Promi-Geburtstag vom 6. Oktober 2018: Udo Zimmermann

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Udo Zimmermann
Der Komponist und Dirigent Udo Zimmermann wird 75. (Foto: Arno Burgi / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Simona Block

Spätsommerlicher Herbsttag am Dresdner Elbhang: Auf der Terrasse eines schicken Hauses sitzt ein Mann im Rollstuhl, aus dem Wohnzimmer dringt Mozart.

Udo Zimmermann, der an diesem Samstag (6. Oktober) 75 Jahre alt wird, reagiert auf die Werke des Meisters. „Er hat früher viel von ihm dirigiert“, sagt die Frau des bekannten zeitgenössischen Komponisten. „Da entspannt er sich.“

Der Künstler, der stets mit Leidenschaft Musik schuf, kann sie inzwischen nur noch hören. „Vor allem bei seinen eigenen Werken kommt Leben in ihn“, sagt Saskia Zimmermann, die ihn pflegt. Der frühere Intendant leidet seit Jahren an einer seltenen neurodegenerativen Erkrankung. „Sprechen kann er kaum mehr.“ Das musikalische Gedächtnis aber sei noch sehr präsent.

Mit dem Rentenalter hatte sich das Leben des Komponisten noch einmal gewandelt. Er gab alle Ämter ab, baute ein neues Haus und heiratete ein drittes Mal. „Musik ist mein Lebenselixier“, bekannte er vor fünf Jahren. Schon da bremsten motorische Einschränkungen zuweilen seinen Tatendrang.

Damals dachte Zimmermann noch nicht ans Aufhören, inzwischen musste er es. Dabei sah er sich stets weniger als Komponist denn als Theatermensch, der auch komponiert. „Theater und Musik liegen mir am Herzen und gehören zusammen, das Theater ist von der Musik amalgamiert und die Musik amalgamiert das Schauspiel“, sinnierte er. Das reine Komponieren und Dirigieren war ihm stets zweitrangig.

Dabei hat der Künstler stets für das Experimentelle gelebt. Davon zeugen nicht nur seine Jahre als Intendant des Europäischen Zentrums der Künste in Dresden-Hellerau. Ende 2008 übergab er „diese Erbschaft“. Anfangs schaute er wehmütig zurück, wie aus seiner Vision eines Labors für zeitgenössische Kunst mit Eigenproduktionen ein Gastspielort wurde. Der engagierter Kulturpolitiker sah die Abhängigkeit der Kultur von der Ökonomie mit großer Sorge, nicht nur in Hellerau.

Von Förderung profitierte auch er einst, der Kruzianer, wie die Sänger des berühmten Dresdner Kreuzchores genannt werden. Damit stand sein Weg früh fest: Er studierte in seiner Heimatstadt Komposition und Gesang, war dann Meisterschüler und Assistent bei Walter Felsenstein in Berlin. Noch als Student landete er mit „Die Weiße Rose“ über die Geschwister Scholl einen Riesenerfolg. Die Oper gehört zu den am meisten gespielten Werken zeitgenössischer Musik. Vier weitere Opern, viel Vokalsinfonik und Werke für Kammerensemble folgten.

In Dresden gründete Zimmermann das spätere Zentrum für zeitgenössische Musik, das als Forschungsort und Ausrichter von Konzerten und Festivals internationalen Ruf in der Szene der Neuen Musik erlangte. 2004 wurde daraus das Hellerauer Europäische Zentrum, das alle Sparten wie Theater, Tanz, Architektur, Bildende und Medienkunst vereinen sollte. Daneben dirigierte er renommierte Orchester, arbeitete an wichtigen Opernhäusern und füllte als langjähriger Leiter der „musica viva“-Reihe des Bayerischen Rundfunks beim gleichnamigen Festival in München Säle - und das ausschließlich mit modernen Tönen.

Weltweit aktiv und doch immer seiner Heimat treu, war er Professor für Komposition an der Musikhochschule ebenso wie Dramaturg der Staatsoper. Manche sahen ihn gar als Chef der 1985 wiedereröffneten Semperoper. Dieser Traum erfüllte sich zwar nicht, Opernintendant war er trotzdem: in Leipzig und Berlin. Die zwölf Leipziger Jahre mit 27 Uraufführungen war größte Herausforderung, die drei Jahre Berliner Generalintendanz kosteten dagegen Unmengen an Energie, wie er später bekannte.

Nach und nach ist es immer stiller geworden um den Künstler, der früher gern in Oper und Theater ging. Auch privat ist Ruhe eingekehrt: Seine beiden erwachsenen Söhne aus zweiter Ehe besuchen ihn regelmäßig. Und auch die prominente Tochter aus erster Ehe war gerade vor ein paar Monaten wieder mal da: die Schauspielerin Claudia Michelsen („Ku'dam 56“, „Polizeiruf 110“) - sie hat ihn auch zum doppelten Großvater gemacht.

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