Neuer Anlauf zur Ausrottung der Kinderlähmung

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Deutsche Presse-Agentur

Nach zahlreichen Rückschlägen im Kampf gegen die Kinderlähmung soll das Poliovirus nun endgültig vom Erdball verschwinden. Eine internationale Koalition mit deutscher Beteiligung hat am Mittwoch für die Ausrottung des Erregers 630 Millionen Dollar (488 Millionen Euro) zugesagt.

255 Millionen Dollar kommen von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, 100 Millionen Euro aus Deutschland und 100 Millionen Pfund aus Großbritannien.

Das Geld fließt der Global Polio Eradication Initiative (GPEI) zu, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), den Rotariern sowie dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF getragen wird. Damit sollen Impfkampagnen in den letzten poliogefährdeten Ländern finanziert und die Impfstoffforschung unterstützt werden.

Das Poliovirus konnte seit 1988 unter Federführung der WHO in rund 120 Ländern ausgemerzt werden und sollte bereits Ende 2000 vom Globus verschwunden sein. Der Kampf gegen den tückischen Erreger erlitt jedoch immer wieder Rückschläge. Derzeit hält sich das Virus nur noch in Afghanistan, Pakistan, Indien und Nigeria. Vor der GPEI-Gründung 1988 waren jährlich rund 350 000 junge Menschen an Kinderlähmung erkrankt. 2008 wurden nur noch 1 618 neue Fälle gezählt.

Nach den Pocken wäre die Kinderlähmung die zweite Infektionskrankheit, die weltweit ausgerottet würde. Allerdings glauben Gesundheitsexperten, dass sich das Poliovirus blitzschnell wieder ausbreiten würde, sobald an Mitteln für seine Bekämpfung gespart würde.

Einen angestrebten Zeitpunkt für den Sieg über die Kinderlähmung nennt die Initiative nicht mehr. Der Erfolg wäre jedoch nicht nur segensreich für die Menschen, sondern der Initiative zufolge auch ein gutes Geschäft: Bis zu 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr ließen sich nach ihren Angaben sparen und an anderer Stelle für die Gesundheit investieren, wenn die Polio-Ausrottung gelingt. Den derzeitigen Status quo zu erhalten, sei nicht nur unmenschlich im Hinblick auf die weiteren Opfer, sondern viel zu kostspielig, argumentierte Bill Gates.

Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) erinnerte die übrigen G-8-Staaten an ihr Versprechen, alle erforderlichen Maßnahmen zur Ausrottung der Kinderlähmung zu fördern. „Deutschland hat entscheidend zur Erfüllung dieses Versprechens beigetragen“, wurde die Ministerin von den Veranstaltern zitiert. „Deshalb appellieren wir jetzt auch an die anderen (G-8-)Länder, die Löcher zu stopfen, damit (...) Kinder in aller Welt vor Kinderlähmung geschützt werden.“

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