Panzer sollen Meerestiere anlocken

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Zehn schrottreife Panzer wurden im Atlantik versenkt. Dort sollen Fische Schutz vor Strömungen finden und auch Korallen könnten
Zehn schrottreife Panzer wurden im Atlantik versenkt. Dort sollen Fische Schutz vor Strömungen finden und auch Korallen könnten hier Wurzeln schlagen. (Foto: AFP PHOTO / UNION OF LEBANESE PROFESSIONAL DIVERS / MOHAMMED SARJI)
Michael Wrase
Redakteur

Die Idee an sich ist nicht neu. Bereits vor den Küsten Zyperns und der Insel Malta sowie im nord-amerikanischen Atlantik waren in den letzten Jahren Schiffswracks versenkt worden, um künstliche Riffe zu schaffen. In einigen Fällen funktionierte das. Was mit Schiffen möglich ist, muss auch mit Panzern realisierbar sein, dachten sich die „Freunde der Küste von Saida“ im Südlibanon. Die Aktivisten konnten der libanesischen Armee zehn schrottreife russische T-60-Panzer abschwatzen. Die erstmals 1942 – also noch vor der Schlacht von Stalingrad, produzierten Stahlrössern wurden am Wochenende drei Kilometer vor Sidon, der größten Stadt des Südlibanons, im Mittelmeer versenkt.

Ziel der Küstenfreunde ist die Schaffung eines „riesigen Unterwasserparks“. „Hier wird ein Paradies für Taucher sowie eine neue Unterwasserwelt entstehen“, verkündete der Initiator Kamel Kozbar, als riesige Kräne die Panzer nacheinander vorsichtig im seichten Wasser versenkten. Schon bald sollen sie den Fischen Schutz vor Strömungen bieten. Auch Algen und Korallen, so die Hoffnung der Küstenfreunde, könnten an den Stahlwänden der Panzer einmal „Wurzeln schlagen“.

Die Panzerversenkung soll zudem dem Umweltschutz dienen, was zunächst abwegig erscheint. Große Teile der 200 Kilometer langen Küste des Libanon hatten sich im Laufe der Jahrzehnte in riesige Müllhalden verwandelt. Wo allerdings Hotels und Restaurants gebaut wurden, begann man mit der Beseitigung des Mülls. Schließlich stört Unrat das Geschäft, welches die libanesischen Küstenfreunde auch mit ihrem Unterwasserpark machen wollen. Wenn erst einmal die Tauchtouristen kämen, lautet ihre Überlegung, würde der Restmüll „ganz automatisch verschwinden“. Man könne halt nur Anreize zur Entsorgung bieten.

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