„Love and Other Demons“ feiert Deutschland-Premiere

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Deutsche Presse-Agentur

Mit Freudensprüngen hüpft Julia Bauer auf der Bühne umher, lacht, winkt ins Publikum und herzt immer wieder ihre Mitspieler. Die Sopranistin war der umjubelte Star bei der Deutschland-Premiere von „Love and Other Demons“ am Samstagabend in Chemnitz.

Julia Bauer hat in der Hauptrolle der zwölfjährigen Sierva Maria de Todos los Angeles in der Oper des ungarischen Komponisten Peter Eötvös Bemerkenswertes geleistet. Mühelos und blitzsauber singt sie noch die höchsten Koloraturen, die die Partitur ihr abverlangt.

Viel häufiger als etwa Mozarts Königin der Nacht aus der „Zauberflöte“ muss „Marias“ Stimme die höchsten Töne erklettern, doch schwebt ihre Stimme geradezu über der Musik, mal kindlich, mal engelsgleich, sogar dann noch, als die Sängerin zum Schluss in einen Käfig eingesperrt wird, in dem sie sich weder aufrichten noch ausstrecken kann. Ursprünglich war Julia Bauer gar nicht für die Rolle vorgesehen war; die Koloratur-Sopranistin sprang ein, als die Sängerin, die die Noten bereits gelernt hatte, aufgab - die Partie war ihr zu schwer.

Doch der stürmische Applaus galt nicht nur Julia Bauer. Auch ihre Sängerkollegen, Solisten wie Chor, und das Orchester unter der Leitung von Frank Beermann hatten sich die minutenlangen Ovationen redlich verdient.

Das Stück basiert auf dem Roman „Von der Liebe und anderen Dämonen“ des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez („Die Lieben in den Zeiten der Cholera“) und war eine Auftragsarbeit des britischen Glyndebourne-Festivals. Dort wurde die Oper im vergangenen Jahr uraufgeführt.

Maria, „die Leibeigene aller Engel“, lebt bei ihrem Vater (Hugo Mallet), der sie vernachlässigt. Viel lieber ist sie mit den heidnischen Sklaven zusammen und nimmt auch deren heidnische Riten und Lieder an. An ihrem zwölften Geburtstag wird sie während einer totalen Sonnenfinsternis von einem tollwütigen Hund gebissen.

Obwohl sie keine Symptome der Krankheit zeigt, lässt sie der Bischof (Renatus Mészár) in ein Kloster bringen. Er glaubt, dass sie von Dämonen besessen ist. Pater Delaura (Andreas Kindschuh) soll Maria exozieren, doch er verliebt sich in sie. Als die Äbtissin (Monika Straube) dies herausbekommt, verweist sie Delaura des Klosters. Nun will der Bischof selbst dem Kind die vermeintlichen Teufel austreiben. Maria aber stirbt an der brutalen Praxis.

Eötvös' Musik untermalt diesen schweren Stoff hervorragend; sie entwickelt eine solche Suggestivkraft, dass der Zuhörer mit den Akteuren fühlt und von der Atmosphäre gepackt wird. „Modern, aber schön“, hatte Regisseur Dietrich Hilsdorf vor der Premiere über die Musik geurteilt - und er behält Recht: Eötvös lässt seinen Gefühlen freien Lauf, die Musik ist echt, nichts wirkt gewollt traditionalistisch. Sicherlich sind einige Stellen gewöhnungsbedürftig - Eötvös hat bei dem modernen Komponisten Karlheinz Stockhausen gelernt -, doch bereits der Beginn mit leichten Xylophon-Tönen und einem achtstimmigen Damenchor schlägt das Publikum in seinen Bann.

Die Oper fordert nicht nur die Sänger - so muss neben Julia Bauer auch Susanne Rasch in der Rolle der verrückten Nonne Maria Laborde ihr ganzes Können zwischen tiefen und hohen Tönen abrufen -, sondern das gesamte Ensemble: Mehrere Szenen werden simultan gespielt und gesungen. Das Libretto von Kornél Hamvai lässt keine Zeit zum Umbau, auch eine Pause gibt es während der knapp zweistündigen Vorstellung nicht. Doch Regisseur Hilsdorf und Bühnenbildner Dieter Richter gelingt der Spagat eindrucksvoll. Die Sänger agieren in einem großen Holz-Kubus; spielerisch gehen die verschiedenen Bühnenbilder ineinander über.

Ein weiterer Pluspunkt: Das Orchester unter der Leitung von Frank Beermann sitzt entgegen der Konventionen hinter den Sängern, im hinteren Teil der holzvertäfelten Bühne, in synchroner Anordnung. Dadurch kommen die Sänger ihrem Publikum näher als sonst; zudem entsteht so erst das eindrucksvolle Klangvolumen. Lohn für die Musiker: Bleiben sie ansonsten nach der Vorstellung im Orchesterraum sitzen, dürfen sie nun gemeinsam mit dem Dirigenten an den Bühnenrand treten, um den wohlverdienten Applaus entgegenzunehmen.

Weitere Vorstellungen in dieser Spielzeit: 3.2., 13.2., 1.3., 14.3., 4.4.

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