Ralf Moeller: „So ein Klassentreffen kann auch ganz schön erschreckend sein“

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 Ralf Moeller spielt im neuen Til-Schweiger-Film „Klassentreffen 1.0“ den Kraftprotz.
Ralf Moeller spielt im neuen Til-Schweiger-Film „Klassentreffen 1.0“ den Kraftprotz. (Foto: Imago)
André Wesche

Eigentlich lebt der ehemalige „Mr. Universum“ Ralf Moeller (59) in den USA, deren Staatsbürger er seit vier Jahren ist. Für einen denkwürdigen Auftritt in Til Schweigers neuer Komödie kehrte der Star aus „Gladiator“ und „The Scorpion King“ in die alte Heimat zurück. Schließlich darf man nicht alle Tage einen Neuwagen mit bloßen Händen schrotten. Im Gespräch mit André Wesche plauderte der Hüne über das Altern, den Schrecken von Klassentreffen und den sinnvollen Einsatz von Körperkraft.

Herr Moeller, Sie sind in den letzten Wochen im deutschen Fernsehen in Quiz- und Spielshows sehr präsent. Wie kommt’s?

So etwas ergibt sich immer am Rande von größeren Projekten. Ich hatte ja den Gastauftritt in Tils Film. Als nächstes drehe ich jetzt mit Henning Baum den Kinofilm „Der letzte Bulle“ unter der Regie von Peter Thorwarth. Wir fangen nächste Woche an. Wenn es sich ergibt, dass es in Deutschland interessante Angebote gibt, nimmt man die auch gerne an.

Wie sind Sie zum Auftritt beim „Klassentreffen“ gekommen?

Til und ich sind schon lange Jahre befreundet, seit 1992. Ich habe mal in Hamburg Station gemacht und Til hat es herausgefunden. Er hat mich angerufen und gesagt, er braucht mich für einen „Tatort“. Diesmal hatte er wieder eine tolle Szene und ich habe sie gern gemacht, zumal alles gut gepasst hat. Bei Til weiß man, dass man in Sachen Comedy gut aufgehoben ist. Er ist ein sehr guter Schauspieler und Regisseur. Ich kann mich noch daran erinnern, als wir in Kanada gemeinsam mit Udo Kier einen Film gedreht haben. Nebenbei hat er immer am Schnitt seiner „Keinohrhasen“ gearbeitet. Woran andere Filmemacher zwei oder drei Tage arbeiten müssen, das gelingt ihm an einem Tag. Er nimmt das Material und schneidet schon während der Mittagspause. Dann wird weitergedreht und am Ende des Tages weiß er genau, ob er alles hat, was er braucht.

Der Film „Klassentreffen“ dreht sich um Männer, die in die Jahre kommen. Bei Ihnen steht demnächst auch ein runder Geburtstag ins Haus. Bereitet Ihnen das Alter Sorge?

Man nimmt das einfach hin. Ich habe mein Leben lang Sport getrieben und auf gesunde Ernährung geachtet. Für seine Filme, Werbung und auch nur für sich selbst möchte man doch in Form bleiben. Ich bin jetzt 59. Vor einem Dreivierteljahr habe ich mal einen Test zur Ermittlung des biologischen Alters gemacht. Dabei werden Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit getestet. Danach hat der Computer errechnet, dass mein biologisches Alter bei 38 liegt. Es liegt an jedem selbst, wie gut er sich in Form hält. Ich fühle mich gut.

Natürlich merkt man ab Ende 40, dass es mit dem Lesen nicht mehr so gut funktioniert. Das Haar wird dünner. Es gibt kleine Wehwehchen. Schritt für Schritt kommt etwas hinzu. Ich halte es am besten auf, wenn ich regelmäßig trainiere, wie ich es schon mein Leben lang tue. Im letzten Jahr bin ich von 126 Kilo auf 114 heruntergegangen. Nicht mit Hungern, sondern mit vernünftigem Essen. Ich habe viel Zucker weggelassen, was nicht einfach war, weil ich so eine Naschkatze bin. Aber Zucker macht dich müde und lahm, er zerstört die Vitamine im Körper. Und er versteckt sich in so vielen Lebensmitteln.

Waren Sie schon einmal bei einem Klassentreffen?

Einmal, aber das ist schon lange her. Die anderen habe ich nicht geschafft, weil ich ja in Amerika lebe. So ein Klassentreffen kann auch ganz schön erschreckend sein. Man kennt diese Jungs und Mädels von früher. Und nun nennt sich die eine plötzlich schon „Oma“ oder dies und das. Man hat diese Erinnerungen an sie und hat die Leute dann dreißig Jahre lang nicht gesehen. Beim ersten Klassentreffen hieß es noch: „Weißt Du noch, damals, vor sieben oder acht Jahren? Heute würde es heißen: „Weißt Du noch, vor 35 oder 40 Jahren?“. Da fragt man sich doch wirklich, wo die Zeit nur geblieben ist. Aber so ist es nun mal. Zum Altwerden braucht es Mut. Wenn man ein bisschen auf sich achtet, kann man aber vieles rausschieben.

Sind Sie gern zur Schule gegangen?

So mittel. Man musste ja dorthin gehen und dementsprechend hat man sich damit auseinandergesetzt. Gewisse Fächer habe ich gern gemacht. Mathe, Englisch oder Physik zählten aber nicht dazu. Mir lagen eher Deutsch, Geschichte und Erdkunde. Musik war immer eine Zwei, Sport eine Eins, ganz selten eine Zwei. Ich hätte nie gedacht, dass ich die englische Sprache mal für meinen Lebensunterhalt brauchen würde. Aber natürlich ist sie besonders wichtig, wenn man nach Amerika geht, um dort als Schauspieler zu arbeiten. Ich habe zwar erst Wettkämpfe als Bodybuilder gemacht, aber dann auch mit dem Drehen angefangen. Und in der Schule war ich wirklich gnadenlos schlecht in Englisch, das war gar nichts.

Im Film zerlegen Sie das Auto der Protagonisten nach allen Regeln der Kunst. Wie groß ist die Versuchung, die eigene Kraft auch mal im wahren Leben auszuspielen?

(lacht) Naja. Wenn ich mal den Schlüssel verlegt habe und die Tür geht nicht auf, dann knacke ich die schon mal. Oder wenn ich eingeparkt bin, hebe ich das Auto von hinten an und schiebe es zur Seite. Kraft ist manchmal schon ganz gut. Aber man muss sie ja nicht immer einsetzen, sondern damit geschickt umgehen. Mir hat an dieser Filmfigur gefallen, dass sie zunächst einmal gelassen mit der Situation umgeht. Der Typ nimmt sich selbst gar nicht so ernst. Es ist ein Film, der in erster Linie unterhalten soll. Vielleicht bringt er einen auch zum Nachdenken über das Alter. Aber er soll vor allem Freude machen. Und meiner Meinung nach hat Til das wieder geschafft.

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