Mott The Hoople sind zurück

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Deutsche Presse-Agentur

Zusammen mit Robert Plant und Marc Bolan hatte Ian Hunter mit Abstand den prächtigsten Lockenschopf in der Rockszene der 70er Jahren zu bieten. Die Augen verbarg er hinter großen Sonnenbrillen, Mott The Hoople war seine Band.

Live war die 1969 gegründete Rock'n'Roll-Band eine echte Offenbarung. 1971 brachten sie ihre Fans in der Londoner Royal Albert Hall sogar dermaßen in Verzückung und Aufruhr, dass nach Tumulten die Konzerthalle längere Zeit tabu für Rock-Bands war.

Auf Platte aber konnten Mott The Hoople das Bühnenversprechen nie richtig einlösen - bis David Bowie kam. Der damals 25-Jährige produzierte das Album „All The Young Dudes“, steuerte den Titelsong bei, sang bei „Soft Ground“ mit und ließ sein Saxofon erklingen.

Jetzt ist „All The Young Dudes“ in der Sony-Reihe „Original Album Classics“ in einer Box mit insgesamt fünf CDs neu aufgelegt worden. Mit dem „Dudes“-Album fand sich die diffuse Rock-Band plötzlich im Zentrum des Glam Rocks wieder, den sie schließlich maßgeblich mit beeinflusste, auch wenn Mott The Hoople mehr Rock'n'Roller als exzentrisch-androgyne Paradiesvögel wie Brian Eno, Marc Bolan und David Bowie waren.

Hits aber hatten sie reichlich zu bieten: Auch wenn einige Songs heute etwas angestaubt klingen, haben Titel wie „One Of The Boys“, „All The Way To Memphis“, „The Golden Age Of Rock'n'Roll“, „Honaloochie Boogie“ oder „All The Way From Memphis“ doch weiterhin Bestand. Prominent auch die Fans der Band: Primal Scream, Morrissey und The Clash gehören dazu, ebenso wie R.E.M., Queen oder Blur. Clash-Gitarrist Mick Jones übernachtete einst sogar vor Ian Hunters Haustür - der Pforte zum Punk.

Als der charismatische Frontmann nach Spannungen die Band 1974 schließlich verließ, driftete Mott - The Hoople war ersatzlos gestrichen worden - nur noch orientierungslos dahin. „Drive On“ und „Shouting & Pointing“, beide in der Box vertreten, gerieten ziemlich mau. Dafür sind aber die Hunter-Alben „All The Young Dudes“ (1972), „Mott“ (1973) und „The Hoople“ (1974) echte Klassiker geblieben, die zudem mit reichlich Bonus-Material versehen wurden. Allein die Hunter/Bowie-Kollaboration bei einer neuen Version von „All The Young Dudes“ ist nicht nur für eingefleischte Sammler ein Leckerbissen. Der Song hat die Zeit unbeschadet überdauert: Zuletzt fand der Hit auch für den Soundtrack des Films „Juno“ wieder Verwendung.

Wie Mott The Hoople heute klingen, davon wird man sich im Oktober 2009 in London überzeugen können, wenn Ian Hunter, Mick Ralphs, Verden Allen, Dale Griffin und Overend Watts - das originale Line-up - fünf Reunion-Konzerte im HMV Hammersmith Apollo geben werden. Ausschreitungen beim Comeback der älteren Herren wird es aber wohl nicht geben. 1971 ist längst vorbei.

In der im letzten Jahr gestarteten Reihe „Original Album Classics“ sind in gleicher Ausstattung neben Mott The Hoople ebenfalls neue Boxen von Argent, Prefab Sprout und Kansas erschienen.

www.ianhunter.com

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