Promi-Geburtstag vom 12. April 2018: Joschka Fischer

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Joschka Fischer
Am 12. April 2018 feiert Fischer seinen 70. Geburtstag. (Foto: Soeren Stache / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Georg Ismar

Joschka Fischer lässt sein Thema nicht los: der Zusammenhalt in Europa in Zeiten der Krise. Er hat sich morgens um zehn unter die Zuhörer eines Vortrags der Präsidentin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, gemischt.

Sie ist in Berlin, um im Auditorium Friedrichstraße einen Vorschlag zu machen, der es in sich hat. Sie schlägt zur besseren Abfederung von künftigen Krisen einen „Schlechtwetterfonds“ der Euro-Staaten vor, in den Deutschland elf Milliarden Euro pro Jahr einzahlen soll.

Auch Fischer sorgt sich wie Lagarde um die Zukunft der EU, sieht ein Ende der kulturellen und geopolitischen Dominanz des Westens und wünscht sich eine einflussreichere Rolle für das von ihm sieben Jahre lang geführte Auswärtige Amt mit seinem exzellenten Apparat rund um den Globus. Nationalismus, Populismus à la Donald Trump, ein aggressives Russland Wladimir Putins, das den Westen herausfordert. Was zu Zeiten des Außenministers Joschka Fischer die Balkan- und Nahostkrise war, sind heute noch mehr Krisen und Unsicherheit.

Losgelassen hat der erste grüne Außenminister der Bundesrepublik (1998-2005) hingegen von der aktiven Politik. Während etwa Angela Merkel und Horst Seehofer heute um den richtigen Abschied ringen, hat er 2005 nach der Abwahl von Rot-Grün einen Strich gezogen.

Kurz vor seinem 70. Geburtstag am heutigen 12. April sagte der aus Gerabronn im Landkreis Schwäbisch-Hall stammende Fischer der „Süddeutschen Zeitung“ in einem bemerkenswert offenen Interview, was ihn beim richtigen Zeitpunkt für das Loslassen besonders geprägt habe. Er wurde 1999 Zeuge eines Auftritts von Helmut Kohl, nun nur noch Abgeordneter, im Bundestag während der CDU-Parteispenden-Affäre.

„Kohl hatte als Kanzler im Plenarsaal ja die physische Präsenz des Leitbullen einer Elefantenherde. Kaum einer traute sich, ihn ernsthaft zu attackieren“, erzählte Fischer. „Aber damals war er nicht mehr Kanzler, da hatten fast alle den Respekt vor ihm verloren.“ Außenminister Fischer saß auf der Regierungsbank, Kohl fing an, sich im Plenum zu rechtfertigen. „Er war extrem geschwächt und wurde mit Zwischenrufen angegriffen, jede Furcht vor ihm war weg“, so Fischer, der sich fragte: „Warum sitzt er als sein eigenes Denkmal im Bundestag herum statt nach Oggersheim zurückzugehen?“

Regelmäßig schreibt er noch für das Meinungsportal „Project Syndicate“ kluge Stücke. Zuletzt zum von Trump losgetretenen Handelskonflikt, der internationale Regeln außer Kraft setze („Pax Trumpia“). „Trumps protektionistische Politik fordert auch das gesamte deutsche Wirtschaftsmodell heraus, das seit den 1950er Jahren existiert.“ Deutschland mit seinem stark auf den Export basierenden Modell werde einer der größten Verlierer sein. Geld verdient er unter anderem mit seiner Beratungsagentur Joschka Fischer & Company - die im März den früheren SPD-Parteisprecher Lars Kühn als neuen Gesellschafter und Partner verpflichtet hat.

Fischer war seit dem Ende der politischen Karriere auch nie wieder auf einem Grünen-Bundesparteitag. „Ich hatte nie den Ruf, ein besonders begeisterter Parteisoldat zu sein. Und mein Verhältnis zu grünen Bundesparteitagen war immer ein schwieriges“, sagte er dazu der „Süddeutschen Zeitung“. Unvergessen der Grünen-Parteitag 1999 in Bielefeld, als aus Protest gegen den von Fischer mitgetragenen Nato-Einsatz im Kosovo ein roter Farbbeutel Joschka Fischer an den Kopf geschleudert wurde und dort zerplatzte.

Der grüne Übervater ist aber voll des Lobes für die Neuaufstellung mit einer frischen Spitze um Annalena Baerbock und Robert Habeck. Leid tut es ihm, dass Cem Özdemir wegen der gescheiterten Jamaika-Verhandlungen von Union, FDP und Grünen nicht der zweite grüne Außenminister geworden ist. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt war Fischer das erste Mal länger im Ausland, ein Jahr lehrte er an der US-Eliteuni Princeton, vermisste aber stark das deutsche Essen.

Sowieso das Essen, mal dünn, mal dick, viele Läufe zu sich selbst, Straßenkämpfer, Taxifahrer, Vizekanzler. Joschka Fischer, das sind viele Leben in einem, eine deutsche Biographie. Jeder hat Bilder zu ihm im Kopf. Der Randale-Fischer zu Frankfurter Studentenzeiten, vermummt mit einem Motorradhelm, im Nahkampf mit einem Polizisten. Der Turnschuh-Fischer, bei der Vereidigung als erster Landesumweltminister der Grünen 1985 in Hessen. Der Staatsmann-Fischer im Nadelstreifenanzug auf dem internationalem Parkett.

Er war nie Vorsitzender der Grünen, wurde aber zum führenden Kopf, nachdem der Partei 1983 der Einzug in den Bundestag gelang. Zum historischen Inventar gehört sein Zwischenruf 1984 an Bundestagspräsident

Richard Stücklen: „Herr Präsident, mit Verlaub, Sie sind ein Arschloch“. In der Bonner Kneipe „Provinz“ heckte er lange vor Rot-Grün mit dem späteren Kanzler Gerhard Schröder Regierungspläne aus, mit Kabinettslisten auf dem Bierdeckel. Fischer hat Schröder voraus, dass er mit der Filmproduzentin Minu Barati schon in seiner fünften Ehe lebt, Schröder plant diese gerade nach dem Scheitern der vierten Ehe mit Doris Schröder-Köpf.

„Deutschland ist in dieser Zeit ein anderes Land geworden“, sagte er über die rot-grünen Jahre. Nein zum Irak-Krieg, Atomausstieg, Umweltschutz, Eingetragene Lebenspartnerschaft für Homosexuelle, Agenda 2010. Heute bearbeitet er vehement mit Worten die AfD, die dem „linksversifften“ liberalen Wandel jener Generation den Kampf angesagt hat. Der Erfolg der 68er Bewegung ist aus seiner Sicht, dass die Gesellschaft gelüftet wurde - und unkonventioneller.

Nach dem Ende von Rot-Grün sagte er in seiner typischen, selbstgefälligen Art: „Ich war einer der letzten Live-Rock'n'Roller der deutschen Politik.“ Dass ihm die heutige Musik in der Politik nur bedingt gefällt, daraus macht Joschka Fischer kein Geheimnis. „Jetzt kommt in allen Parteien die Playback-Generation“, sagte er zum Abschied.

Fischer bei Projekt Syndicate

Joschka Fischer & Company

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