Neues Flaggschiff für Seats SUV-Flotte

Lesedauer: 5 Min
 Rein optisch wirkt der Tarraco für einen Seat noch vergleichsweise brav.
Rein optisch wirkt der Tarraco für einen Seat noch vergleichsweise brav. (Foto: Seat)
Thomas Geiger

Der spanische Hersteller Seat baut den Skoda Kodiaq zum Tarraco mit bis zu sieben Sitzen um.

Bislang kennen wir ihn nur als ebenso nüchternen wie praktischen Skoda Kodiaq. Doch jetzt kommt der nach einem Bären im hohen Norden benannte Geländewagen aus dem VW-Konzern in Sommerlaune und wird zum Seat. Als Tarraco rückt er Ende Februar an die Spitze der spanischen Modellpalette und krönt die späte Liebe, die Seat zum SUV entwickelt hat. Die Preise beginnen bei 29 980 Euro und liegen damit rund 1800 Euro über dem Skoda.

Dafür gibt es dann einen 4,74 Meter langen Geländegänger mit bis zu sieben Sitzen und immer mindestens 700 und maximal 1920 Litern Kofferraum. Er ist zwar deutlich leidenschaftlicher gezeichnet als sein tschechischer Bruder, hat stechende LED-Scheinwerfer und ist von hinten an einem durchgehenden Leuchtenband zu erkennen – und wirkt trotzdem für einen Seat noch vergleichsweise brav. Aber weil der Tarraco schließlich zum Flaggschiff der ganzen Marke werden soll, können ein bisschen Souveränität und Seriosität ja nicht schaden.

Motoren weitgehend bekannt

Während die Unterschiede außen marginal sind, hat sich Seat innen deutlich stärker von Skoda emanzipiert: Der Fahrer blickt deshalb in ein digitales Cockpit, und daneben prangt freistehend vor dem Armaturenbrett ein großer Touchscreen, auf dem die in Spanien geschriebene Software für Information und Unterhaltung läuft.

Unter der hohen Haube stecken dabei Motoren, wie man sie schon von allen anderen Modellen aus dem Modularen Querbaukasten des VW-Konzerns kennt: Bei den Benzinern sind das zunächst ein 1,5-Liter mit 150 PS und Frontantrieb, der 201 km/h schaffen soll, sowie ein für 211 km/h guter 2,0-Liter mit 190 PS und Allrad. Die Diesel-Fraktion bedienen die Spanier mit einem 2,0-Liter-TDI, der mit 150 PS und Front- oder mit 190 PS und Allradantrieb erhältlich ist. Im besten Fall erreicht er eine Geschwindigkeit von 213 km/h.

Obwohl die Zutaten also weitgehend bekannt sind, hat Seat doch mit dem nach der Stadt Tarragona benannten Tarraco sein eigenes SUV-Süppchen gekocht. Denn wie es sich für einen feurigen Spanier gehört, ist auch der große Bruder des Ateca etwas strammer und sportlicher abgestimmt als der eher gemütliche und tapsige Bär aus Tschechien – erst recht, wenn man die adaptive Fahrwerksregelung bestellt und damit wirkungsvoll den Charakter verändern kann. Natürlich ist der Tarraco dabei nicht ganz so agil und aggressiv wie der Ateca, dafür ist er schlicht zu groß und zu schwer. Aber wenn man im Stau auf dem Weg in den Urlaub mal von der Autobahn abfährt oder am Ende der Reise noch ein paar Alpenpässe warten, wird der Seat keinesfalls zur Spaßbremse.

Dann schon eher an der Tankstelle. Denn der Normverbrauch von 5,6 bis 7,3 Litern bei den Benzinern und 4,9 bis 5,6 Litern bei den Dieseln ist eine schöne Illusion. Und von alternativen Antrieben ist bislang keine Rede – weder Mild- noch Vollhybrid hat Seat in Planung und einen Plug-In erst recht nicht.

Zwar hat Seat mit Arona, Ateca und Tarraco jetzt dann drei SUV in drei Jahren auf den Markt gebracht und ist damit in allen großen Segmenten vertreten. Doch weil genug offenbar nicht genug ist, gehen die Planungen schon weiter: Wenn im nächsten Jahr der neue Leon kommt, soll es den auch als Crossover geben, sagt Entwicklungschef Matthias Rabe. Dann erhält der tschechische Bär in Spanien auch noch Gesellschaft von einem Berglöwen.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen