Pro & Contra: Monopoly schlägt World of Warcraft

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 Gemeinsamer Spaß am Spielbrett.
Gemeinsamer Spaß am Spielbrett. (Foto: dpa)
Online Redakteur

Mitten im digitalen Gamer-Hype boomen analoge Brett- und Kartenspiele. Besonders Familienbrettspiele erfreuen sich einer enorm wachsenden Beliebtheit, vermeldet die Branche – was Kulturwissenschaftler darauf zurückführen, dass sie „eine soziale Interaktion“ bieten, die digitale Spiele nicht bieten könnten. Ist Spielen im Familien- und Freundeskreis mit Würfeln und echten Spielfiguren zum Anfassen wirklich das einzig Wahre?

Pro von Simone Haefele

Ballern statt Ball spielen, klicken statt Karten halten, Maus bewegen statt Männchen laufen lassen? Nein danke, das ist nichts für mich. Und gerne lasse ich mir dafür einmal mehr den Vorwurf gefallen, altmodisch, von gestern, leicht angestaubt zu sein. Und sehr gerne setze ich mich an dieser Stelle auch für das etwas aus der Mode gekommene Wort Gesellschaftsspiel ein. Denn es geht beim gemeinsamen Spielen doch tatsächlich in erster Linie um das gesellige Zusammensein, zum Beispiel mit den netten Doppelkopf-Partnern, den benachbarten Siedler-von-Catan-Spielern oder den befreundeten Tac-Fans – übrigens eines der besten Brettspiele (im wahrsten Sinne des Wortes), das je erfunden wurde. Und nicht um das konzentrierte Stieren auf einen Bildschirm.

Dem Argument, Gesellschaftsspiele seien doch pillepalle und ließen Kampfgeist vermissen, trete ich lächelnd entgegen. Wer einmal mit mir am Spieltisch saß, weiß, dass ich kein Pardon kenne, es mir große Freude bereitet, den Gegner vom Feld zu werfen, zu reizen, zu taktieren – und ganz haptisch den gegnerischen Spielkegel umzuwerfen oder den gewonnen Stich einzusacken. Am meisten Spaß macht es, gegen den Angetrauten anzutreten, der nach einem genialen Spielzug meinerseits stöhnt: „Immer das eigene Weib“. Tja, Spielen – am Tisch mit anderen – stärkt eben den Charakter.

Contra von Robert Kolm

Ja, ja, es ist ja ganz nett, gemeinsam am Küchentisch zu sitzen und „Risiko“ oder „Die Siedler von Catan“ zu spielen. Trotzdem ist mein letzter Spieleabend schon eine Ewigkeit her. Ab einem gewissen Alter ist es eben nicht mehr so einfach, den Freundeskreis an einen Tisch zu bekommen. Manche arbeiten abends und am Wochenende, andere haben Familie und kleine Kinder. Das Theater um einen gemeinsamen Termin tue ich mir nicht mehr an. Gespielt wird eigentlich nur noch am Rechner – und die Auswahl an Spielen ist riesig.

Ob nun ein Solo-Abenteuer wie „The Witcher“ oder die unendlichen Weiten von „World of Warcraft“ und „The Elder Scrolls Online“ – ich kann spielen, wann immer ich Zeit und Lust habe. Ich muss keine Termine vereinbaren und auf niemanden Rücksicht nehmen. Wenn ich nachts um 0.30 Uhr von der Schicht komme, dann ist es mir ein großes Vergnügen, noch ein Stündchen in meine Spiele abzutauchen. Und was redet die Kollegin von „kein Pardon“? Kein Pardon ist es, mit einer zierlichen Waldelfin einem Ork den Hintern zu versohlen. DAS ist erhebend.

Und soziale Kontakte? Habe ich dank Audio-Chat auch. Ich plaudere mit meinen Mitstreitern, die ich im Spiel reichlich finden kann. Einen Spieler habe ich sogar in Meersburg getroffen und einen netten Tag gehabt. Spielerherz, was willst du mehr?

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