Picasso-Gemälde bleiben in New York

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Deutsche Presse-Agentur

Zwei wertvolle Picasso-Gemälde, die seit Jahren in New York hängen, werden nicht an die Erben eines jüdischen Berliner Bankiers zurückgegeben.

Unmittelbar vor Beginn eines Prozesses am Montag (Ortszeit) in Manhattan einigten sich die deutschen Erben mit dem Museum of Modern Art (MoMA) und dem Guggenheim Museum darauf, dass die beiden US-Museen die auf je rund 200 Millionen Dollar geschätzten Bilder behalten dürfen.

Einzelheiten des Deals wurden nicht mitgeteilt. Der Sprecher der Erben, der Potsdamer Historiker Julius Schoeps, zeigte sich zufrieden mit der Lösung. „Mir geht es in erster Linie darum, dass der Familie Gerechtigkeit widerfährt“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

US-Bundesrichter Jed Rakoff, der den Prozess nach der Einigung absetzte, gab den Streitparteien eine Frist von 30 Tagen, ihre Vereinbarung doch noch offenzulegen. Es sei „außerordentlich unglücklich“, wenn die Öffentlichkeit nicht über die Wahrheit informiert werde, kritisierte Rakoff nach Angaben des Senders CBC.

Bei den Bildern handelt es sich um die Gemälde „Junge mit Pferd“ (1906) und „Die Mühle von La Galette“ (1900). Die Erben des Berliner Bankiers Paul von Mendelssohn-Bartholdy, darunter sein Großneffe Schoeps, hatten geltend gemacht, ihr Verwandter habe sich unter dem Druck der Nazis „verfolgungsbedingt“ von den Gemälden trennen müssen. Sie forderten deshalb die Rückgabe der Bilder.

Die Museen widersetzten sich der Forderung und zogen vor Gericht, um sich als rechtmäßige Eigentümer bestätigen zu lassen. Nach der Einigung betonten die beiden Häuser in einer gemeinsamen Erklärung: „Der weitere Besitz dieser Meisterwerke durch die Museen stellt sicher, dass sich die Öffentlichkeit - darunter Millionen Besucher, Studenten, Wissenschaftler und andere - auch in den kommenden Generationen daran erfreuen kann.“ Schoeps ließ sich bei dem Gerichtstermin in New York durch einen Anwalt vertreten.

Die Bilder gehörten zu der umfangreichen Kunstsammlung Mendelssohn-Bartholdys, der sie vor seinem Tod 1935 an den jüdischen Kunsthändler Justin K. Thannhauser verkaufen ließ. Dieser vermachte „Die Mühle von La Galette“ 1963 zusammen mit einer Reihe anderer Gemälde dem Guggenheim-Museum. Der „Junge mit Pferd“ wurde 1964 von einem späteren Besitzer dem MoMA gespendet und gehört zu den bekanntesten Bildern der renommierten Sammlung.

Nach Angaben von Schoeps, dem Leiter des Potsdamer Moses Mendelssohn Zentrums, haben die Erben nie daran gedacht, die Gemälde aus den Museen zu nehmen. Zu den Inhalten des Vergleichs äußerte sich der Historiker nicht. Darüber sei Stillschweigen vereinbart worden. Details würden noch innerhalb von 30 Tagen ausgearbeitet.

Bereits 2006 hatte ein Streit von Schoeps um ein anderes Picasso-Gemälde für Schlagzeilen gesorgt. Damals zog das Auktionshaus Christie's angesichts einer drohenden Klage des Historikers das schätzungsweise 60 Millionen Dollar teure „Porträt des Angel Fernandez de Soto“ (1903) in letzter Minute von einer Versteigerung zurück.

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