Oscarpreisträger Freydank bleibt Realist

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Deutsche Presse-Agentur

Der Berliner Oscar-Gewinner Jochen Alexander Freydank (41) bleibt trotz seines Triumphes in Hollywood mit beiden Beinen auf der Erde.

„Natürlich ist der Oscar ein starker Rückenwind für einen bis dahin nicht so bekannten Regisseur eines Kurzfilms“, sagte Freydank in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Für seinen 14-minütigen Film „Spielzeugland“ war Freydank in der Nacht zum Montag von der US-Filmacademy mit der goldenen Statue geehrt worden. „Aber es ist immer noch ein weiter Weg für mich. Und ich mache ja in erster Linie nach wie vor nicht Filme, um Preise zu gewinnen, sondern um Menschen zu erreichen.“

Freydank, der am Dienstag in Berlin zurückerwartet wurde, hat noch so manche Rückschläge in seiner bisherigen Karriere zu gut in Erinnerung, als dass er jetzt nur euphorisch in die Zukunft blicken kann. Aber er habe in Amerika immerhin schon vielversprechende Kontakte auch mit Produzenten und ein für Kurzfilmer bemerkenswertes Medienecho gehabt, was ihm Mut gemacht habe. „Möglich, dass sich meine Arbeit nun beschleunigen wird.“

Über den entscheidenden Augenblick der Preisverkündung im ehrwürdigen Kodak Theatre in Hollywood sagt Freydank: „Ich war sehr, sehr glücklich in dem Moment. Man versucht ja, sich im Vorfeld auf dem Boden zu halten und sich nicht so heiß zu machen, da andere Filme auch stark sind. Aber ich merkte bei der Vorführung der verschiedenen Filmausschnitte schon, dass es unterschiedlichen Applaus gab, der bei meinem Film dann anschwoll. Da stutzte ich das erste Mal und dachte, oha, da sind offensichtlich doch viele im Saal, die den Film schon gesehen haben und ihn sehr gut finden. Na mal gucken, sagte ich mir dann.“

Der in Berlin gedrehte Film über eine Mutter, die in der NS-Zeit ihren kleinen Sohn vor der Wahrheit über die Deportation der jüdischen Nachbarn und damit auch seines kleinen Freundes schützen will, berühre emotional sehr stark und erreiche die Menschen offensichtlich nicht nur über den Verstand. „Natürlich ist es wichtig, im Film auch die Emotionen anzusprechen, aber das ist gerade in dem Kurzfilm-Format extrem schwer, und das scheint mir geglückt zu sein“, freut sich Freydank. „Ich hoffe mal, dass ich dass jetzt auch im größeren Kino-Format, also auch im Spielfilm, schaffe, in dem ich möglichst bald arbeiten will.“ Vorerst aber geht es um eine baldige TV-Ausstrahlung seines preisgekrönten Kurzfilms.

Gespräch: Wilfried Mommert, dpa

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