Martin Suters neuer Roman: „Allmen und der Koi“

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Martin Suter
Der Autor Martin Suter lässt Allmen wieder ermitteln. (Foto: Henning Kaiser/dpa / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Frauke Kaberka

Es ist nun wirklich nicht neu, ja geradezu verpflichtend, dass Johann Friedrich von Allmen Geld braucht und deshalb einen fast unmöglichen Auftrag annimmt. Von diesem Sujet lebt die Allmen-Reihe von Martin Suter.

Schön ist, dass der preisgekrönte Schweizer Autor die Freunde eben jener Unterhaltungsserie nicht länger als ein Jahr warten lässt, bis sein ewig klammer Zürcher Lebenskünstler wieder durchstartet - auch wenn die neue Story „Allmen und der Koi“ zugegebenermaßen etwas dünn ist. Immerhin hat auch sie wieder einen hohen Unterhaltungsfaktor und ist - wie gehabt - amüsant und mit leichter Feder geschrieben.

Nun also machen Allmen und sein guatemaltekischer Partner Carlos - kurz zusammengefasst in ihrer Zwei-Mann-Agentur Allmen International Inquiries - Jagd auf einen Prachtfisch. Im Wert von einer Million Euro. Und das auf Ibiza - hinein in die Schwüle des spanischen Jetsets, zu dessen äußeren Kennzeichen anscheinend auch die Haltung dieser wahnsinnig teuren japanischen Karpfen gehören. Sozusagen als Statussymbol. Der alternde Musikproduzent Garrett macht da keine Ausnahme. Aus seinem Fisch-Pool ist nun Boy verschwunden, ein Prachtexemplar von Koi, das er seiner jungen Geliebten Akina zum Geburtstag geschenkt hat.

Allmen, bestens zu Hause in der High Society und noch mehr in der Kunst- und Kulturszene weltweit, nimmt den Auftrag zur Wiederbeschaffung an - sich seines zoologischen Defizits wohl bewusst. Zu verlockend sind die Annehmlichkeiten auf der Finca seines Auftraggebers, zu groß seine pekuniären Sorgen. Mit der ihm angeborenen hochstaplerischen Nonchalance und einem Koi-Crashkurs, den er und Carlos sich verpassen, geht er das Problem auf seine bewährte Art und Weise an: Er bewegt sich und ermittelt in den Kreisen, die ihm bestens vertraut sind, bei den Schönen und Reichen auf Ibiza. Und die selbstredend einen Koi-Teich auf ihrem Anwesen haben. Und doch ist nicht er es, der schließlich den verschollenen Fisch entdeckt.

Dass es bei der Suche zu mancherlei Komplikationen samt Todesfällen kommt, liegt auf der Hand. Schließlich ist Suters kleine Novelle als Krimi angelegt. Auch die beiden Hauptakteure blicken der Gefahr ins Auge: mal in Form von Naturgewalt, mal in Form von menschlichen Übergriffen - beiderlei Geschlechts. Was Allmen selbst verwundert, ist sein Sinnen über Vergänglichkeit und Zukunftsangst. Das gab es bei dem Mann, der sich so gerade noch in den besten Jahren befindet, bisher noch nicht. Fürs Ende hat sich Martin Suter einen fiesen Gag ausgedacht und damit der Geschichte noch etwas Pepp verpasst.

Ach, es macht einfach Spaß, das Buch zu lesen - auch wenn man versucht ist, von einem Martin Suter mehr zu erwarten. Schließlich wurde der Zürcher Bestsellerautor („Lila, Lila“, „Der Teufel von Mailand“, „Elefant“), zu dessen Werken unter anderem auch Wirtschaftssatire, Bühnenstücke und Drehbücher gehören, mit diversen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Einige seiner Arbeiten sind als Hörbücher zu konsumieren, andere, darunter auch drei der jetzt sechs Allmen-Romane, wurden verfilmt.

Der 71-Jährige weiß natürlich, dass diese Leichtigkeit, wie sie sein Allmen zelebriert, manchmal einfach gut tut und dass man mit dem Lebemann zumindest auf Romanlänge gerne mal tauschen möchte. Außerdem: Solche „Ermittler“ wie Johann Friedrich von Allmen sind durchaus eine Rarität. Weniger mit ihrer Schlitzohrigkeit als mit ihrem guten Benehmen, ihrer gewählten Ausdrucksweise und ihrer hohen Bildung - zumindest in der Kriminalliteratur.

- Martin Suter: Almen und der Koi, Diogenes Verlag, Zürich, 272 Seiten, 22,00 Euro, ISBN 978-3-2570-7075-0.

Almen und der Koi

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