„Müller“ bei Familiennamen weiter Spitzenreiter

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Deutsche Presse-Agentur

Die „Müllers“ führen weiter die Liste der Familiennamen in Deutschland an. Nach Informationen der Mainzer Namenforscherin Rita Heuser macht „Müller“ jedoch nicht einmal ein Prozent aller deutschen Namen aus.

An zweiter und dritter Stelle folgen die Namen Meier (mit Schreibvarianten) und Schmidt. Damit seien Berufsnamen am weitesten verbreitet, sagt die Wissenschaftlerin vom Institut für Geschichtliche Landeskunde der Johannes Gutenberg- Universität Mainz im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Heuser arbeitet am Deutschen Familiennamenatlas mit, dessen erster Band in diesem Jahr erscheinen soll. Insgesamt sind fünf Bände geplant.

„Meier war im Mittelalter die Bezeichnung für den Verwalter eines herrschaftlichen Gutes, für einen Großbauern, der Name "Schmidt" ist aus dem Beruf Schmied entstanden“, erläutert Heuser. „Insgesamt haben die 14 häufigsten Namen mit Berufen zu tun.“ Daran sehe man, wie wichtig der Beruf für die Menschen früher gewesen sei.

Müllers und Schmidts ließen sich überall in Deutschland finden. Anders beim Namen Meier und seinen Schreibvarianten: Im Norden und im Süden kommt er nach den Studien der Forscher gehäuft vor, in der Mitte Deutschlands jedoch kaum. Das kann man damit erklären, dass der Verwalter eines Bauernhofes dort nicht als Meier, sondern zum Beispiel als Hoffmann - also als Hof-Mann - bezeichnet wurde.

Dagegen sterben Nachnamen, die sich aus ganzen Sätzen entwickelt haben, aus. Selten sind nach den Worten von Heuser mittelalterliche Satznamen wie zum Beispiel „Hasdenteufel“ und seine Varianten. Ganz ausgestorben sei bereits „Fressenteufel“ und „Schlickenwurst“. Es handelt sich dabei um die verkürzte Form der Sätze „Ich fresse den Teufel“ und „ich schlinge die Wurst“. Auch die Namen „Halbteufel“ und „Schlickenmost“ trage heutzutage niemand mehr. „Etliche Satznamen waren nicht schmeichelhaft, oft auch scherzhaft gemeint“, erklärt Heuser. „Doch die Menschen trugen diese Namen früher mit Stolz, weil sie sich damit von anderen unterschieden.“

Der Nachname „Hasdenteufel“ und ähnliche Schreibweisen sind mit etwa 530 Einträgen im digitalen Telefonbuch für Deutschland vertreten. Dagegen kommt der Name Meyer allein in der Schreibweise mit „ey“ bundesweit 90 000 Mal vor. Die Namenkundlerin vermutet, dass die Satznamen seltener geworden sind, weil sie länger und komplizierter sind als andere Namen.

Viele Familiennamen bleiben in bestimmten Regionen verwurzelt. Nach wie vor seien die meisten Namen schwerpunktmäßig dort vertreten, wo sie wohl auch entstanden sind, sagt Heuser. Zum Beispiel „Häberle“ und „Lämle“ in Schwaben, „Petersen“ und „Johannsen“ in Schleswig- Holstein.

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