Neumann würdigt Christa Wolf zum 80. Geburtstag

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Deutsche Presse-Agentur

Christa Wolf, eine der renommiertesten deutschen Schriftstellerinnen, wird an diesem Mittwoch 80 Jahre alt. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) würdigte am Dienstag in Berlin ihre „künstlerische Meisterschaft hohen Ranges“.

„Eine generationsübergreifende Leserschaft bewundert und verehrt Sie seit Jahrzehnten - weltweit“, betonte Neumann in seinem Glückwunschschreiben. „Ihre Figuren Christa T., Medea und Kassandra sind aus der deutschsprachigen Literatur des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr wegzudenken.“

Wie kaum eine andere Schriftstellerin verkörpert Christa Wolf als einstige DDR-Autorin von Weltruf den Konflikt zwischen Geist und Macht. 1993 war bekanntgeworden, dass Wolf von 1959 bis 1962 von der Stasi zunächst als „Gesellschaftliche Mitarbeiterin“ und dann als IM „Margarethe“ geführt worden ist, was die Autorin nach eigenem Bekenntnis verdrängt hatte. Dagegen steht, dass sie und ihre Familie seit Ende der 60er Jahre systematisch von der Stasi ausspioniert wurden.

Neumann sagte dazu, hinter den literarischen Charakteren „stehen eine künstlerische Meisterschaft hohen Ranges, aber auch eine Künstlerpersönlichkeit, in der sich das Profil und die Brüche der zurückliegenden Jahrzehnte kaleidoskopartig spiegeln“. Es sei nie Sache der Autorin gewesen, „ein Leben allein am Schreibtisch zu führen“. Sie habe sich „stets der politischen Realität gestellt, auch wenn schmerzhafte Verwundungen die Folge waren“.

Wolf selbst erklärte einmal: „Ich verlasse mich darauf, dass die Leser in meine Bücher schauen und sehen, dass ich keine Staatsschriftstellerin war.“ Zu den wichtigsten Werken der Georg- Büchner-Preisträgerin gehören die Romane und Erzählungen „Nachdenken über Christa T.“, „Kindheitsmuster“, „Kein Ort. Nirgends“, „Kassandra“ und „Medea. Stimmen“. 2003 veröffentlichte sie Tagebuchauszüge von 1960 bis 2000. Ein neuer Roman soll laut Suhrkamp Verlag vermutlich im Frühjahr 2010 erscheinen.

Die „deutsche Zerrissenheit“ fand in Wolf, die am 18. März 1929 im heute polnischen Landsberg/Warthe geboren wurde, ein literarisches Sprachrohr, nicht zuletzt in ihrer berühmten, von Konrad Wolf 1963/64 auch verfilmten Erzählung „Der geteilte Himmel“. Noch in den letzten Tagen der zusammenbrechenden DDR unterschrieb sie zusammen mit anderen Künstlern den Aufruf „Für unser Land“, ein verzweifelter Versuch, den eigenständigen Weg eines anderen Deutschlands weitergehen zu können. Wolf gehörte mit ihrem Mann Gerhard Wolf auch zu den Unterzeichnern der Protestresolution gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 aus der DDR.

Zu ihrem Geburtstags wird Wolf in Berlin mit einer Geburtstagsfeier in der Akademie der Künste und anderen Veranstaltungen gewürdigt. Die von dem Polit- und Plakatkünstler Klaus Staeck geleitete Künstlersozietät lädt an diesem Freitag (20. März) zu einer Veranstaltung in ihr Haus im Hansaviertel unter dem Motto „Texte und Bilder für Christa Wolf“ ein.

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