Opaschowski: Deutsche sehnen sich nach Respekt und Rücksicht

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Deutsche Presse-Agentur

Im öffentlichen Raum herrscht vielfach eine aggressive Stimmung, doch die Mehrheit der Deutschen sehnt sich nach Respekt und Rücksichtnahme: So sieht es zumindest der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski (77).

In einer repräsentativen Studie des Meinungsforschungsinstituts Ipsos in Zusammenarbeit mit Opaschowski hätten fast zwei Drittel der Befragten angegeben, dass Respekt der wichtigste Wert im Leben und in der Erziehung der nächsten Generation sei.

Damit zeichne sich auf breiter Ebene eine Gegenbewegung zu den Aggressionen auf Straßen und Fußballplätzen, in Parlamenten und sozialen Medien ab. „Respekt und Rücksichtnahme, Fairness und Vertrauen werden im Zusammenleben und in der politischen Auseinandersetzung immer wichtiger“, sagte der emeritierte Pädagogikprofessor der Deutschen Presse-Agentur.

Langfristig veränderten die über eine Million Zuwanderer die Umgangsformen und das Zusammenleben in Deutschland. Die Immigranten müssten sich mit den in Deutschland gelebten Werten wie Pflichterfüllung, Fleiß, Disziplin, Durchsetzungsvermögen und Gerechtigkeit anfreunden, forderte Opaschowski.

Die Deutschen müssten dagegen begreifen, dass die Zuwanderer keine Gastarbeiter seien, also keine Gäste auf Zeit wie in den 60er und 70er Jahren, sondern zumeist auf Dauer in Deutschland bleiben wollten. „Es wird ein Geben und Nehmen sein“, sagte Opaschowski und betonte: „Die Deutschen müssen sich damit arrangieren, um ein gutes Zusammenleben gewährleisten zu können.“

Die Ipsos-Studie wurde Anfang des Jahres erstellt, lange vor den Ereignissen von Chemnitz und Köthen. Die Ergebnisse seien aber aktuell und deuteten die Richtung an, wie sich das gesellschaftliche Zusammenleben verändere, erklärte Opaschowski.

Die Renaissance des Respekts stelle die erste Stufe des sozialen Wandels dar. Die weiteren Stufen seien Anerkennung und Wertschätzung. „Chemnitz, Köthen und anderes sind Geburtsschmerzen auf dem Weg vom Zuwanderungs- zum Einwanderungsland Deutschland“, sagte Opaschowski mit Blick auf die jüngsten ausländerfeindlichen Demonstrationen in den beiden Städten und die Zunahme von Aggressivität.

Gelungene Integration sei ein Prozess, der erarbeitet und gepflegt werden müsse. Einheimische und Zuwanderer könnten dabei voneinander lernen und profitieren. „Was sie miteinander verbindet, ist die Hoffnung auf eine positive Zukunft, in der es allen besser geht.“ Allerdings werde es Jahre brauchen, bis sich Einstellungen und Verhalten änderten. „Die deutsche Vereinigung ist ja auch nicht von heute auf morgen eine schnelle Erfolgsformel für konfliktfreies Zusammenleben gewesen“, meinte der Zukunftsforscher.

Erst Mitte September war in Berlin das sogenannte Integrationsbarometer vorgestellt worden. Nach dieser Umfrage aus der zweiten Jahreshälfte 2017 hat sich das „Integrationsklima“ in Deutschland im Vergleich zu 2015 etwas eingetrübt. 63,8 Prozent der befragten Deutschen ohne Migrationshintergrund beurteilten das Klima eher positiv, 2015 hatten dies noch 65,4 Prozent getan.

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