Promi-Geburtstag vom 30. Juni 2018: Sean Scully

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Sean Scully
Sean Scully vor seinem Werk „Horizontal Soul“. (Foto: Thomas Frey / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Er ist einer der wichtigsten abstrakten Maler der Gegenwart, der mit seiner weithin erkennbaren Formensprache unverwechselbar ist. Sein künstlerisches Leben widmet Sean Scully seit den 60er Jahren den Streifen als beherrschendes Bildelement.

Dabei ist Scully durch und durch Romantiker, der durchaus in der Tradition eines Caspar David Friedrich („Der Wanderer über dem Nebelmeer“) steht. Er habe sich immer wieder mit dem „elementaren Aufeinandertreffen von Land, See und Himmel“ beschäftigt, schrieb Gunner Lützow in der Zeitschrift „Mare“.

Der gebürtige Ire Scully, der heute 73 Jahre alt wird, hatte während seines Studiums in England mit figürlicher Malerei begonnen, die von den deutschen Expressionisten inspiriert war. Zur abstrakten Darstellung kam er durch die Begegnung mit Bildern Mark Rothkos und Jackson Pollock.

Mark Rothko sei für ihn „voll Ernst und Geometrie“, aber auch „voll sinnlicher Verzweiflung“, sagt Scully. Pollocks Werke drücken für ihn Verlangen, Freiheit und Sexualität aus - und lassen den strengen Mondrian als Moralapostel dastehen.

Den „Durchbruch“ aber fand Scully auf einer Reise nach Marokko. Dort stieß er „überall auf Streifen“. Dadurch angestoßen bezieht sich der Maler mit seinen „Bildern der Nostalgie“ auf „verloren gegangene Dinge in einer Welt, die immer virtueller wird“, meint Scully. „Meine Bilder beziehen einerseits die moderne Welt mit ein, widersetzen sich aber andererseits deren Hang zu Entpersönlichung und Automatisierung“, kommentiert Scully seine Bilder.

Als Freund konzeptioneller Kunst hat Scully in den 70er Jahren äußerst minimalistische Bilder geschaffen, die recht dunkel fast einfarbig-monoton erscheinen. Im Laufe der 80er Jahre wurden seine Streifen immer vielfarbiger und grober, ohne dabei das strenge Grundmuster von horizontalen und vertikalen Reihungen zu durchbrechen. Scully malte später immer großflächiger, setzte Leinwände und Stahlelemente in versetzten Ebenen zusammen, ließ Diagonalen zu und kombinierte riesige Schachbrettmuster mit Farbbändern.

Aber was heißt schon abstrakt? „Die Leute neigen dazu, sich Abstraktion abstrakt vorzustellen. Aber nichts ist abstrakt: Es ist immer noch ein Selbstbildnis. Ein Bildnis des eigenen Zustands“, sagt Scully. Und der ist fast immer ambivalent. „In den meisten meiner Bilder gibt es einen Kampf zwischen Hell und Dunkel. Oder zwischen Fröhlichkeit und Traurigkeit.“

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