„Pension F.“: Medienschelte statt Medienspektakel

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Deutsche Presse-Agentur

Es sollte zur „ultimativen Mediensatire“ werden. Bereits Wochen vor seinem Entstehen erregte „Pension Fritzl“, das Stück mit dem Namen des berüchtigten „Inzest-Täters“ von Amstetten in Österreich heftige Kontroversen.

Am Ende begann die Uraufführung von „Pension F. - Ehemals Pension Fritzl“ am Montagabend in Wien unter Polizeischutz. Unter den Augen von mehr als 50 internationalen Medienvertretern mit einem Dutzend TV-Kameras präsentierte Regisseur Hubsi Kramar in Wiens bekannter Off-Bühne „3raum-anatomietheater“ ein Stück politischer Satire. Gezielt plakativ und böse prangert es die Sünden des rücksichtslosen Medienrummels im Fall des 73-jährigen „Jahrhundertverbrechers“ Josef Fritzl und seiner Tochter Elisabeth an.

Der als Regisseur, Schauspieler und Provokateur agierende Theaterchef Kramar hat Wort gehalten. Nur selten ist in seinem rund zweieinhalbstündigen Stück von jenem Josef Fritzl die Rede, der seine Tochter 24 Jahre lang in seinen Keller einsperrte und sie dort fortwährend vergewaltigte. Dafür sind die sensationstriefenden, fetten Schlagzeilen der österreichischen Tagespresse im Hintergrund als Videoprojektionen stets präsent. Subtil geht Kramar in seinem Stück nicht vor. Das Motto „Geiler, Geiler“ spricht ebenso für sich, wie die unwidersprochene Aussage „Opfer sind gut für die Quote“.

Kramar hat als Theatermann die etablierte österreichische „Bussi-Bussi-Gesellschaft“ immer wieder provoziert. Schon mit der Ankündigung seines Stücks „Pension Fritzl“ Ende Januar brachte er Österreichs Boulevardzeitungen massiv gegen sich auf. Die Blätter mutmaßten, Kramar wolle nun „mit dem Leid der Opfer“ Geld verdienen. Michael Jeannée, Kolumnist der „Krone“ schrieb, ohne das zu diesem Zeitpunkt nicht einmal geschriebene Stück überhaupt zu kennen: „Herr Kramar, Sie sind kein Ekel. Sie sind ekelhaft!“

Obwohl Kramar wenig später deutlich machte, dass er nicht daran denke, eine Komödie über den Fall Fritzl zu schreiben, veröffentlichte das Gratisblatt „Heute“ am nächsten Tag einen Artikel mit Überschrift: „Skandal-Regisseur beharrt auf seiner Komödie über den Fall Fritzl“. Auch Österreichs rechte Freiheitliche Partei entrüstete sich. Sie forderte den Entzug der (geringen) Subventionen für Kramars Theater. Die Kampagne gegen das unbekannte Stück nahm derartige Ausmaße an, dass Kramars kleines Theater unter Polizeischutz gestellt wurde. Politische Unterstützung erhält Kramar nicht.

Dabei ist „Pension F“ erwartungsgemäß kein Theaterstück geworden, sondern eine Reihung einzelner Kabarett-ähnlicher Nummern, in denen es aber stets um „das Eine“ geht: Die Gnadenlosigkeit und Hemmungslosigkeit moderner Medien im Kampf um die Sensation. Dabei macht Kramar deutlich, dass er die bei der Premiere anwesenden Medien und Journalisten in seine Kritik mit einbezieht. Gegen Ende des ersten Teils setzen er und seine Schauspieler sich gemeinsam vor die Zuschauer-Journalisten und spenden ihnen zynischen Applaus. Nur ein Thema ist bei diesem Stück durchgängig: Eine junges Missbrauchsopfer, das mit Maske vor dem Gesicht über das an ihr verübte Verbrechen aussagen will, wird von den handelnden Personen immer wieder von der Bühne gejagt. Am Ende hilft dabei ein Polizist.

Der Skandaljournalismus ist für Kramar natürlich nicht auf Österreich begrenzt. Bester Beweis dafür ist die jüngste Veröffentlichung der ersten Fotos von den Familien-Opfern Josef Fritzls im Londoner Massenblatt „Sun“. Und so wundert es nicht, dass der Autor am Ende allen anwesenden Journalisten zynisch dafür dankt, „dass sie ein so gutes Stück geschrieben haben“.

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