Neues aus Deutschland: Von Dias bis Klez.e

Lesedauer: 6 Min
Deutsche Presse-Agentur

Der deutsche Musiklandschaft scheint mit Silbermond, Grönemeyer, den Toten Hosen, Bushido und einigen anderen einigermaßen übersichtlich gegliedert zu sein, dabei gibt es mehr zu entdecken als man denkt.

Ordentlich in Bewegung ist der Teenie-Markt: Nachdem sich bereits zu Beginn des Jahres LaFee mit „Ring frei“ hoch in den Charts platzieren konnte, ziehen jetzt Aloha From Hell nach.

„No More Days To Waste“ heißt das Debütalbum des Quintetts (Vivi, Moo, Andi, Feli und Max) aus Aschaffenburg, das 2007 den „Bravo Bandnewcomer Contest“, gewonnen hat und sich mit frechem Power-Rock-Pop, der nicht weit weg ist von Fall Out Boy, schicken Frisuren und einer Sängerin, die nicht nur äußerlich an Avril Lavigne erinnert, bereits eine breite Fan-Base erarbeitet hat.

Ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel als die fünf Jungstars hat bereits Johannes Oerding, der 1981 in Münster geboren wurde, inzwischen aber in Hamburg lebt. Er hat Soul in der Stimme, dieser Newcomer, der mit „Erste Wahl“ jetzt sein Debütalbum vorlegt, das mit Streichern und Bläsern zuweilen eine rechte üppige Orchestrierung aufzuweisen hat. Im Mittelpunkt der meist ein wenig traurig klingenden Stücken aber steht immer Oerdings leicht raue Stimme . „Hotel zur Einsamkeit“ heißt der schöne Titel einer seiner Songs.

„Ein großes Vorbild von mir ist Céline Dion“, meint Silvia Dias im Interview mit „Kwick.de“. „Sie hat eine unglaubliche Stimme und hat es mir durch ihre Professionalität und ihren jahrelangen Erfolg einfach angetan.“ Sehr erwachsen - und ihrem großen Vorbild nicht unähnlich - klingt auch „Love is Paramount“, das Debütalbum der 23-jährigen Portugiesin, die in Offenburg zur Welt kam.

Ihre Geburt hat geradezu mythische Qualität, wollte die kleine Silvia doch unbedingt bei einem Konzert ihrer Mutter zur Welt kommen. Früh dran war sie auch bei ihrer Sangeskarriere. Als 16-Jährige sang sie bereits den Titelsong zu einer ZDF-Serie.

Sichtlich wohl in den 80er Jahren fühlt sich Slacker, den man vielleicht von der Hamburger Elektro-Pop-Band Ocker her kennt. Mit viel analog klingendem Geplucker und an der Neuen Deutschen Welle geschulten Texten, legt Christian Thiel aka. Slacker mit „Ich Disco“ sein Debüt vor. Eine schöne Party-Scheibe, die Spaß macht und auf den Tanzboden zielt.

Ihre Sound-Panoramen haben Klez.e auf ihrem dritten Album „Vom Feuer der Gaben“ noch einmal ordentlich aufgeblasen. Die Berliner Band, die sich nach einem Computervirus benannt hat, schichtet Soundwand hinter Soundwand, schwelgt in Opulenz und Drama, um ein Werk von geradezu wagnerianischer Größe und Größenwahn zu veröffentlichen. „Dieses Album ist ein Gegenentwurf zur leichten Unterhaltung“, meinen Klez.e.

Gewaltig und zuweilen schön absurd auch das Instrumentarium: Akkordeon, Bass, Beatbox, Bläserensemble, Cantus Domus Chor, Chor, Didgeridoo, Doepfer A100 Modularsystem, Elektroprogrammierung, Gaffa, Gesang, Gesungener Bass, Gitarren, Glockenspiel, Hackbrett, Harmonium, Heidelberger Schnelldruckpresse, Keyboards, Kirchenorgel, Klavier, Ms10, Paradies, Percussion, Reißverschluss, Samples, Schlagzeug, Schuh, Streicherorchester „Wolf-Ferrari-Ensemble“, Thüringer Waldzither, Zeitung.

Klez.e-Frontmann Tobias Siebert befürchtet allerdings, dass dem Album „Vom Feuer der Gaben“ nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird: „Leider mussten wir diese Erfahrung mit unseren ersten beiden Alben auch machen“, sagte er im Interview mit der Zeitschrift „U_mag“. „Immer wieder sind da Zweifel: Haben wir etwas falsch gemacht, geht das in Deutschland vielleicht einfach nicht? Aber wir waren der Meinung, dass es gehen muss.“

„Meine Musik besteht aus ein paar Gitarren, aus ein bisschen Klavier, hier und da einer Akustik-Gitarre. Manchmal vielleicht auch ein paar Streicher. Ich singe auf deutsch. Und ich singe auf dem Album über Sehnsucht und über das Ende von Dingen und das Weitermachen“, sagte Axel Bosse im Interview auf „leise-laut.blogspot.com“ über das neue Bosse-Album „Taxi“, das zu zweit im Wohnzimmer von Produzent Jochen Naaf (Peter Licht, Polarkreis 18) aufgenommen wurde. Und mit dem poppigen und eingängigen Song „3 Millionen“ ist auch ein veritabler Hit drauf.

Fünf Jahre gibt es bereits das Label 105 music, das mit Sängern und Sängerinnen wie Stefan Gwildis, Annett Louisan und Ina Müller für Furore sorgte und sorgt. Neuester Zugang ist der 34-jährige Silvio d?Anza, der den Opernsänger Mario Lanza als sein großes Vorbild nennt. „Heute, morgen, für immer“ heißt sein vielsprachiges Zeitreise-Album, das sich zwischen Lanza, Rocco Granata, Fred Bertelmann und Dean Martin verorten lässt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen