Porträt: Höttges ist Obermanns Wunschkandidat

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Deutsche Presse-Agentur

Telekom-Chef René Obermann hat sich mit Timotheus Höttges nicht nur seinen Wunschkandidaten, sondern auch einen engen Vertrauten als Finanzvorstand geholt.

Die beiden Manager arbeiteten bereits vor Jahren bei T-Mobile in dieser Konstellation zusammen. Im Privatleben verabreden sie sich regelmäßig zum Laufen. Kritiker sprechen deshalb auch von einer mangelnden Distanz zwischen Obermann und Höttges.

Im Konzern ist Höttges nicht unumstritten: Manche schätzen an ihm die Zusammenarbeit auf Augenhöhe und loben seine Verlässlichkeit. Andere titulieren ihn als harten Verhandlungspartner und werfen ihm vor, er sei ein „machtbewusster Mensch“. Fachliche Qualifikationen für den Posten als Finanzchef hat Höttges jedenfalls vorzuweisen. Er kennt nicht nur die Befindlichkeiten des Ex-Monopolisten. Auch das Thema Finanzen ist für Höttges kein Neuland: 2000 kam er als Finanzchef für T-Mobile zu dem Bonner Konzern, davor war er beim Versorger VIAG in München für das Controlling zuständig.

Vom Image eines „blassen Finanzmanns“, als der er zu seiner Anfangszeit bei T-Mobile beschrieben wurde, ist nichts mehr übrig. Mit sichtbarem Enthusiasmus steht der Hüne für seinen Geschäftsbereich ein. Er gibt selbst zu, bei der Telekom „emotionaler geworden zu sein“. Und bei der Festnetz-Sparte T-Home hat Höttges durchaus Erfolge vorzuweisen. 2006 machte ihn Obermann zum Chef der Sparte, um die Probleme auf dem deutschen Markt in den Griff zu bekommen. Ganz Aufhalten konnte er den Abwärtstrend im deutschen Festnetzgeschäft aber nicht. Die 2,5 Millionen Anschlussverluste im vergangenen Jahr seien aber „regulatorisch gewollt“, wird Höttges nicht müde zu betonen. Auf dem DSL-Markt verteidigte T-Home 2008 die hohen Marktanteile und Analysten rechnen damit, dass sich auch der Gewinnrückgang im Rahmen der angepeilten fünf bis acht Prozent halten wird.

Ein Erfolgsfaktor von Höttges mag sein, dass er sich eigenhändig um die Probleme im Konzern kümmert. Um den Service zu verbessern, besucht der 46-Jährige seit Beginn seiner Zeit als T-Home-Chef auf einer „T-Tour“ Niederlassungen und Callcenter und war sich nicht zu fein, sich in Callcentern den Fragen der Kunden zu stellen oder im Blaumann mit Service-Technikern rauszufahren. Im Intranet dokumentierte er seine Erfahrungen in einem Tagebuch. Während manche das als „Show-Nummer“ titulieren, sagen andere, Höttges habe viel bei T-Home bewegt und sei „mit dem Herzen dabei“.

Auf Arbeitnehmerseite regte sich vor allem nach den harten Verhandlungen um die Ausgliederung der Service-Sparte im Jahr 2007 Skepsis gegenüber dem Manager. Um die Kosten auf dem Heimatmarkt in den Griff zu bekommen, mussten rund 50 000 Beschäftigte intern zu schlechteren Konditionen in den Bereich T-Service wechseln. Das Verhältnis zwischen Arbeitnehmerseite und Konzernführung gilt seit dem Streik Mitte 2007 als gestört.

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