Marcel Reich-Ranicki bereut seine TV-Kritik nicht

Lesedauer: 2 Min
Deutsche Presse-Agentur

Die gemeinsame Sendung hatte Gottschalk dem 88- Jährigen versprochen, nachdem dieser am Samstagabend in einer zornigen Rede das Fernsehen attackiert und die Entgegennahme des Deutschen Fernsehpreises abgelehnt hatte.

Wie das ZDF am Donnerstag nach der Aufzeichnung weiter mitteilte, räumt Reich-Ranicki im Gespräch mit Gottschalk ein, dass es bei der Preisverleihung auch einige nicht ganz schlechte Momente gegeben habe. So lobt er ausdrücklich die preisgekrönte Dokumentation „Das Schweigen der Quandts“, deren Qualität aber während der Gala- Veranstaltung nicht zum Vorschein gekommen sei.

„Das Fernsehen muss sich mehr Mühe geben“, fasst Reich-Ranicki seine Kritik zusammen. Gottschalk hält dem entgegen, dass gerade das Fernsehen den Literaturkritiker „als unterhaltsamen Menschen bekannt gemacht hat“. Reich-Ranicki verlangt, auch Unterhaltungsprogramme im Fernsehen müssten Niveau haben. Shakespeare, für ihn der größte Dichter, habe solche Unterhaltung geboten, dessen Stücke müssten verfilmt werden. Auch Bertolt Brecht, laut Reich-Ranicki „der größte Poet“, sei der Richtige fürs Fernsehen.

Streitpunkte im Gespräch sind die Arroganz der Intellektuellen und der Hochmut des Feuilletons gegenüber dem Fernsehen. Reich-Ranicki betont, er kenne die Theorie: „Alle, die das Fernsehen kritisieren, bekommen Zuspruch, aber keine Zuschauer.“ Doch es müsse einen Kompromiss geben. Über einen Punkt gibt es keinen Meinungsstreit zwischen Gottschalk und Reich-Ranicki: Es bleibt beim „Du“ zwischen beiden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen