Pro&Contra: Einkaufszettel

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 Erfolgreich durchs Warenlabyrinth zu manövrieren, ist gar nicht so einfach.
Erfolgreich durchs Warenlabyrinth zu manövrieren, ist gar nicht so einfach. (Foto: dpa)
Redaktion Beilagen/Wochenende

Von Dirk Uhlenbruch

Nicht einmal im Traum würden wir es wagen zu behaupten, dass es Unterschiede zwischen Männlein und Weiblein gibt – von den derzeit noch sichtbaren Geschlechtsmerkmalen vielleicht einmal abgesehen. Nein, spätestens seit Einführung der Emanzipation hauen Frauen beim Boxen genauso fest wie Männer und kicken ähnlich athletisch. Lediglich beim Einkaufen entdecken wir noch immer bedauernswerte Restexemplare, die sich der segensreichen Angleichung hartnäckig widersetzen. Will heißen: Damen, so unsere erschreckende Beobachtung, verzichten häufig auf den Einkaufszettel. Was, wie im Fall der ansonsten sehr geschätzten Gemahlin, schon mal dazu führen kann, dass aus der geplanten Anschaffung von Bananen und Brot schlussendlich drei volle Plastiktüten resultieren.

Muss doch wirklich nicht sein. Die strategisch und generalstabsmäßig auf einem kleinen Zettel geplante Shoppingtour spart nicht nur Zeit, weil nicht Benötigtes überhaupt nicht in Augenschein genommen werden muss. Auch teure, unnötige Spontankäufe, die später gern im Abfall landen, gehören bei sklavischer Befolgung des geschriebenen Worts der Vergangenheit an. Aber bestimmt sind Männer einfach nur vergesslicher: Bananen und Brot – das könnten wir uns niemals merken.

Von Petra Lawrenz

„Ja, mach nur einen Plan.“ Um hier mal mit dem alten Brecht und seiner „Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Planens“ einzusteigen. Passt doch perfekt zum Beutezug im Warendschungel. Ja, macht ihr nur schön eure Listen, am besten mit Excel am Computer, dann kann man auch noch Tortengrafiken draus basteln. Oder, noch besser, nutzt eine Einkaufslisten-App. Gibt’s wirklich!

Ganz ehrlich, das ist mir alles zu doof. Auch auf die Gefahr hin, mal eine Packung Semmelbrösel zu vergessen, die abseits meiner üblichen Jagdgründe steht, weigere ich mich Listen zu verfassen. Wozu denn? Da stehen doch all die Sachen gar nicht drauf, von denen ich vor dem Einkaufen noch gar nicht weiß, dass ich sie dringend brauche! Außerdem ist aus fernen Schulzeiten hinlänglich bekannt, dass man das, was mühsam auf Spickzettel gekritzelt war, sowieso im Kopf hatte. Äpfel, Spülmittel, Gürkchen – das ist doch nicht so schwer. Und Wurst? Käse? Brot? Wer, bitte schön, kann denn diese Theken übersehen, die breiter und besser beleuchtet sind als der Frankfurter Flughafen? Wahrscheinlich Leute, die ihre leintuchgroßen Einkaufszettel vor der Nase haben. Denen empfehle ich dringend das oben erwähnte Gedicht: „Und mach dann noch ’nen zweiten Plan / Gehn tun sie beide nicht.“ Hatter recht, der Brecht.

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