Oscar-Gewinner Freydank im Porträt

Lesedauer: 3 Min
Deutsche Presse-Agentur

Die Oscar-Nominierung war schon mehr, als sich Jochen Alexander Freydank je erträumt hatte. Den Oscar selbst bezeichnete der Berliner Regisseur wenige Tage vor der Verleihung in Hollywood noch als das i-Tüpfelchen auf dem Sahnehäubchen.

In der Nacht zum Montag erhielt sein Kurzfilm „Spielzeugland“ nun dieses i-Tüpfelchen, den begehrtesten Filmpreis der Welt. Vier Jahre hatte er an der 14-minütigen Produktion gearbeitet.

Dabei war der am 15. September 1967 in Berlin geborene und in der DDR aufgewachsene Freydank mehrfach von Filmhochschulen abgelehnt worden. Beirren ließ er sich davon nicht. Er begann seine Karriere als Cutter, arbeitete jahrelang als Regieassistent für Film und Fernsehen. Er schrieb Drehbücher (zum Beispiel für den „Polizeiruf 110“ oder „Dr. Sommerfeld - Neues vom Bülowbogen“) und führte Regie bei Off-Theaterstücken sowie bei Werbe- und Kurzfilmen. 1999 gründete Freydank seine eigene Firma, um seine Projekte realisieren zu können. „Ich bin Regisseur“, betont er, wenn er nach seinem Beruf gefragt wird.

2002/2003 drehte er eine kleine politische Satire mit dem Titel „Dienst“ über einen Wachmann. „Eine schwarze Komödie, wie ich überhaupt zum schwarzen Humor neige“, wie Freydank sagt. Jetzt plant er seinen ersten „richtigen“ 90-Minuten-Kinofilm, über den er aber noch nicht sprechen will. Im Internet kündigt seine Firma den Spielfilm „Der Bau“ an, nach einer Erzählung von Franz Kafka.

In „Spielzeugland“ geht es um eine Mutter, die ihrem Sohn während des Zweiten Weltkrieges verschweigt, dass die jüdischen Nachbarn in KZs deportiert werden. Stattdessen erzählt sie, dass die Familien in eine Art Freizeitpark reisen. Der Film hat nach Angaben der Berliner Lottmann PR-Agentur bereits 18 nationale und internationale Preise erhalten. Der Oscar sei nun der bisher größte Erfolg.

In einem Zeitungsinterview hatte Freydank erzählt, dass ihm die Idee zu „Spielzeugland“ gekommen sei, als er selbst seinem kleinen Sohn mal wieder eine Notlüge aufgetischt hatte, um die grausamen Bilder aus den Nachrichten zu erklären.

Jochen Alexander Freydank sicherte sich als dritter Deutscher seit 1994 den Oscar für den besten Kurzfilm. Zuletzt hatte 2001 Florian Gallenberger mit „Quiero Ser“ in dieser Kategorie den begehrtesten Filmpreis der Welt gewonnen. 1994 war Pepe Danquart für „Schwarzfahrer“ ausgezeichnet worden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen