„Musik hat auch etwas mit Anerkennung zu tun“

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Zwei Männer lehnen nebeneinander an einer Wand
Paul Menz (links) und Milo Hölz machen unter dem Namen Umber Musik. Als Tuesday Night Project hatten sie 2017 als Gewinner des SZene-Bandwettbewerbs auf dem Southside gespielt. (Foto: MARKUS HANER)
Schwäbische Zeitung

Im Sommer 2017 standen Paul Menz (Schlagzeug) und Milo Hölz (Gesang, Gitarre) mit ihrer Band Tuesday Night Project als Gewinner des SZene-Bandwettbewerbs beim Southside auf der Bühne. Am 15. Januar schlägt das Duo aus Ravensburg ein neues Kapitel auf. Dann erscheint mit „Talk to Me“ die erste Single ihrer neuen Band Umber. Fans von warmen Gitarrensounds, rockigen Drums und souligem Gesang kommen dabei auf ihre Kosten. Inspiriert vom klassischen Bandsound des Britpop widmet sich das Duo seit 2019 persönlichen Themen wie Beziehung und Identität mit aufrichtigen, englischen Texten. Christiane Wohlhaupter hat mit Milo über den Auftritt beim Southside, die Erfahrungen im Coachingprogramm Bandpool und die Pläne für Umber gesprochen.

War es eine gute Idee, beim SZene-Bandwettbewerb mitzumachen?

Ich glaube, wenn es den nicht gegeben hätte, würde ich heute nicht da stehen, wo ich stehe. Wir haben mega viel gelernt. Das Wochenende, das wir dort verbracht haben, ist eine der motivierendsten Erinnerungen, um am Ball zu bleiben. Hätte ich diese Erfahrung nicht gehabt, hätte ich die vergangenen zwei Jahre nicht Musik gemacht, wie ich es gemacht habe.

Ihr seid 2017 als Tuesday Night Project beim Southside aufgetreten. Was ist danach passiert?

Wir sind in den Bandpool gekommen, das Förderpramm der Popakademie Mannheim. Da wurden wir zwei Jahre unterstützt. In den zwei Jahren habe ich viel geschrieben, wir haben viel am Produzieren gearbeitet. Im Bandpool haben wir viel über Musikbusiness, Songwriting, Marketing, Social Media und so weiter gelernt. In dieser Zeit hat sich viel getan: Unser Bassist ist zum Medizin Studieren gegangen und nach dem zweiten Coaching-Termin ausgestiegen. Aber Schlagzeuger Paul und ich haben weitergemacht und unsere neue Band Umber gegründet. Im Studio haben wir jetzt drei neue Singles aufgenommen, live werden wir zu viert auftreten.

Warum war es euch wichtig, den Namen Tuesday Night Project abzulegen?

Der Name ist tatsächlich in letzter Minute vor Bewerbungsschluss zum SZene-Bandwettbewerb entstanden. Aber er war sehr lang, für viele nicht leicht auszusprechen und wir wollten damit abschließen. Unser neues Projekt und unseren neuen Stil wollen wir deshalb unter neuem Namen präsentieren.

In welche Richtung habt ihr euch denn entwickelt?

Wir haben uns viel krasser gefunden in den zwei Jahren – als Musiker und Menschen. Ich habe dieses Jahr mein Abitur gemacht und hatte jetzt ein bisschen Zeit, zu reflektieren. Der Sound orientiert sich am Britpop. Wir wissen jetzt stärker, in welche Richtung wir wollen. Wir setzen auf Analoges wie Röhrenverstärker und rockige Drums. Wir verzichten auf digitale Sounds und Schnickschnack. Trotzdem hat es aber eine moderne Komponente. Der Name soll auch dieses Erdige, Warme und Natürliche ausdrücken.

Was ist die Herausforderung für Umber?

Ich konzentriere mich zu hundert Prozent auf die Musik – mindestens bis ich 21 Jahre alt bin. Ich stecke da meine ganze Energie rein. Paul studiert seit eineinhalb Jahren Architektur in Stuttgart. Auf die Distanz ist das tatsächlich schwierig, zum Proben zu kommen. Aber ich produziere beispielsweise ein Demo zu Hause und schicke es ihm und er bearbeitet es dann weiter. In der gemeinsamen Probe arbeiten wir die Songs dann weiter aus.

Habt ihr über den Bandpool auch ein Netzwerk aufgebaut, auf das ihr jetzt zurückgreifen könnt? Oder arbeitet ihr in Eigenregie?

Es ist total nützlich, dass wir da drin waren. Das Netzwerk besteht auch über die Förderphase hinaus. Durch diesen Zugang können wir befreundete Bands anschreiben, um beispielsweise gemeinsame Konzerte zu planen. Oder wir könnten Coaches und Dozenten anschreiben. Wir werden das auf jeden Fall nutzen.

Dein Mitstreiter Paul hat sich bereits für einen Studiengang entschieden. Kommt für dich vielleicht ein Studium an der Popakademie infrage?

Das überlege ich mir tatsächlich. Ein Studium dort fände ich ziemlich gut. Am meisten reizt mich der Studiengang Popmusikdesign.

Wo soll es für Umber hingehen?

Ich wünsche mir, dass die Musik gut ankommt. Man macht Musik ja aus verschiedensten Gründen – wir machen es, weil wir Musik lieben. Aber für meinen Teil kann ich auch sagen, dass Musik etwas mit Anerkennung zu tun hat. Die blieb jetzt zwei Jahre lang aus, weil keiner mitbekommen hat, was wir machen. Ich hoffe jetzt bei der Veröffentlichung, dass viele Menschen die Musik hören. Mitzubekommen, was die Menschen davon halten und darüber denken, wäre schön. Schön wäre auch, wenn es vielen Leuten gefällt.

Denkst du es gibt Menschen, die mit der neuen Ausrichtung weniger anfangen können als mit der alten?

Eigentlich nicht. Unsere alte Ausrichtung war viel weniger definiert. Das war ein bisschen von allem, nicht eine Richtung. Bei Umber wird sehr schnell klar sein, ob jemand die Musik mag oder nicht. Umber ist besser vom Sound, besser vom Songwriting und besser vom Gesamtkonzept.

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