Promi-Geburtstag vom 28. November 2019: Alfonso Cuarón

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Alfonso Cuarón
Oscar-Gewinner Alfonso Cuarón wird 58. (Foto: Chris Pizzello / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Wolfgang Marx

Nach dem Oscar-Triumph mit seinem Schwarz-Weiß-Drama „Roma“ ist der mexikanische Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Alfonso Cuarón ziemlich abgetaucht.

Ende Februar kündigte er an, sich eine Zeit lang aus den sozialen Medien zurückzuziehen - und der Filmemacher hat Wort gehalten. Seit Mitte April sind seine Twitter-Instagram-Accounts verwaist. Nichts Ungewöhnliches: Nach großen Produktionen nimmt sich Alfonso Cuarón, der heute 58 Jahre alt wird, immer wieder mal eine Auszeit.

Beste Regie, bester ausländischer Film und beste Kamera: Drei Oscars gab es insgesamt für die Netflix-Produktion „Roma“, in der es um ein indigenes Hausmädchen im politisch unruhigen Mexiko-Stadt der 1970er Jahre geht. Für Cuarón war es bereits der zweite Regie-Oscar. 2014 hatte er für das Weltall-Drama „Gravity“ ebenfalls die Auszeichnung bekommen.

Dieser bildgewaltige Science-Fiction-Film dreht sich um die beiden Astronauten Dr. Stone (Sandra Bullock) und Matt Kowalsky (George Clooney), die bei einem Außeneinsatz im All arbeiten, als es zur Katastrophe kommt und sie völlig auf sich allein gestellt sind. Das Space-Shuttle ist schon nach wenigen Minuten durch einen Metallschauer zerlegt, die anderen Astronauten sind tot. Die Verbindung zur Erde ist abgebrochen und der Sauerstoffgehalt in Dr. Stones Raumanzug sinkt dramatisch.

Mit dem siebenfach ausgezeichneten Weltraum-Drama „Gravity“ erfüllte sich Cuarón gewissermaßen einen Kindheitstraum. Als kleiner Junge wollte er Astronaut werden. Als ihm sein Bruder allerdings sagte, nur US-Soldaten dürften in den Weltraum fliegen, gab er seine Pläne auf und wandte sich dem Film zu.

In seiner Rede dankte er damals auch explizit seinen Landsleuten und Kollegen Alejandro González Iñárritu („The Revenant“) und Guillermo del Toro („Shape of Water“), die inzwischen ebenfalls Oscars gewonnen haben. Die drei Freunde sind auch als die „tres hermanos“ (drei Brüder) bekannt.

Alfonso Cuarón ist ein Regisseur, der die Herausforderung sucht: „Ich bin kein Auteur, der immer wieder den gleichen Film macht“, sagte er 2018 beim Lumière Festival in Lyon. „Ich bin eher ein Cinephiler, der sich für viele verschiedene Themen und Genres interessiert. Jedes Mal, wenn ich einen Film mache, ist es ein Film, bei dem ich nicht weiß, wie ich ihn wirklich machen kann.“

Bei „Gravity“ waren das vor allem die Spezialeffekte, die ihm Kopfzerbrechen bereiteten. Als es schließlich an die Drehvorbereitungen ging, „wurde mir irgendwie klar, dass ich keinen blassen Schimmer hatte, wie ich das eigentlich drehen sollte“, sagte er im Interview mit „TV Spielfilm“.

Bei Null fing er allerdings nicht an, denn die Dreharbeiten zu „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ (2004) hatten ihm bereits einiges Know-how vermittelt: „'Harry Potter' war für mich so eine Art Kindergarten der visuellen Effekte“, sagte Cuarón, der zudem das Böse in die bis dahin noch recht heile Märchenwelt des Helden einfallen ließ.

Alfonso Cuarón wuchs nahe den Filmstudios von Mexiko-Stadt auf und drehte schon als Jugendlicher seine ersten Kurzfilme. Er verließ die Filmhochschule nach einem Streit mit seinen Professoren, die ihn dafür kritisierten, seinen Film „Vengeance is Mine“ auf Englisch gedreht zu haben. Erste Erfahrungen am Set sammelte er als Tonmann, Regieassistent und Regisseur von Fernsehserien.

Mit dem Fantasy-Film „Little Princess“ gab er 1995 sein Hollywood-Debüt. Es folgten „Große Erwartungen“ (1998), „Y tu mamá también“ (2001) oder die düstere Zukunftsvision „Children of Men“ (2006), in der die Menschheit ausstirbt, die Weltordnung zusammengebrochen ist und die westliche Demokratie zur Diktatur mutiert.

Inzwischen hat Alfonso Cuarón auch eine neue Aufgabe gefunden. Er wird künftig für das Streaming-Angebot Apple TV+ neue Inhalte entwickeln. Um was es sich dabei handeln wird, wurde noch nicht bekannt.

In der hitzigen Debatte um Streaming und Kino hofft Cuarón, dass irgendwann eine Balance gefunden wird, sagte er „Deadline“. Er aber sieht vor allem den Mehrwert: „Aber was diese neuen Optionen bieten, ist eine größere Vielfalt an Inhalten. Vielfalt im Geschichtenerzählen, Vielfalt in den Charakteren, Vielfalt in den Ländern, Vielfalt in den Sprachen, aber auch Vielfalt in der Art und Weise, wie man Filme sieht.“

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