Loving Vincent

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Loving Vincent
Selbstportät des niederländischen Malers Vincent van Gogh. (Foto: --/ARTE/dpa / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Eugen Zentner

Vincent van Gogh gehört zu den schillernden Persönlichkeiten der Kunstgeschichte. Der Niederländer gilt als ein Wegbereiter moderner Malerei. Mit der sogenannten Impasto-Technik mit dickem Farbauftrag übte er starken Einfluss auf nachfolgende Künstler aus. Zu Lebzeiten blieb ihm der Erfolg jedoch verwehrt. Stattdessen lebte er in Armut und litt an Wahnvorstellungen. Verbrieft ist etwa, dass van Gogh sich selbst das linke Ohr abschnitt.

Das Leben des Künstlers wurde bereits mehrfach verfilmt. Der Animationsfilm „Loving Vincent“, den Arte am Mittwoch (30. Oktober, 20.15 Uhr) ausstrahlt, hebt sich aber von vielen seiner Vorläufer ab: Der Film besteht aus gut 65 000 Einzelbildern, die 125 Künstler aus aller Welt im Stil van Goghs gemalt haben. Alle Szenen wurden zunächst mit Schauspielern eingespielt. Dann ließen Dorota Kobiela und Hugh Welchman, die bei dem Projekt Regie führten, sie malen.

Auch wie van Goghs Lebensweg nachgezeichnet wird, ist interessant: Kobiela und Welchman bedienen sich einer Rahmenhandlung, in der der Ausnahmekünstler bereits seit einem Jahr verstorben ist. Armand Roulin, Sohn des Postboten, soll in Paris Vincents letzten Brief an dessen Bruder Theo zustellen. Leider befindet sich aber auch dieser nicht mehr unter den Lebenden, wie der junge Man vor Ort von dem Farbenlieferanten Père Tanguy erfährt. Das Gespräch weckt bei Armand das Interesse, mehr über den Tod des Malers zu erfahren.

Was ihn stutzig macht, ist der Zeitpunkt. Ihm fällt es schwer, zu begreifen, dass van Gogh nach all seinen Kämpfen ausgerechnet dann Suizid begangen haben soll, als der Erfolg zum Greifen nah war. Könnte es vielleicht einen anderen Grund für dessen überraschenden Tod geben?

Auf der Suche nach Antworten spricht Armand mit Freunden, Bekannten, Geliebten sowie dem Arzt des Malers und wird so zum Detektiv, der dessen letzte Lebensmonate rekonstruiert. Viele der Menschen, denen er dabei begegnet, stammen von Gemälden des Künstlers. Der als kluges Kriminalstück angelegte Film „Loving Vincent“ entwickelt durch seine Erzählstruktur und die ungewohnte Bildsprache, die das Werk van Goghs spiegelt, einen ganz eigenen Sog.

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