Peter Kraus: „Schön war die Zeit!“

Lesedauer: 11 Min
Schwäbische Zeitung
Christoph Forsthoff

19. April: Friedrichshafen, Graf-Zeppelin-Haus, 19.30 Uhr.

15. April: Ulm, Congress-Centrum,

18 Uhr, Karten für beide Veranstaltungen unter Telefon

0751 / 29 555 777

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Andere in seinem Alter wären wohl noch in der Reha – Peter Kraus steht nach seinem vergangenen September in Jörg Pilawas TV-Show „Spiel für dein Land“ erlittenen Schulterbruch wieder auf der Bühne und singt die „Kulthits der wilden 50er- und 60er- Jahre“. Der 79-jährige ist wieder genesen und präsentiert auf einer zweimonatigen Tour die Lieblingssongs seiner Jugend, denn: „Schön war die Zeit!“ Vor seinem Konzert in Friedrichshafen hat Christoph Forsthoff den deutschen Nestor des Rock ’n’ Roll getroffen und mit Peter Kraus über Liebesbriefe, Nostalgie und die perfekte Ehe gesprochen.

Was war denn so schön an den „wilden 50er und 60er-Jahren“?

In meinem Leben war das natürlich eine schöne Zeit, denn wenn man – was damals noch nicht Usus war – mit 16 Jahren Karriere macht, Geld verdient und die Mädels laufen einem nach: Was willst du noch mehr? (lacht) Aber ich glaube auch für die Jugend damals war es eine schöne Zeit …

… inwiefern?

Wir hatten wenig, die Eltern waren dominierend und ein Teil der Jugend wollte etwas anders machen – und so waren wir genötigt, kreativ zu sein. Und das fehlt der Jugend von heute ein bisschen, denn die werden so zugeschüttet mit Angeboten, dass sie nur noch auswählen müssen: Was kann ich mir leisten, was will ich machen, wozu habe ich Zeit – aber es geht nicht mehr darum, aus dem Nichts kreativ etwas aufzubauen. Doch genau das war das Schönste an der Zeit damals – und das gab es eben nur einmal.

„Schön war die Zeit“ …, was zweifellos auch Ihre Fans mit Blick auf Ihren Abschied vom Abschied sagen, denn eigentlich hatten Sie mit Ihrer Tournee 2016 ja Ihren Rückzug von der Bühne verkündet.

Ja, ich hatte nach der dritten Verlängerung wirklich aufhören wollen und mir auch etwas Neues geschaffen, indem ich mir einen Weinberg zugelegt habe. Aber auf Dauer ist das einfach nicht befriedigend – und so kam irgendwann die Idee für ein Programm, das speziell die Wünsche meines Publikums erfüllt und einmal allein in dieser Zeit bleibt.

Und was wird nun aus Ihrem Weinberg, wenn Sie auf die Bühne zurückkehren?

Leider war ich bei der ersten richtigen Weinernte im vergangenen Jahr in ärztlicher Behandlung, sodass ich weder bei der Vor- noch bei der Hauptlese dabei sein konnte. Aber es sind wirklich sehr schöne Muskateller-Trauben und Manfred Tement, einer der größten Weinbauern in der Südsteiermark, keltert diese dann.

Zurück zur Musik – was hat Ihnen gefehlt?

Es ist einfach wahnsinnig schön, auf der Bühne zu stehen und Erfolg zu haben – das ist einfach toll. Und dazu kommt die Tatsache, dass ich mich körperlich sehr fit gefühlt und mich gefragt habe: Warum mache ich nicht wieder Musik? Da ist einfach dieser Drang, wieder auf die Bühne zu gehen – und es macht riesig Spaß, auf Konzerttournee zu sein und live in einem möglichst vollen Saal zu spielen.

Welche Rolle spielt in einem solchen Programm das Moment der Nostalgie?

Ich habe lange gedacht, ich müsste immer aktuell und modern sein. Bis mir ein großer Produzent eines Tages gesagt hat: Irgendwann bleibst du stehen und stellst fest „Das ist jetzt meine Musik“ – und dann lebst du mit dieser Musik. Und tatsächlich habe ich mir schon vor Jahrzehnten gesagt: Meine Musik sind Swing, Blues, Bigband und Rock ’n’ Roll – und damit Schluss. Schlager oder elektronische Sachen höre ich mir zwar an, aber es ist nicht meine Welt.

Das wird jetzt also tatsächlich Ihre allerletzte Tournee sein?

Ja, danach geht es nicht mehr weiter, das ist jetzt wirklich die letzte Tournee, denn sonst bekomme ich Ärger mit meiner Frau – man kann nun mal nicht alles haben ...

Früher bekamen Sie heiße Liebesbriefe – wie sieht das heute aus? Oder schreibt man keine Briefe mehr …

Zum Geburtstag kommen durchaus noch Briefe, doch das sind Dankesbriefe für eine Zeit, in der ich die Menschen begleitet oder fröhlich gestimmt habe. Und da heißt es dann schon mal: „Wenn ich heute ein Tief habe, lege ich deine Platte von damals auf ...“ Aber es sind nicht mehr unbedingt die Frauen, die mit mir ins Bett gehen wollen – da kommt weniger. Das war früher etwas besser …

Sie sind inzwischen 79 Jahre alt – welchen Tribut zollen Sie bei dieser Show Ihrem Alter?

Im Grunde bin ich die letzten Jahre immer schon auf die Bühne gegangen und habe mir gesagt: Heute lasse ich körperlich nicht die Sau raus – aber es gelingt mir einfach nicht mich zurückzunehmen … (lacht)

Gibt es ein Geheimnis Ihres jahrzehntelangen Erfolgs?

Mein Ziel war nie Sänger zu werden – ich bin halt aus Versehen ein Rock ’n’ Roll-Star geworden, dafür kann ich nichts. Ich habe als Bub als Filmschauspieler angefangen, habe Theater gespielt und dann mit 19 Jahren meine erste Fernsehshow „Herzlichst: Ihr Peter Kraus“ gehabt, selber Regie geführt und diese produziert – und schon damals habe ich in dieser Sendung Swing-Musik gemacht und auch parodistische Sachen. Doch eigentlich wollte ich ab 35 nur noch Regisseur sein und nicht mehr vor die Kamera treten.

Was ja dann doch anders gekommen ist …

Ja, doch für mich hat die Welt des Entertainments immer viele Musikrichtungen umfasst – ich habe ja auch wahnsinnig viel Operette gesungen, weil ich einfach das Genre toll finde. Insofern war ich kein klassischer Rock- oder Pop-Sänger, dafür war mein Interessensgebiet immer zu groß. Und das spiegelt sich auch in meinen Shows und anderen Aktivitäten wider und unterscheidet mich ein bisserl von den Hit-Gesangsprogrammen anderer Kollegen.

Sie sind vor zwei Jahren zum zweiten Mal Großvater geworden – hat das Ihr Leben verändert?

Noch nicht, denn mein Sohn lebt in München und wir im Tessin und in der Südsteiermark – und insofern bleibt es halt bei Besuchen, obwohl wir ein super Verhältnis pflegen. Sie kommen dann zu uns oder wir sind mal in München und treffen die Kleine, aber es ist leider nicht diese klassische Situation, wo man in derselben Stadt wohnt – oder wie es in der guten alten Zeit war, als alle noch im selben Haus oder auf demselben Bauernhof gelebt haben.

Das ist sie wieder, die Nostalgie …

Ja, ich finde es toll, dieses Familienleben, wie ich es aus Italien kenne und wo am Sonntag in den Lokalen dann 15 Personen von der Oma bis zum Enkel an einem Tisch sitzen! Das haben wir leider nicht, dafür leben wir zu weit voneinander entfernt. Wobei ich auch nicht weiß, ob ich das wirklich haben müsste …

Weil die reine Opa-Rolle Ihnen dann doch zu ruhig wäre?

Ruhe? Wenn die Ingrid (die Ehefrau Anm. d. Red.) mal drei Stunden auf die Kleine aufpasst, dann ist sie fertig. Ein Temperamentsbündel ist das, das ist der Wahnsinn! Nein, Ingrid und ich sind eher Menschen, die es gern haben, für uns zu sein. Wir sind sehr glücklich zusammen und vermissen zu zweit auch nichts.

Das klingt nach einer sehr erfüllten Beziehung …

Ja, für mich ist diese Zweisamkeit das Größte – in Verbindung mit dem, was wir uns angeschafft haben. Wir haben ein nettes Haus am See, ich habe mein Motorboot, ein Segel- und ein Paddelboot, die Ingrid hat ihren Gemüsegarten und dazu haben wir jetzt noch einen Weinberg. Im Grunde sind wir Selbsternährer, denn wir haben auch Tiere, bekommen unsere frischen Eier, was ihr wiederum viel Spaß macht, während ich meine Autos habe: Insofern sind wir eigentlich beide den ganzen Tag beschäftigt – das ist perfekt. Sonst wäre ich auch nicht so jugendlich geblieben, denn Stress in der Ehe macht schon älter.

19. April: Friedrichshafen, Graf-Zeppelin-Haus, 19.30 Uhr.

15. April: Ulm, Congress-Centrum,

18 Uhr, Karten für beide Veranstaltungen unter Telefon

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