Meisterwerke der Moderne in Osnabrück

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Deutsche Presse-Agentur

Leuchtende Bilder von Marc Chagall, symbolträchtige Lithographien von El Lissitzky, eindrucksvolle Porträts von Max Liebermann und Amedeo Modigliani.

Mehr als 100 Kunstwerke aus den großen Museen der Welt sind im Felix-Nussbaum-Haus zu sehen, das vor zehn Jahren in Osnabrück (Niedersachsen) eröffnet wurde. Bis zum 19. April 2009 zeigt das Museums- und Veranstaltungshaus die Jubiläumsausstellung „Die verborgene Spur. Jüdische Wege durch die Moderne“.

Dabei geht es um die die künstlerische Aufarbeitung der oft traumatischen Erfahrungen von Juden im 20. Jahrhundert. Gemälde, Grafiken, Rauminstallationen und Videos spiegeln das Erlebnis der Diaspora, die Schrecken von Ausgrenzung, Verfolgung und Holocaust, aber auch den Versuch, die Last der Erinnerung zu tragen und eine neue Identität als Weltbürger zu finden.

Die Leihgaben aus London, Paris, New York, Washington oder Tel Aviv kommentieren auf berührende, stets unterschiedliche und mitunter auch widersprüchliche Weise die Bilder des 1945 in Auschwitz ermordeten Felix Nussbaum. So bleibt der Holocaust der traumatische Bezugspunkt, aber nicht das einzige Thema der jüdischen Künstler, die sich facettenreich mit den Herausforderungen der Moderne und ihrer eigenen Rolle auseinandersetzen.

Während Marc Chagall mit dem Gemälde „Die gelbe Kreuzigung“ (1942) unmittelbar auf die Judenvernichtung Bezug nimmt, erprobt der Psychoanalytiker-Enkel Lucien Freud neue Formen des Dialogs. Seine Arbeit „Reflection with two Children“ (1965) zeigt den Maler bei dem schwierigen Versuch, mit der kommenden Generation Kontakt aufzunehmen. Mark Rothko ersetzt die Kommentierung des Zeitgeschehens nach dem Krieg durch abstrakte Farbkompositionen, der 1944 geborene Christian Boltanski arbeitet in seiner Installation „Das Purimfest“ (1988) dagegen mit der Fotografie einer jüdischen Schulklasse aus den späten Dreißigern.

Mit der Vielfalt der Themen und Ausdrucksformen sowie der Prominenz der ausgestellten Künstler und Werke stößt das Nussbaum- Haus, das durch seinen Architekten Daniel Libeskind selbst zu einem zeitgenössischen, von jüdischer Kultur inspirierten Kunstwerk geworden ist, in eine neue Dimension vor. „Ich glaube, dass sich aus der Idee, eine Fortsetzung der erfolgreichen Ausstellung "Zeit im Blick" zu konzipieren, etwas Außergewöhnliches entwickelt hat“, sagte Museumsdirektorin Inge Jaehner. „Die bisherige Zusammenarbeit mit den großen Museen hat eine Vertrauensbasis geschaffen, das Nussbaum-Haus ist Teil eines internationalen Netzwerks geworden.“

Das Projektteam um Kurator und Katalogautor Martin Deppner hofft auf viele Besucher aus dem In- und Ausland. Vier Jahre Vorbereitungszeit hat die aktuelle Ausstellung in Anspruch genommen, zuletzt blieb das Nussbaum-Haus fünf Wochen geschlossen, um sämtliche Räume neu zu gestalten. Vor vier Jahren wollten rund 50 000 Besucher die Ausstellung „Zeit im Blick“ sehen. Gut möglich, dass dieses Ergebnis bis April noch übertroffen wird.

www.die-verborgene-spur.de

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