Onlinehandel boomt trotz Krise

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Deutsche Presse-Agentur

Den Pulli oder die neue CD bequem am Computer bestellen - ohne Parkplatzsuche oder lästige Schlangen an den Kaufhauskassen. Der Konjunkturflaute zum Trotz boomt der Onlinehandel.

Viele Internetverkäufer schlossen 2008 mit guten Ergebnissen ab und rechnen im Krisenjahr 2009 sogar mit zweistelligen Zuwachsraten. Branchenexperten gehen insgesamt von einem Wachstum von mindestens zehn Prozent aus. „In wirtschaftlich schwierigen Zeiten achten die Verbraucher noch stärker als sonst auf den Preis“, betont der Präsident des Hightech-Verbandes Bitkom, August-Wilhelm Scheer. Davon profitierten auch die meist preisorientierten Internethändler.

Der zum Arcandor-Konzern gehörende Webshop Karstadt.de peilt ein Umsatzplus von 40 Prozent an. Der Jahresstart stimme optimistisch, sagt Geschäftsführer Christian Winter. Online verkauften sich besonders gut Elektroartikel und alles zum Thema Wohnen und Schlafen. Derzeit habe Karstadt im Netz mehr als 80 000 Artikel sowie rund 3 Millionen Buchtitel, CDs und DVDs im Angebot. „Im Weihnachtsgeschäft gab es Tage mit bis zu 250 000 Besuchern auf unserer Webseite“, betont Winter. Im Januar soll es ähnlich gewesen. Angestrebt wird eine engere Verzahnung zwischen dem Internet-Angebot und den Warenhäusern. „Wir wollen die Onlineshopper in unsere Filialen locken und die stationären Einkäufer auf unsere Webseiten“, sagt Winter.

Der bislang eher schwächelnde Arcandor-Versand Quelle soll sogar zum führenden Internet-Anbieter ausgebaut werden. Nach Amazon und eBay sei Quelle schon jetzt die Nummer drei im deutschen E-Commerce. Der Marktanteil am Onlinehandel stieg im vergangenen Jahr von 3,6 auf 5 Prozent an. Im Geschäftsjahr 2007/2008 wurde für 1,1 Milliarden Euro in den Quelle-Onlineshops bestellt, ein Zuwachs von 22 Prozent. Im Durchschnitt surft nach Angaben des Unternehmens jeder fünfte Deutsche im Monat auf quelle.de. Im Internet würden Zielgruppen angesprochen, die man mit den traditionellen Katalogen nicht erreicht.

Auch der Konkurrent Otto Versand erwartet trotz Wirtschaftskrise ein starkes Wachstum im E-Commerce. Im noch laufenden Geschäftsjahr habe der Onlinehandel um 38 Prozent zulegen können. Mittlerweile erwirtschaftet der Versender mehr als die Hälfte seines Umsatzes über das Internet, pro Stunde sind es rund 100 000 Euro. Nach Angaben von Vorstandschef Rainer Hillebrand nutzen immer mehr Kunden den Katalog nur noch zur Orientierung, bestellten dann aber online. Um den Bereich auszubauen, kaufte Otto gerade die Kinder-Shoppingseite Limango ein.

Der Webshop des Hamburger Kaffeeröster Tchibo verzeichnet pro Monat mehr als fünf Millionen Besucher und wird als wichtige Vertriebssäule geschätzt. Online werden unter anderem Möbel gut verkauft, die sich aufgrund ihrer Größe nicht als „Mitnahmeartikel in den Filialen“ eignen.

Beim klassischen Versandhandel wird das Internet immer wichtiger, beobachtet auch der Bundesverband des deutschen Versandhandels. Der Onlinehandel habe in den vergangenen Jahren zweistellige Zuwachsraten gehabt, allein 2008 sei ein Umsatzplus von 23 Prozent erzielt worden. Am gesamten Einzelhandelumsatz hat e-Commerce aber immer noch nur einen Anteil von 3,5 Prozent. „Die Menschen kaufen immer mehr online, weil das Internet immer selbstverständlicher wird“, betont Sprecher Oliver Claas. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Onlineshopper erstmals auf über 30 Millionen an. Jeder fünfte Online-Käufer ist sogar älter als 60 Jahre. Reine Online-Bestellungen erreichten einen Wert von 13,4 Milliarden Euro, gut 18 Prozent davon entfielen auf Bekleidung, Textilien und Schuhe.

„Die Unternehmen müssen immer mehr auch online aktiv sein“, betont Claas. Viele Kunden setzten ohnehin eine Internetpräsens mit Adresse und Öffnungszeiten voraus. Einzelhändler, die keinen Onlineshop anbieten, verzichten auf erhebliche Umsätze, geht aus einer Studie des E-Commerce-Center hervor. Bei jedem zehnten Kauf wird vorher die Webseite aufgesucht. „Händler sollten daher ihre Vertriebskanäle gezielt abstimmen, beispielsweise durch Online- Coupons, die im Ladengeschäft eingelöst werden können“, empfiehlt Studienautor Sebastian van Baal.

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