, Gold, Schmuck und Fahrzeugen sichergestellt worden, berichteten die Ermittler am Mittwoch.

„Wir haben einen Fuß in die Tür illegaler Finanzgeschäfte bekommen“, sagte Ermittler Michael Reskau vom Landeskriminalamt NRW. Wegen der illegalen Millionentransfers haben Polizei und Staatsanwaltschaft in Nordrhein-Westfalen 27 Verdächtige im Visier. Insgesamt könnten Vermögenswerte in Höhe von 212 Millionen Euro vorläufig sichergestellt werden, berichtete NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU).

Woher das Geld stammt, dazu wollten sich die Ermittler noch nicht äußern. Der Verdacht liege nahe, dass darunter viel illegal erworbenes Vermögen sei. Einzahler seien nicht nur Türken, sondern auch etwa Litauer und Syrer gewesen.

Auf die Spur des in Deutschland verbotenen orientalischen Bankings waren die Ermittler durch ein Verfahren gegen mutmaßliche betrügerische Aktienhändler gekommen. Sie sollen ihre Beute aus dem Verkauf wertloser Aktien auf diese Weise außer Landes geschafft haben.

Das für das Hawala-Banking genutzte Netzwerk reiche vom Ruhrgebiet über den Mannheimer Raum bis nach Rotterdam, so Reul. Der tägliche Umsatz habe zwischen 700.000 und einer Million Euro gelegen, berichtete Reul.

„Mit dem Hawala-System kann Geld schnell, vertraulich und sehr kostengünstig transferiert werden“, sagte er. Weil der Geldfluss sich der Bankenaufsicht und der Geldwäscheprüfung entzieht, ist es in Deutschland verboten.

Das weltweit eingesetzte, informelle Überweisungssystem hat seine Wurzeln in der frühmittelalterlichen Handelsgesellschaft des vorderen und mittleren Orients. „Es ist nicht Teil des islamischen Bankwesens“, sagte Reul. Aus dem Arabischen kann „Hawala“ mit „Wechseln, Überweisen“ übersetzt werden.

Weil der Geldfluss überwiegend aus Richtung Deutschland in Richtung Türkei stattfand, waren die Hawala-Banker gezwungen, einen Ausgleich zu schaffen. Dazu hätten sie Gold angekauft und dieses in einem deutsch-türkischen Familienunternehmen bilanztechnisch vom deutschen zum türkischen Unternehmensteil verschoben.

Am Dienstag seien während der Razzien zum „Hawala-Komplex“ in Deutschland und im europäischen Ausland insgesamt 105 Objekte durchsucht worden - davon 50 allein in NRW, berichtete Reul. Von sechs Haftbefehlen seien drei vollstreckt worden, sagte Staatsanwalt Stefan Willkomm.

„Das ist eine Riesenaktion“, bilanzierte der Minister. Die neue „Task Force“, in der Steuerfahnder, Staatsanwälte und IT-Spezialisten in NRW gemeinsam daran arbeiten, illegale Finanzströme aufzuspüren, hatte vor einem Jahr ihre Arbeit aufgenommen.

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) sagte, die Task Force sei bereits weiteren Verdachtsfällen auf der Spur, über die aber noch nicht gesprochen werden könne. An den Durchsuchungen am Dienstag waren mehrere hundert Polizisten, Staatsanwälte und Regierungsbeschäftigte etwa der Bankenaufsicht beteiligt.

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