Philipp Oswalt wird Bauhaus-Chef

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Deutsche Presse-Agentur

Es ist eine große Herausforderung, die der neue Direktor der Dessauer Bauhausstiftung heiter und gespannt annimmt. „Ich setze mich am Montag in mein Büro und lege los“, sagt der Berliner Architekt und Publizist Philipp Oswalt mit einer unprätentiösen Geste.

Der 44-Jährige tritt zum 1. März die Nachfolge von Omar Akbar an, der die Stiftung zehn Jahre prägte. Oswalt beginnt sein Amt in einem Jubiläumsjahr - vor 90 Jahren gründete Walter Gropius das „Staatliche Bauhaus“. Die Ideen und Projekte dieser Hochschule bildeten die Grundlage der modernen Architektur und des Industriedesigns, viele Mythen und Interpretationen ranken sich bis heute darum.

Oswalt, der sich vor allem als konzeptioneller Berater bei der Stadtentwicklung auch international einen Namen gemacht hat, will das Bauhaus im 21. Jahrhundert ankommen lassen. Er gilt als einer der schärfsten Kritiker des Wiederaufbaus des Berliner Stadtschlosses und des preisgekrönten Entwurfs des Italieners Franco Stella („grotesk, absurd“). Er gehört der Generation von Architekten an, denen Rekonstruktion zuwider ist und die nach neuen städtebaulichen Ideen streben. So war er 2004 Mitinitiator des Projektes „Zwischennutzung“ für den Palast der Republik vor dessen Abriss. Für die in Halle ansässige Kulturstiftung des Bundes leitete er als Kurator das Projekt „Schrumpfende Städte“. Alles, was die Welt gegenwärtig bewegt, soll nach seinem Willen künftig auch das Bauhaus beschäftigen - Globalisierung, Finanzkrise und Klimawandel.

Oswalt, der auch an der Universität Kassel Architekturtheorie und Entwerfen lehrt, mischte schon vor seinem Amtsantritt in den zurückliegenden zwei Monaten bei den „Jubiläumsarbeiten“ mit. Seine Ideen werden sich in der großen Bauhausausstellung im Berliner Gropius-Bau (22. Juli bis 4. Oktober) wiederfinden. In Dessau plant er die Ausstellung „Bauhaus in Aktion“. „Anhand von Filmmaterial soll nachvollziehbar werden, was damals passierte - in Kunst, Theater und Design.“ Außerdem werde Mitte Juni ein Buch mit 14 Aufsätzen erscheinen über die Konflikte um das Bauhaus und dessen Instrumentalisierung - „um Angriffe von links und rechts, von Brecht und Bloch bis zum Kalten Krieg, zur 68er Studentenbewegung und zur DDR“.

Das Thema Wiederaufbau und Rekonstruktion hat Oswalt, der ein Verfechter zeitgemäßer Umsetzungs- und Nutzungskonzepte ist, nun auch in seinem neuen Amt eingeholt. Das Wohnhaus von Martin Gropius, dessen Rekonstruktion umstritten ist, soll nach dem aktuellen Konzept den Service für Bauhaus und Meisterhäuser beherbergen - „und im Keller ein bisschen Martin Gropius“. Oswalt schwebt vor, im Sommer ausländische Künstler und Architekten darin wohnen zu lassen, um den Charakter des Hauses zu erhalten. „Den Rest des Jahres kann es offen stehen.“ Er sei im Gespräch mit Oberbürgermeister Klemens Koschig (parteilos), „der sich dem Label Bauhaus verpflichtet fühlt und ein guter Partner ist“. „Die anderen Meisterhäuser von Moholy-Nagy/Feininger, Muche/Schlemmer und Klee/Kandinsky sind ja immer zu besichtigen.“

Als mittelfristiges Ziel seiner fünfjährigen Amtszeit sieht er, „alle Bauhausbauten der Stadt - Bauhaus, Meisterhäuser, Arbeitsamt, Kornhaus - zu einer Bauhaus-Stadt zu formen - mit unterschiedlichen, aber abgestimmten Nutzungen“. Doch das werde schwierig, weil es unterschiedliche Eigentumsverhältnisse gebe. Auch eine stärkere Vernetzung mit der Weimarer Bauhaus-Universität und dem Berliner Bauhaus-Archiv strebt er an.

„Es wartet sehr, sehr viel Arbeit auf mich“, ist sich Oswalt sicher. Er werde deshalb nicht täglich pendeln zwischen Berlin und dem 120 Kilometer entfernten Dessau-Roßlau. Aber einen Umzug will er seiner berufstätigen Frau und seinen drei Kindern nicht antun.

www.bauhaus-dessau.de

www.oswalt.de

www.schlossdebatte.de

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