Mr. Ha, der unbeschwerte Vietnamese von Biberach

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Eine Glücksrolle, die ihren Namen verdient: gefüllt mit Glasnudeln, Gemüse, Garnelen, Hähnchenfleisch, serviert mit würziger Soß
Eine Glücksrolle, die ihren Namen verdient: gefüllt mit Glasnudeln, Gemüse, Garnelen, Hähnchenfleisch, serviert mit würziger Soße. (Foto: nyf)
Schwäbische Zeitung

Kinder, wie die Zeit vergeht – kaum schreibt man mal ein paar Zeilen unter der Rubrik „Aufgegabelt“, geht hie und da essen, wird gescholten, gelobt und der Inkompetenz, ja der kulinarischen Legasthenie bezichtigt – und schwups muss man plötzlich feststellen, dass die Kolumne mit dem heutigen Tag bereits ihre 100. Ausgabe feiert. Kein Anlass, sentimental zu werden, aber durchaus Grund genug, es kurz zu erwähnen, was hiermit geschehen ist.

Aber zurück zum Wesentlichen, dem Essen nämlich, das uns diesmal ins schöne Biberach führt. Und was liegt näher, als in dieser oberschwäbischen Perle einmal die vietnamesische Küche zu kosten? Das Restaurant „Mr. Ha“ liegt am Rande der Altstadt und ist in einem historischen Gebäude untergebracht. Schwer hängt das Gebälk über der Szenerie aus geradlinigem Mobiliar. Die Wirtsleute verstehen ihre Heimat glücklicherweise nicht als eine verkitschte Erinnerung, der sie mittels Plastikstatuen oder Lampionromantik schwülstigen Ausdruck verleihen. Nein, Mr. Ha steht für ein modernes Asien, das eine leichte und unbeschwerte Küche pflegt. Genau diese reduzierte Ästhetik drückt auch die gelungene Inneneinrichtung aus: angenehmer Materialmix in erdigen Farbtönen.

„Iss eine der tollen Suppen“, hatte ein Bekannter geraten. Am Nebentisch jedenfalls steigt der Duft intensiver Brühe auf, durchsetzt mit grünen Aromen von Koriander und Thai-Basilikum. Mit Stäbchen fischen geschickte Finger Nudeln aus dem Sud. Die Gesichter füllen sich mit dem Ausdruck größten Wohlgefühls. Dass die Suppe glücklich macht, ist also ganz offensichtlich. Daher fällt die Wahl bei der eigenen Vorspeise auf eine sogenannte Glücksrolle, was in diesem Fall tatsächlich wörtlich zu nehmen ist: Es handelt sich um eine in transparentes Reispapier gewickelte Köstlichkeit von federleichtem Charakter. Glasnudeln, frisches Gemüse, Garnelen, Hähnchenfleisch und ein Gewürzreigen, dessen Kern nur der Chefkoch in seiner offenen Küche selbst kennt. Dazu gibt es eine braune Soße mit gerösteten Erdnüssen, in die fröhlich eingetunkt werden darf. Es ist diese unverfälschte Klarheit, die das Gericht zur Delikatesse macht.

Und während sich im inzwischen gänzlich gefüllten kleinen Gastraum die Biberacher an den exotischen Speisen gütlich tun, sitzen die Kinder der Gastronomenfamilie an ihrem Tisch und verspeisen Wienerle mit Weckle. Schön zu sehen, dass die Integration der Biberacher in die vietnamesische Esskultur so gut klappt – die der Deutsch-Vietnamesen ins Schwäbische natürlich ebenso. Lecker geht’s dann auch beim Hauptgang weiter.

Es gibt Pho Xào Bò, oder für alle, die des Vietnamesischen nicht mächtig sind, Reisbandnudeln mit Gemüse und Rindfleisch. Sozusagen ein Kessel Buntes aus den frischen Segnungen des Gartens, kombiniert mit einer köstlichen Soja-Soße. Das Fleisch ist allerdings nicht durchgängig zart, es sind auch ein paar Streifen dabei, die zu trocken und zäh zwischen den Zähnen hängen bleiben. Umso besser dafür die Nudeln, die mit einem seidigen Film feinsten Geschmacks überzogen sind und kein bisschen kleben.

Das Schöne an der Küche von Mr.Ha ist, dass der Genuss auch nach dem Essen anhält. Denn die unbeschwerte Finesse sorgt für Genuss ohne Reue – ganz im Gegensatz zu den vielen Asiaten, die mit ihren Billig-Büffets vor allem den Vielfraß im Menschen wecken.

Restaurant Mr. Ha

Glockengasse 3

88400 Biberach

Telefon 07351-444956

www.mr-ha.com

geöffnet Dienstag – Sonntag von 11.30-14 Uhr und von 18-23 Uhr, Montag Ruhetag. Hauptgerichte 9,20-14,90 Euro.

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