Mythos Tahiti - Bougainville im Paradies

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Mythos Tahiti - Bougainville im Paradies
Philibert Commerson (Bruno Forget) und Jeanne Baret (Antonia Labs) benennen die neu entdeckte Pflanze nach ihrem Expeditionsleiter: Bougainvillea. (Foto: Philipp Grieß/ZDF / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Carsten Rave

Der Garten Eden liegt auf der anderen Seite der Welt. Für den französischen Seefahrer, Wissenschaftler und Entdecker Louis Antoine de Bougainville (1729-1811), war die Insel „Nouvelle Cythère“ (heute: Tahiti) die Rettung auf den letzten Drücker, denn nach monatelanger Fahrt mit dem Segler „La Boudeuse“ war die Mannschaft erschöpft und hungrig. Das Paradies bot den Seeleuten Wasser und Nahrung.

Die Arte-Reportage „Mythos Tahiti“, zu sehen an diesem Samstag (20.15 Uhr), erzählt vom Schicksal Bougainvilles und seiner friedlichen Mission in der Südsee. Die Filmemacher Philipp Grieß und Mathieu Honoré greifen auf das bewährte Konzept einer Mischung aus Reportage, Interviews und Reenactment, also mit Schauspielern nachgestellten Szenen, zurück.

Von der französischen Regierung erhielt der ehemalige Offizier Bougainville, der einst für die Franzosen in Kanada gegen die Engländer gekämpft hatte, 1766 den Auftrag, per Schiff die Welt zu umrunden. Eine illustre Mischung begleitete ihn, unter anderem der Botaniker Philibert Commerson, der seine Geliebte Jeanne Baret als Mann verkleidet an Bord einschleuste - Frauen waren auf See verboten.

Nach einem Stopp in Brasilien erreichte „La Boudeuse“ (übersetzt: die Mürrische) Tahiti im April 1768. Bougainville war nicht der erste Europäer auf der gut 1000 Quadratkilometer (Berlin hat knapp 900 Quadratkilometer) großen Insel. Vor ihm waren zwei Engländer, unter anderem der Seefahrer James Cook, schon im polynesischen Paradies angekommen.

Bougainville und die Mannschaft seines Schiffs erhielten von den Einheimischen das Recht zugesichert, 13 Tage an Land zu bleiben. Für die Wissenschaftler tat sich der Garten Eden auf - sie katalogisierten zahlreiche unbekannte Pflanzen. Ein französischer Lebemann knüpfte rasch enge Bande mit der weiblichen Bevölkerung. Sie hätten ihm die Kleidung gleich abgenommen, die Küsse seien zahlreich gewesen, schwärmte er in seinem Reisebericht.

Bougainville selbst, so berichtet sein Nachfahre Jean Francois Bronac de Bougainville im Film, habe Tahiti verzerrt wahrgenommen, denn das Leben dort sei ihm intakt vorgekommen, der Empfang sehr herzlich. Doch das Paradies war es nicht - schon nach kurzer Zeit ereilte ihn die bittere Realität. Zwei seiner Leute gerieten mit einem Einheimischen in Streit und ermordeten ihn.

Der Zwischenstopp in Polynesien war noch lange nicht das Ende der strapaziösen Reise durch die Südsee. Nach dem Lichten des Ankers waren die Seeleute wieder Monate lang unterwegs und bogen vorm Great Barrier Reef nordöstlich von Australien ab nach Norden. So überließen sie die Entdeckung des fünften Kontinents anderen und mussten erneut darben. Es fehlte an Wasser und Vitaminen, nicht aber an Rotwein und Ratten, die als einziges Fleisch auf den Tellern der Offiziere landeten. Dann rückte endlich Papua-Neuguinea in Sichtweite.

Bougainvilles Mission endete nach rund zwei Jahren und vier Monaten dort, wo sie angefangen hatte, im französischen Brest. Jeanne Baret kam erst sieben Jahre später zurück nach Frankreich. Sie musste zwischendurch in Mauritius das Schiff verlassen, weil sie schwanger war. In Paris machte sich Bougainville für die Botanikerin stark, die zusammen mit ihrem Geliebten Commerson unter anderem die Hortensie nach Europa brachte: Baret wurde die erste Frau, die vom französischen Staat eine lebenslange Rente erhielt.

Das Paradies bekam in den Folgejahren auch die freundliche Vereinnahmung durch die Europäer zu spüren. Die eingeschleppten Ratten, die dort keine natürlichen Feinde haben, dezimieren bis heute die Bestände heimischer Tierarten.

Mythahiti - Bougainville im Paradies

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