Promi-Geburtstag vom 16. Juni 2018: Joyce Carol Oates

Lesedauer: 4 Min
Joyce Carol Oates
Joyce Carol Oates ist schon lange eine Anwärterin auf den Literaturnobelpreis. (Foto: Daniel Joubert/EPA / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Christina Horsten

Das Lebenswerk von Joyce Carol Oates erstaunt sogar die Autorin selbst. „Die Liste meiner Bücher ist überwältigend“, schrieb Oates einmal. „So viele Bücher! So viele!“ Mehr als 100 sind es inzwischen: Romane, Theaterstücke, Kurzgeschichtensammlungen oder Werke unter Pseudonym.

Die Ideen kommen der zarten Frau mit der großen Brille beim Joggen, der Rest ist „harte Arbeit“, acht Stunden pro Tag. Heute wird Oates, die seit langem als Anwärterin auf den Literaturnobelpreis gilt, 80 Jahre alt - und schreibt weiter, auch häufig per Kurznachrichtendienst Twitter.

„Das Schreiben verursacht mir keine Beunruhigung, nicht wirklich“, sagte sie jüngst dem britischen „Guardian“. „Es ist so eine Freude und unsere Leben sind vergleichsweise so einfach, verglichen mit Menschen, die da draußen in der Welt hart arbeiten und leiden.“ Besonders schnell schreibe sie allerdings trotz des hohen Ausstoßes nicht. „Das denken die Menschen immer, aber es stimmt nicht. Ich erinnere mich daran, dass ich mal gedacht habe: 'Arbeite ich immer noch an diesem Buch?' Es ist so ein langsamer Prozess.“ Auf Deutsch erschien zuletzt im Mai Oates' neuer Roman „Der Mann ohne Schatten“.

Geboren wurde die Autorin 1938 im kleinen Millersport im US-Bundesstaat New York als Tochter eines Fabrikarbeiters zur Welt. Sie wuchs einfach, aber mit rastlos lesenden Eltern auf. „Ich stamme von Leuten, die nie aufs College gingen, die nicht einmal einen Schulabschluss haben“. Oates studierte Englisch und Philosophie und begann schon während des Studiums mit dem Schreiben. Anfang der 60er Jahre wurden erste Werke veröffentlicht. Nebenbei arbeitet Oates seit Jahrzehnten als Professorin für kreatives Schreiben, seit Ende der 70er Jahre an der Elite-Universität Princeton.

In fast allen ihren Werken entmythisiert die Autorin, was andere den „amerikanischen Traum“ nennen. Sie deckt die Kehrseite der Vision vom Streben nach Glück und Erfolg auf, zeigt, wie Gewalt und Tragödie den Menschen korrumpieren. „Ich glaube, dass Kunst nicht behagen darf“, sagte Oates einmal. „Dafür haben wir die Massenunterhaltung und dafür haben wir einander. Kunst sollte provozieren, beunruhigen, Gefühle aufwühlen und unsere Sympathien dorthin lenken, wo wir sie nicht erwarten und vielleicht auch gar nicht haben wollen.“ Oates gewann zahlreiche Preise, aber manche Kritiker werfen ihr auch Fließbandschreiberei vor.

Bis 2008 war Oates mit dem Literaturprofessor Raymond J. Smith verheiratet, fast 50 Jahre lang, bis Smith starb. Das Paar hatte jahrzehntelang gemeinsam die Fachzeitschrift „Ontario Review of Books“ herausgegeben. Seinen Tod verarbeitete Oates, die inzwischen neu verheiratet ist, in dem 2011 erschienenen Buch „Meine Zeit der Trauer“. Erst danach habe sie wieder zu ihren Romanen, Kurzgeschichten und anderen Projekten zurückkehren können. „Literatur zu schreiben ist schwer, wenn das echte Leben so viel wichtiger erscheint.“

Oates bei Twitter

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen