Premiere von „Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben“

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Deutsche Presse-Agentur

Der ganze Saal ist in gespannter Erwartung. Wie wird Marcel Reich-Ranicki die Verfilmung seiner Autobiografie „Mein Leben“ aufnehmen? Bevor die Dreharbeiten losgingen, hatte er gesagt, er erhoffe etwas Schönes und befürchte etwas Schlechtes. Und jetzt?

Das Publikum ist auf alles gefasst, bei MRR weiß man ja nie. Aber mit der Reaktion, die dann kommt, hat wirklich niemand gerechnet: Der Kritiker-Papst ist sprachlos.

Der Film hat ihn so tief berührt, dass er keine Worte findet. „Ich kann nichts sagen“, gesteht er. „Ich kann nur danken, danken allen, die hier mitgewirkt haben. Ich danke euch allen.“ Ende, mehr gibt's nicht. Der alte Mann - dieses Jahr wird er 89 - lässt sich wieder aus dem schwarzen Sessel helfen, den man für ihn vor die Leinwand gestellt hat, und strebt mit vorsichtigen Schritten der Kinobar zu. Der dpa beantwortet er noch die Frage, was ihm denn am Besten gefallen habe: „Die Atmosphäre und die Umrisse der Figuren - da haben Sie alles!“

Das Team rund um Drehbuchautor Michael Gutmann und Regisseur Dror Zahavi ist an diesem Mittwochabend bereits ganz gelöst zur Premiere im Multikulti-Viertel Köln-Ehrenfeld erschienen. Reich-Ranicki hatte sich den Film vorher mit seiner Frau Tosia im kleinen Kreis angesehen, zu Hause in Frankfurt. WDR-Fernsehfilmchef Gebhard Henke war dabei. „Sie waren beide sehr bewegt“, erzählt er. MRR habe hinterher nur ein Wort gesagt: „Fabelhaft!“

Der ARD-Film mit Matthias Schweighöfer („Der rote Baron“) in der Hauptrolle beschränkt sich auf Reich-Ranickis Jugendjahre: Im Mittelpunkt steht die Zeit im Warschauer Ghetto. Als polnischer Jude entging er nur knapp der Deportation in die deutschen Vernichtungslager. Es war ausgerechnet die deutsche Literatur, die ihm in seiner verzweifelten Situation immer wieder geholfen hat: zum Beispiel dabei, die richtigen Worten zu finden oder in höchster Gefahr zu handeln, statt sich treiben zu lassen. Als er mit Tosia schließlich bei einem polnischen Bauern unterschlüpft, muss er diesem zum Dank jeden Abend eine gute Geschichte erzählen. „Heute etwas über Hamlet, Prinz von Dänemark.“ - „Ach“, wendet der Bauer ein, „dänische Prinzen finde ich nicht so spannend.“ - „Nun warte doch erst mal ab....“

Reich-Ranicki erscheint im Film keineswegs als weltfremder Bücherwurm, sondern als einer, der hellwach ist und andere Menschen sehr genau einschätzen kann. In einer der besten Szenen wird er von einem besonders brutalen Wehrmachtssoldaten schikaniert und rettet sich, indem er ihn auf Fußball anspricht. Aus dem Kopf erzählt er den Verlauf eines Spiels von Hertha BSC gegen Schalke nach. Das imponiert seinem aus Berlin stammenden Peiniger so sehr, dass er ihn laufen lässt.

„Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben“ wird am 15. April um 20.15 Uhr in der ARD gezeigt.

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