Michael C. Hall verteidigt „Dexter“

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Deutsche Presse-Agentur

Er war der schwule David in „Six Feet Under“. Jetzt spielt Michael C. Hall (38) einen Serienmörder in „Dexter“, einer der umstrittensten Fernsehserien aus den USA.

Dexter Morgan ist ein smarter Rechtsmediziner in Miami und hat ein dunkles Geheimnis. Er hat einen Zwang zum Töten, den er, einem Code seines Vaters folgend, an Schwerverbrechern auslebt, die auf freiem Fuß sind. Dexter wurde in seiner Kindheit traumatisiert, seine Mutter wurde vor seinen Augen umgebracht. Er hat Probleme, Bindungen mit Frauen einzugehen. Außerdem muss er aufpassen, dass seine Polizeikollegen ihm nicht auf die Schliche kommen.

In Deutschland lief die Serie, die besonders wegen des sympathisch gezeichneten Killers kritisiert wird, auf RTL 2. Nun strahlt der Bezahlsender Premiere am 21. März in einem Marathon alle Folgen der zweiten Staffel aus, die dritte läuft dort im September. Hall, der seit kurzem mit seiner Schwester aus „Dexter“, Jennifer Carpenter, verheiratet ist, will auch eine vierte und fünfte Staffel drehen. Beim Interview in Berlin ist der Amerikaner umkompliziert, er wählt seine Worte sorgfältig.

Können Sie es verstehen, wenn die Leute sagen: Die Serie ist wirklich gutgemacht, aber ich kann danach nicht schlafen?

„Ja, ich weiß, so reagieren einige Leute. Ich hoffe, so geht es wenigstens einem Bruchteil derjenigen, die eine solche Sendung sehen. Es ist, was es ist. Die Serie verbirgt ja nicht die düsteren Seiten ihrer Handlung.“

Der umstrittene Punkt der Serie ist, es ist in Ordnung, jemanden umzubringen, der selbst etwas Schlechtes getan hat.

„Dexter glaubt das oder er wurde darin bestärkt, das zu glauben. Oder er wurde zumindest bestärkt, zu denken, wenn man keine Wahl hat, als dem Zwang zum Töten nachzugeben, dann kann man auch genauso gut diese Energie darauf konzentrieren, die umzubringen, die es wohl verdient haben. Ich weiß nicht, ob die Serie sagt, es gibt Leute, die es verdient haben, zu sterben. Ich finde, sie wirft die Frage auf, aber entscheidet sich nicht für die eine oder andere Seite.“

Aber der Zuschauer mag Dexter.

„Stimmt. Darin ist die Serie ja subversiv. Sie erlaubt es, sich mit jemandem zu identifizieren, sogar jemanden zu mögen und mitzufiebern bei einem, der Leute umbringt. Dass die Opfer Kriminelle, sogar Mörder sind, öffnet die Tür zu dieser Identifikation. Wenn er wahllos Leute umbrächte, würde sich das niemand anschauen oder eine Zuneigung zu ihm verspüren.“

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Europa und den USA, dort gibt es die Todesstrafe. Was halten Sie davon?

„Ich bin nicht dafür. Ich verstehe sicher, wenn der Zorn der Leute in einen Wunsch nach Vergeltung mündet. Aber das ist genau der Hauptgrund, warum wir keine Todesstrafe haben sollten.“

Was für Briefe und E-Mails bekommen Sie von „Dexter“-Fans?

„Die sind sehr vernünftig, wirklich. Sie lassen mich wissen, dass sie die Show und die Leistung mögen. Glücklicherweise habe ich keine Briefe bekommen, in denen steht, ich will so sein wie Dexter. Sie sind alle ziemlich wohl überlegt.“

Können Sie selbst Blut sehen?

„Ja, kann ich. Aber ich mache keinen Fetisch daraus. Ich sehne mich nicht danach, es zu sehen. Aber wenn es passiert, wird mir nicht schummerig.“

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