Marling: Wandern zwischen Almen und Palmen

 Die Waalwege sind beliebte Wander- und Spazierwege, bieten sie doch grandiose Aussichten.
Die Waalwege sind beliebte Wander- und Spazierwege, bieten sie doch grandiose Aussichten. (Foto: Armin Terzer)
Digital-Redakteurin

Nur noch ein paar Schritte, dann endlich steht man – wenn auch arg schnaufend aufgrund der gerade bewältigten rund 100 Höhenmetern – auf einem schmalen Weg neben einem kleinen Wasserlauf, dem Marlinger Waalweg. Doch rasch ist der schweißtreibende Aufstieg vergessen angesichts des herrlichen Panoramas, das sich jetzt auftut: Direkt zu Füßen liegt Meran mit dem Fluss Passer, schmuck eingebettet in das grüne Etschtal. Links erkennt man auf einem kleinen Berg die Burg Tirol, und über allem thront die eindrucksvolle Gebirgslandschaft mit den Gipfeln des Ifinger und Hirzer.

Der Marlinger Waalweg ist mit zwölf Kilometern der längste in Südtirol – und womöglich einer der erlebnisreichsten. Denn auf dem Weg von Töll über Marling und Tscherms nach Oberlana werden zahlreiche Felsen passiert, das Wasser selbst über Brücken und Tunnel geleitet, um zu seiner Bestimmung zu gelangen: Die Waale dienen nämlich zur Bewässerung der Obstwiesen und Weinberge. Seit dem 13. Jahrhundert wurden die Wasserkanäle künstlich angelegt – oft sogar per Hand gegraben. Um die Waale instand zu halten, wurden daneben schmale Stege errichtet, die Waalwege. Heute sind diese beliebte Wander- und Spazierwege.

Beschaulicher Ort

In Marling selbst wurde ein Teil des Waalweges mit Schautafeln zu Naturdenkmälern, Fauna und Flora sowie einigen Kunstwerken zu einem Wandererlebnispfad ausgebaut. Hier kann man auch einen Abstecher (mit einem Extra-Aufstieg, versteht sich) zu der kleinen Kirche St. Felix machen. Das romanische Gotteshaus ist nur bei Dorfführungen zu besichtigen, doch das Brunnenheiligtum ist öffentlich zugänglich: Dem Wasser darin wird seit jeher heilende Kräfte zugeschrieben.

Damit kann die neugotische Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in der Ortsmitte von Marling nicht aufwarten. Dennoch lohnt sich ein Besuch – sei es wegen der Fresken aus der Zeit um 1400, den eindrucksvollen Seitenaltären mit den holzgeschnitzten Heiligenfiguren oder der 3162 Kilo schweren Glocke Annamaria, die zu den wohlklingendsten in Italien zählt. Das fand sogar Franz Liszt, der dem Geläute mit der Komposition „Ihr Glocken von Marling“ ein reizendes, musikalisches Denkmal setzte.

Doch laut ist Marling nun wahrlich nicht. Das bezaubernde Örtchen mit seinen knapp 2500 Einwohnern lebt von seinem milden Klima, das den Obst- und Weinanbau begünstigt: Schon bei einem kleinen Bummel durchs Dorf entdeckt man Kiwisträucher, Kaki- und Maulbeerbäume neben Lorbeer, Rosmarin und Nussbäumen. Den Besucher empfängt hier eine wohltuende Ruhe, die er auf dem weitläufigen Wandernetz, aber auch auf kleineren Spaziergängen genießen kann. Neben dem Walderlebnispfad bietet zum Beispiel der nur ein Kilometer lange Eichhörnchenweg überdies einen Abenteuer-Seilparcours für die ganze Familie. Gleichermaßen entdeckenswert sind die Touren des Marlinger Höhenwegs, der Martinsweg oder die Genusswanderung.

Unterschiedliche Themenwege

Wer schon immer wissen wollte, was es mit Sperrdrosseln oder Isolatorketten auf sich hat, der dürfte viel Freude an der Strompromenade haben. Dieser Technikparcours zeigt nicht nur deren Funktionsweise auf, sondern beleuchtet auf zwölf Stationen die Anfänge der Stromproduktion aus Wasserkraft in der Region.

Ein besonderes Schmankerl ist der Weinkulturweg, denn auf der rund vier Kilometer langen Tour erfährt man nicht nur viel Wissenswertes über Weingeschichte und -kultur, sondern kann sein Wissen auch gleich praktisch bei einer Verkostung umsetzen. Wein wurde in der Region von Marling schon vor den Römern kultiviert. Was nicht weiter verwundert, denn der terrassenförmig angelegte Ort liegt ideal für die Reben. Die Morgensonne wärmt das Tal auf, die abendliche Frische vom Berg bringt Raffinesse und Aroma in den Wein. An 20 Stationen werden unter anderem die Werkzeuge im Weinbau erläutert sowie die unterschiedlichsten Trinkgefäße von der Situle bis zum Messkelch dargestellt. Darüber hinaus gibt es jede Menge Informationen zum Weinanbau.

Das Genießen kommt dabei nicht zu kurz: Auf dem Weg passiert man mehrere Weingüter und Brennereien, bei denen man (nach vorheriger Anmeldung) Weine und Brände auch verkosten kann. Lohnenswert ist zudem der Besuch der Kellerei Meran am Ende der Runde. Das von dem Architekten Werner Tscholl entworfene Gebäude mit dem eindrucksvollen Glaspavillon – hier ist die 360°-Panorama-Önothek untergebracht – beherbergt in seinen Kellern Pinot-, Sauvingnon-, Chardonnay-, Vernatsch-, Merlot- und Lagreinweine in Holz- und Barriquefässer, die farblich beleuchtet effektvoll zur Geltung kommen.

Shoppen in Meran

Doch was tun, wenn einem der Sinn weniger nach sportlichen Aktivitäten an der frischen Luft steht oder es gar regnet – was jedoch bei durchschnittlich 300 Sonnentagen im Jahr eher selten vorkommt. Dann (aber auch sonst) lohnt sich der Besuch von Meran, das gerade mal drei Kilometer entfernt liegt. Hier kann man zum Beispiel nach Herzenslust shoppen. Ein Muss ist dabei das Flanieren in der 800 Jahre alten Einkaufsstraße, der Meraner Laubengasse. Nicht nur, dass sich unter den Torbögen nahezu alles von Lebensmitteln über Mode bis Handwerk und Kunsthandwerk finden lässt; die Fassaden aus den unterschiedlichen Epochen, die verwinkelten Treppen, die Hinterhöfe mit ihren mediterranen Gärten und die Erker in den Geschäften lassen einen erahnen, wie damals gelebt und Handel getrieben wurde. Besonders schön lässt sich das in einem der ältesten Geschäfte der Stadt, dem Kerzen- und Seifenfachgeschäft, Kikinger 1845, nachvollziehen.

Auch wer nur bummeln mag, hat jede Menge zu sehen, denn als Lazarettstadt hat Meran den Zweiten Weltkrieg ohne Bombardement überstanden. Daher finden sich in der Stadt zahlreiche steinerne Zeugnisse der Stadtgeschichte, wie das mittelalterliche Steinachviertel, der Meraner Dom und die als Türme errichteten Stadttore; darunter das Passeier Tor an dem früher der Handelsweg vom Brenner in Meran endete. Natürlich darf auf der Besichtigungstour nicht das neoklassizistische Kurhaus fehlen, ist das Meisterwerk des Jugendstils doch das Wahrzeichen der Stadt. Es zeigt die Bedeutung Merans als Luftkurort: Das milde, mediterrane Klima wurde bereits im 19. Jahrhundert von Ärzten geschätzt, da es vor allem die Heilung von Lungenleiden begünstigte. Die wohl berühmtesten Patientinnen waren die beiden Töchter von Sisi. Die österreichische Kaiserin kam 1870 das erste Mal nach Meran und die Erholung der zweijährigen Valerie löste einen regelrechten Reiseboom aus.

Botanischer Garten und Freizeitattraktion

Die Kaiserin residierte damals auf Schloss Trauttmansdorff – heute Mittelpunkt der botanischen Gärten von Meran und Heimat des Touriseums, dem Südtiroler Landesmuseum für Tourismus – das erste seiner Art in Europa. Darin werden 250 Jahre alpine Tourismusgeschichte interaktiv, mit viel Liebe zum Detail und so manchem Augenzwinkern beleuchtet.

Über 80 verschiedene Gartenlandschaften mit Pflanzen aus aller Welt, Künstlerpavillons, Erlebnisstationen und einer Bühne auf dem Seerosenteich umrahmen auf zwölf Hektar das Schloss. Der Mix aus botanischem Garten und Freizeitattraktion gilt als eine der schönsten Gartenanlagen der Welt. Verlockend klingt das diesjährige Motto: „Nimm dir Zeit – der Garten als Erholungsort“.

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