Maren Ade und die große Unsicherheit

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Deutsche Presse-Agentur

Wie verändern sich Männer und Frauen durch Beziehungen? Wie sehr passt man sich an den Partner und gesellschaftliche Vorbilder an?

Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Films „Alle Anderen“ von Regisseurin Maren Ade, der bei der 59. Berlinale mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde. „Was mich interessiert hat an der Hauptfigur Gitti ist, dass, obwohl sie eine selbstbewusste, lebenslustige und auch relativ dominante Frau ist, sie trotzdem so schnell in so große Unsicherheit gerät“, sagte die Regisseurin („Der Wald vor lauter Bäumen“) in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

„Gitti fängt an, sich ihrem Partner anzupassen - und verfolgt vielleicht auch die Sehnsucht, so zu sein wie die andere Frau Sana, weil sie denkt, dass das gesellschaftlich richtiger ist.“ „Alle Anderen“ kommt am 18. Juni ins Kino.

Warum haben Sie den Titel „Alle Anderen“ gewählt? Spielt er auf die Idee an, die viele Paare haben: „Wir sind anders als alle anderen?“

Ade: „Ja, so habe ich mir das auch gedacht. Ich finde interessant, dass in dem Titel eine Abgrenzung drin ist. Es hat ja etwas von "Wir und alle anderen". Man weiß, man will nicht sein, wie alle anderen, man will sich nicht damit beschäftigen, wie die anderen sind - und trotzdem tut man es. Was ich auch erzählen wollte, ist nicht, dass das andere Paar, auf das Gitti und Chris treffen, toller ist. Es ist einfach anders. Und das Schlimme ist, dass das reicht. Gitti und Chris fangen an, sich mit denen zu vergleichen. Sie fangen an, die Lebensmodelle, die sie haben, zu vergleichen - und werden dadurch unglücklich.“

Im Film ist der Humor sehr wichtig, es wird viel gelacht. Wieso haben Sie sich entschieden, ein ernstes Beziehungsthema so humorvoll anzugehen?

Ade: „Humor ist für mich privat sehr wichtig, sowohl in der Beziehung als auch beim Arbeiten. Bei meiner Recherche habe ich daher andere Paare gebeten, mal ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern. Dabei habe ich herausgefunden, dass jedes Paar seine eigenen Rituale, aber auch seinen eigenen Humor hat. Das war ein Bereich, der mich schon lange interessiert hat, jetzt konnte ich es in einem Film verarbeiten.“

Das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller Birgit Minichmayr und Lars Eidinger wirkt sehr natürlich. Ist das einfach Glück oder haben Sie sich das erarbeitet?

Ade: „Das ist eine Mischung. Vieles ist wirklich richtige Detailarbeit, anstrengende Schauspielarbeit, damit das so wirkt. Dann gibt es aber auch wieder andere Szenen, wo ich das mehr habe laufen lassen, so dass die Schauspieler einem eigenen Rhythmus folgen können. Das heißt, es gibt eben Szenen, wo das Natürliche einfach da ist, wo das Zusammenspiel spontan entsteht. Oder aber es dauert und man muss es sich länger erarbeiten.“

Gespräch: Aliki Nassoufis, dpa

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