Mainz zeigt neues Steinbuch-Stück

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Deutsche Presse-Agentur

Es sind sechs kaputte Existenzen, gestörte Familienangehörige, Psychos, die niemals zueinander finden können. Immer wieder erleben sie die gleichen Szenen, drehen sich im Kreis, ohne dass sich irgendetwas ändert.

Eine düstere, beklemmende Geschichte, die die österreichische Autorin Gerhild Steinbuch in ihrem Werk „Menschen in Kindergrößen“ erzählt. Das Staatstheater Mainz brachte das Stück zum ersten Mal überhaupt auf die Bühne. Julie Pfleiderer inszenierte die Uraufführung.

Die Regisseurin hat schon zwei Mal mit Steinbuch zusammengearbeitet. Jetzt übersetzt sie die schwierige Vorlage in eine Art florale Arena. Das Publikum sitzt auf zwei gegenüberstehenden Bänken, die mit Fotos von Bäumen beklebt sind. Dazwischen ist ein großes weißes Fünfeck auf den Boden gemalt. Rechts und links stehen große Würfel. Auch sie sind mit Collagen von Bäumen beklebt.

Hier, in diesem stilisierten Wald, treffen die sechs Hauptpersonen des Stücks aufeinander und agieren doch permanent aneinander vorbei. Denn der Wald ist bei Steinbuch ein Ort der Schuld. Er ist ein beklemmender Ort der Alpträume.

Steinbuch, die für eine frühe Fassung des Stücks im Februar bereits den Autorenpreis der 4. Deutsch-Französischen Autorentage erhalten hat, zeigt in ihrem Stück fragliche Beziehungen auf. Da ist Ada, die am Bahnhof Kroll kennenlernt. Da ist „Der Alte“, der seine Tochter Lene einst missbrauchte. Da ist der Rettungssanitäter Anton, der kein Blut sehen kann. Von ihm lässt sich Lene regelmäßig vom Dach retten und mitnehmen. Ohnehin streben alle Figuren permanent nach Rettung. Eine Rettung, die ihnen jedoch verwehrt bleibt.

Pfleiderer erweitert die komplexe und hochlyrische Sprache der 1983 im niederösterreichischen Mödling geborenen Autorin. Sie lässt ihre Schauspieler ganze Sätze, ja ganze Szenen mehrfach sprechen. Immer wieder anders, aus anderen Stimmungen heraus, mit anderen Schwerpunkten. Sie erhebt das Repetitive - die Wiederholung - zum Stilmittel der Inszenierung.

Wortfetzen und verkürzte Sätze stehen bei ihr ununterbrochen im Raum. Wie vereinsamte und isolierte Individuen. Und keiner baut eine Beziehung zu jemand anderem auf. Zum Schluss brabbeln alle Figuren für sie charakteristische Sätze vor sich hin. Drehen sich im Kreis. Gedanklich, inhaltlich, körperlich. Im Wald, da sind die Psychos.

www.staatstheater-mainz.de

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