Nokia Siemens Networks: Keine Angst vor Fernost

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Deutsche Presse-Agentur

Der Telekomausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) reagiert gelassen auf die immer selbstbewusster auftretenden Wettbewerber aus China.

„Uns ist vor der Konkurrenz aus Fernost nicht bange“, sagte Vertriebs- und Marketingchef Christoph Caselitz am Montag auf dem Mobile World Congress in Barcelona der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. „Wir leben mit der Konkurrenz schon seit Jahren.“

Insbesondere Huawei und ZTE aus China drängen mit Kampfpreisen auf den Weltmarkt. Auf der Mobilfunkmesse in Barcelona sind sie mit großen Ständen vertreten und werben aggressiv um neue Kunden. Dagegen ging die Zahl der Anbieter aus den Industriestaaten über die Zeit zurück. „Vor Jahren gab es zehn Wettbewerber, heute sind noch drei ernstzunehmende übrig im Mobilfunk- und vier im Festnetzgeschäft“, sagte Caselitz.

Alcatel und Lucent sind zusammengegangen, genauso wie Nokia und Siemens im Ausrüstergeschäft. „Wir erwarten, dass die Konsolidierung weitergeht.“ Mitte Januar hatte der größte US-Rivale Nortel Networks Gläubigerschutz beantragt. Er glaube, sagte Caselitz, dass auch von den Chinesen im Mobilfunk-Geschäft sich letztlich nur einer international halten könne. Einen Namen wollte er nicht nennen.

Den Ausrüstermarkt an sich sieht er gerade in der Wirtschaftsflaute als attraktiv an: „Wir fühlen uns in der Branche wohl, es geht ihr besser als etwa der Autoindustrie.“ NSN habe auf der Messe sogar mehr Kundentermine als jemals zuvor. „Die Netzbetreiber haben stabile Einnahmen.“ Der Chef des größten Konkurrenten Ericsson, Carl-Henric Svanberg, hatte sich zuvor ähnlich geäußert. Im Gegensatz zu NSN wagte er aber keine Prognose für das laufende Jahr. NSN rechnet damit, dass der Markt um mindestens 5 Prozent schrumpfen wird.

Besorgt zeigte sich der Vertriebs- und Marketingchef von NSN dennoch nicht: „Durch das Restrukturierungsprogramm sind wir gut auf die Krise vorbereitet.“ Beim Zusammenführen des Ausrüstergeschäfts von Nokia mit dem von Siemens hatte das Gemeinschaftsunternehmen den Abbau von 9000 Stellen auf letztlich 60 000 Arbeitsplätze angekündigt. Mehr als zwei Drittel der Stellenstreichungen sind zwischenzeitlich erledigt, das Einsparziel von zwei Milliarden Euro ist Ende vergangenen Jahres erreicht worden. „Wir haben derzeit keine Pläne für Einschnitte darüber hinaus.“

Caselitz betonte, dass sich NSN gewandelt habe: „40 Prozent unseres Umsatzes machen wir heute schon mit Services. Wenn sie Software dazu nehmen, ist das zusammen schon größer als das Hardware-Geschäft.“ Wachstumschancen sieht der Manager in Lateinamerika, Asien und Afrika. Aber auch für den Rest der Welt zeigte er sich grundsätzlich zuversichtlich: „Der Datenverkehr wird weiter zunehmen.“

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