Lyle Lovett kommt ganz groß raus

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Deutsche Presse-Agentur

Er hat sich ein wenig rar gemacht hierzulande, das letzte Album „My Baby Don't Tolerate“ erschien 2003, aber jetzt ist Lyle Lovett wieder da, und zwar ganz groß mit seiner „Large Band“. Und vier Konzerte in Deutschland gibt der studierte Germanist im März auch.

Damit keine Missverständnisse aufkommen, nennt der Mann aus Texas sein neues Album, das in den USA bereits 2007 erschien, gleich „It's Not Big It's Large“ und gibt die Richtung vor: Der Singer/Songwriter mit dem Stetson ist nicht zum Swing konvertiert, aber er spielt halt gerne mit vielen Leuten zusammen. Und damit nimmt er nur den Faden auf, den er mit seinem dritten Album „Lyle Lovett and his Large Band“ bereits vor zwanzig Jahren geknüpft hat.

Lovett war immer ein Grenzüberschreiter, ein schlaksiger, bunter Hund mit viel Humor und einer ausgeprägten, etwas schrulligen Liebe zu seinem Heimatstaat Texas. Das Label „Countrysänger“ passte noch nie so richtig zu ihn, Holzfällerhemden sind seine Sache nun wirklich nicht.

Lovetts unverwechselbarer Sound speist sich aus Folk, Pop, Jazz und Traditionals, und als Songwriter könnte man den Ex-Ehemann von Julia Roberts - die Ehe Anfang der 90er Jahre hielt nur gut ein Jahr - mit ausgeprägten Individualisten wie Randy Newman oder Townes Van Zandt vergleichen. Den ganz großen kommerziellen Durchbruch hat dieser Wanderer zwischen den (Musik)-Welten nie geschafft, aber das mit ihm weiter zu rechnen ist, beweist das neue Album nachdrücklich.

Im breiten Big-Band-Sound schwelgt nur das Intro, alle anderen Stücke sind auf ihre Art typische Lovett-Songs, mit einer Menge hervorragender Musiker unter Live-Bedingungen eingespielt. Um nur einige Namen zu nennen: Multiinstrumentalist Viktor Krauss, der Bruder der amerikanischen Bluegrass-Queen und mehrfachen Grammy-Gewinnerin Alison Krauss, glänzt am Bass, ebenfalls aus der Bluegrass-Szene stammt der großartige Geiger Sam Bush, Songwriter Guy Clark, leider immer noch ein Geheimtipp, absolviert einen Gastauftritt.

Und so kann Lovett die ganze Bandbreite seiner Vorlieben in der „Southern Music“ ausspielen. Es geht los mit dem siebenminütigen Gospel-Blues „I Will Rise Up/Ain't No More Cane“, ein anschwellender, ergreifender Klagegesang, befeuert vom Chorgesang und diversen Bläsern. Aber schon mit dem Westernsong „All Downhill“ wird die Stimmung deutlich intimer, dann folgen erst einmal drei wehmütige Balladen, Americana vom Feinsten.

Richtig Stimmung in die Bude kommt mit dem fetzigen „Up In Indiana“, das gleiche Stück gibt es am Ende des Albums als „acoustic version“ noch einmal, veredelt von dem Banjo-Virtuosen Béla Fleck. „The Alley Song“ ist in seiner Lakonie das innigste und vielleicht beste Stück des Albums, bei „No Big Deal“ packt Lovett der Blues, in „Make It Happy“ hat er Spaß, und zum Abschluss gibt es noch einen Traditional. Aber keine Sorge, mit diesem Album zählt Lyle Lovett noch lange nicht zum alten Eisen.

Tourdaten: 24.03. Stuttgart, Mozartsaal, 25. 03. Berlin, Passionskirche, 26.03. Hamburg auf Kampnagel und am 29.03 Köln im Theater am Tanzbrunnen

www.lylelovett.com

www.warnermusic.de

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