Meghan-Mania auf der Insel

Lesedauer: 8 Min

Royaler Kitsch: Es gibt fast nichts, was es nicht gibt, wenn es um Merchandise mit Bezug zum Traumpaar Harry und Meghan geht.
Royaler Kitsch: Es gibt fast nichts, was es nicht gibt, wenn es um Merchandise mit Bezug zum Traumpaar Harry und Meghan geht. (Foto: afp)
Deutsche Presse-Agentur
Silvia Kusidlo

Wenn sich Prinz Harry und Meghan Markle am 19. Mai auf Schloss Windsor das Jawort geben, werden Millionen Menschen gerührt vor den Fernsehern sitzen. Die Braut ist für royale Verhältnisse ziemlich ungewöhnlich und bringt Schwung ins Königshaus. Meghan stammt nicht aus britischem Adelsgeschlecht, sondern ist eine Bürgerliche aus den USA. Die 36-Jährige mit den afroamerikanischen Wurzeln ist geschieden und war bisher als – eher mittelmäßig bekannte – Schauspielerin tätig. Die 36-Jährige ist weit davon entfernt, „posh“ (vornehm) zu sein. Doch gerade weil ihr diese oft arrogant wirkende Art der britischen Elite fehlt, fliegen ihr die Herzen zu.

In Großbritannien herrscht Meghan-Mania und in Windsor bereits Ausnahmezustand. Binnen Minuten nach der Verkündung des Hochzeitstermins waren fast alle Hotels in dem Städtchen westlich von London ausgebucht. Noch am selben Tag stellten Souvenir-Hersteller die Produktion um und brachten Bilder von Harry (33) und seiner Verlobten samt Herzchen auf Becher und Schlüsselanhänger. „Vor allem die Amerikaner reißen uns das aus den Händen. Die kaufen immer viel, aber jetzt noch mehr als zuvor“, sagt Jon Aujla, Geschäftsführer einer der vielen Andenkenläden in Windsor.

„Frischer Wind“

Die US-Amerikanerin bekommt wegen ihrer dunklen Hautfarbe auch rassistische Sprüche und Drohungen ab. Die meisten Briten haben sie jedoch längst in ihr Herz geschlossen; vor allem ihre offene und herzliche Art kommt gut an. „Prinz Harry ist ein modernes Mitglied der Royals und Meghan bringt frischen Wind in die Königsfamilie“, schwärmt eine Verkäuferin aus Stoke-on-Trent südlich von Manchester.

Dabei bricht die 36-Jährige auch durchaus die höfischen Regeln, etwa wenn sie bei offiziellen Terminen einen „Messy Bun“ – einen lässigen Dutt – trägt statt perfekt gestylter Haare wie etwa Herzogin Kate. Ob beim Besuch eines Jugend-Radiosenders im hippen Londoner Stadtteil Brixton oder auf ihrer Reise ins walisische Cardiff: Sie wird umarmt von Kindern, gibt Autogramme und lässt Selfies mit sich machen.

Für die meisten Mitglieder der Firma – so nennt sich leicht scherzhaft die königliche Familie – wäre ein solches Verhalten undenkbar. Bis auf einen: Prinz Harry. Auch ihn lieben die Briten wegen seiner unkomplizierten und fröhlichen Art, zum Beispiel wenn er beim Marathon in London verdutzte Läufer umarmt und mit Kindern bei Festen herumtobt. Seine wilden Zeiten, in denen er nackt mit Frauen in einem Hotel in den USA feierte oder im Nazikostüm bei einer Kostümparty auftauchte, sind vorbei. Heute gilt er als gereifter Prinz, der sich wie einst seine Mutter Diana sehr stark sozial engagiert. Zu seinem guten Ruf trugen auch seine militärische Ausbildung, sein Dienst in Afghanistan und sein Einsatz für die Invictus Games bei. Das ist ein sportlicher Wettkampf für verwundete Soldaten; invictus ist lateinisch und heißt unbesiegt. Prinz Harry gründete die Spiele 2014 und ist seither Schirmherr dieser Spiele.

Kennengelernt haben sich die beiden bei einem von einer Freundin eingefädelten Blind Date. „Ich hatte vorher noch nie etwas von ihr gehört“, gestand Prinz Harry in einem BBC-Interview. „Ich wurde wunderschön überrascht.“ Näher gekommen waren sie sich dann auf einer Afrika-Reise. „Wir kampierten unter den Sternen.“ In London machte Harry der Schauspielerin („Suits“) einen Heiratsantrag – mit Kniefall bei einem Hähnchenessen. „Es war so süß“, schwärmte Meghan.

Die liebe Verwandtschaft

Das klingt alles nach einer Traumhochzeit – wäre da nicht ein Haken. Meghan, die seit ihrem sechsten Lebensjahr von der Mutter allein groß gezogen wurde, ist sich nicht mit allen Verwandten grün. Zu ihrer Mutter Doria, die sich als Sozialarbeiterin und Yogalehrerin durchschlug, hat sie ein inniges Verhältnis. Ihr Vater Thomas, der Beleuchtungsspezialist beim Fernsehen war, lebt zurückgezogen in Mexiko. Seine Tochter Samantha aus erster Ehe zog in Interviews aber über ihre Halbschwester her. Sie plant sogar ein Buch über die Familie: „The Diary of Princess Pushy’s Sister“ – zu Deutsch etwa: Tagebuch der Schwester von Prinzessin Aufdringlich. Eine Einladung zur Hochzeit halten britische Medien für ausgeschlossen.

Tipps für Touristen:

Urlauber, die die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle miterleben möchten, übernachten am besten in London. Im Trauungsort Windsor westlich der britischen Hauptstadt sind die Hotels rund um den 19.<VG>Mai nahezu ausgebucht. Züge von London nach Windsor fahren vom Bahnhof Waterloo Station aus regelmäßig, die Fahrt dauert knapp eine Stunde. Hin- und Rückfahrt kosten rund 20 Euro pro Person. Visit Britain rät, möglichst früh anzureisen, weil die Bahn wahrscheinlich sehr voll sei – und Windsor sehr klein. Tickets können Fans der Royals online buchen, etwa über die Plattform trainline.com.

Die Trauung, die um 12 Uhr beginnt, findet hinter hohen Mauern auf dem Gelände von Schloss Windsor statt. Schaulustige werden keine Chance haben. Nach der Trauung planen Prinz Harry und Meghan allerdings eine längere Kutschfahrt durch Windsor.

Von der Leinwand ins den Adelsstand: Wenn Schauspielerinnen adelig heiraten

Wenn Harry und Meghan Markle vor den Altar treten, wird wieder einmal von einer Märchenhochzeit die Rede sein – so wie zuvor in diesen Fällen, in denen Schauspielerinnen adelig heirateten:

Grace Kelly: Internationaler Glamour erreicht das kleine Fürstentum Monaco, als der Hollywoodstar („Über den Dächern von Nizza“) 1956 Fürst Rainier III. heiratet. Als Fürstin Gracia Patricia stirbt sie 1982 bei einem Autounfall – kurz vor ihrem 53. Geburtstag.

Clotilde Courau (48) dreht nicht nur Filme wie „La Vie en Rose“. Seit ihrer Heirat mit dem italienischen Prinzen Emanuele Filiberto von Savoyen 2003 in Rom ist sie auch Prinzessin von Venedig und Piemont.

Elia Zaharia (35): 2016 gibt die albanische Film- und Theaterschauspielerin Prinz Leka das Jawort – Enkel von Zog I., dem bis heute einzigen König des Landes. (dpa)

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen