Promi-Geburtstag vom 1. Dezember 2018: Gilbert O'Sullivan

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Gilbert O'Sullivan
Gilbert O'Sullivan im Jahr 1973. (Foto: Klar / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Wolfgang Marx

In den frühen 70er Jahren war Gilbert O'Sullivan ein absoluter Superstar - auf Augenhöhe mit Elton John. Aber auch ein irgendwie seltsamer und recht scheuer Kauz.

Mit seiner riesigen Schirmmütze, dem Topfhaarschnitt, den kurzen Hosen und den Boots wirkte er wie ein schräger Alien in der Spät-Hippie- und beginnenden Glam-Rock-Ära.

Gilbert O'Sullivan hatte da seinen ganz eigenen Kopf: „Der einzige, dem es gefiel, war ich - und ich wollte halt nicht so langweilig aussehen wie James Taylor und alle anderen“, sagte O'Sullivan kürzlich im Interview mit „Deutschlandfunk Kultur“.

Aber schon bald kam der Bruch: „I Don't Love You But I Think I Like You“ (1975) war für lange Jahre sein letzter Top-20-Hit in Großbritannien. Und angesichts radikal wechselnder musikalischer Moden (Stichwort: Punk) wurde sein Werk von vielen als schnulzig-seichte Cocktailbar-Berieselung abgetan.

Auseinandersetzungen mit seinem Manager hinderten ihn zudem viele Jahre daran, ein neues Album aufzunehmen. Als er schließlich in den späten 80er Jahren zurückkehrte, war der Zug für Gilbert O'Sullivan, der in seiner Heimat auch als britischer Randy Newman gefeiert wurde, endgültig abgefahren.

Weitergemacht hat der irische Sänger und Pianist, der heute 72 Jahre alt wird, dennoch. In diesem Sommer ist sein 19. Studioalbum erschienen, das in weiten Strecken den Geist seines Debüts „Hilmself“ (1971) atmet. Nostalgisch? Ein bisschen. Zeitlos? Auf jeden Fall. O'Sullivan hat immer noch ein Händchen für prächtige Melodien, auf die er ganz besonders großen Wert legt.

„Wenn nötig, sitze ich acht Stunden am Klavier - fünf Tage die Woche, vier Wochen im Monat. Wenn es das ist, was mir gute Melodien beschert, tue ich das“, sagte er im Deutschlandfunk-Interview.

Die große Zeit des Mannes aus Watford waren die frühen 70er Jahre. Mit Balladen wie „Clair“, dem berührenden „Alone Again (Naturally)“, dem beschwingten „Matrimony“ oder dem überragenden Uptempo-Hit „Get Down“ eroberte O'Sullivan die Charts. Und die Herzen vieler weiblicher Fans - vor allem als er die Schirmmütze abwarf und mit neuer Wuschelfrisur sein Styling geändert hatte.

Auch unter seinen Kollegen finden sich viele Bewunderer: Musikgrößen wie Morrissey, Paul Weller oder Neil Diamond haben den Songpoeten als Inspiration genannt. Seine Songs sind oft gecovert worden, von Elton John, Nina Simone, Tom Jones oder den Pet Shop Boys. Und nicht überall hat der Erfolg nachgelassen: Gilbert O'Sullivan ist „Big in Japan“, wo er geradezu kultisch verehrt wird.

Gilbert O'Sullivan aber ist vor allem eines wichtig: „Für mich bedeutet Erfolg, einen guten Song zu schreiben„, sagte er laut Mitteilung seiner Plattenfirma BMG. „Wenn ich damit zufrieden bin, ist das für mich ein magisches Erlebnis. Diese Begeisterung verspüre ich noch heute.“

Website Gilbert O'Sullivan

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