Kurios: Ein australischer Milliardär baut die Titanic nach

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Die Titanic soll wieder in See stechen. (Foto: dpa)
Alexei Makartsev

Die gute Nachricht zuerst: Es soll diesmal für alle genug Rettungsboote geben. Und nun die schlechte Nachricht. An Bord der Titanic II wird die moderne Kommunikation tabu sein. Das bedeutet: keine Tweets von der prachtvollen Großen Treppe, keine Facebook-Kritiken der exquisiten Menus, keine romantischen Handy-Fotos bei Sonnenuntergang auf dem Bug im „Jack-und-Rose“-Stil, mit denen man die daheimgebliebenen Freunde neidisch machen könnte.

Mangels Internetverbindung sollen die Passagiere auf dem neuen „Schiff der Träume“ in altmodischen Kleidern von 1912 auf dem Oberdeck promenieren, gepflegte Unterhaltungen in den Salons führen oder im Bauch des stählernen Riesen zu Geige-Klängen den irischen Jig tanzen. So stellt sich die sechstätige Überfahrt nach New York der australische Unternehmer Clive Palmer vor, der 2016 eine Legende zum Leben erwecken will.

Alle Annehmlichkeiten des Originalschiffs

Viele haben davon fantasiert, die auf ihrer Jungfernfahrt 1912 gesunkene Titanic nachzubauen. Der 58-jährige Palmer macht jetzt Nägel mit Köpfen. „Warum flogen wir zum Mond? Weil wir es konnten, und jetzt können wir die Titanic-Vision verwirklichen“, erklärt der Mann, der mit Erzhandel ein Milliardenvermögen gemacht hat. In der vergangenen Woche enthüllte Palmer in New York und London konkrete und angeblich fortgeschrittene Pläne einer nostalgischen Schiffsverbindung zwischen Europa und Amerika mit einer fast genauen Kopie des von einem Eisberg versenkten Luxusliners, bei dem 1513 der mehr als 2200 Menschen an Bord starben.

Die angeblich 380 Millionen Euro teure Titanic II soll den Reisenden alle Annehmlichkeiten des Originalschiffs bieten. Wie damals sollen sich die Passagiere verschiedener Klassen auf dem Ozean-Riesen nicht untereinander mischen dürfen.

Wie das Original, nur sicherer

Anders als der früher weltgrößte Dampfer wird jedoch die neue Titanic nicht in Belfast, sondern auf einer chinesischen Werft in Nanking entstehen. Sie soll über Klimaanlagen und modernste Satellitennavigation verfügen. Ein weiterer Unterschied zum Unglücksdampfer ist der um vier Meter verbreiterte und angeblich stabilere Rumpf. Schließlich hat die Betreibergesellschaft Blue Star Line 18 Rettungsboote eingeplant, die mehr als 3000 Menschen aufnehmen könnten.

„Es wird das sicherste Kreuzfahrtschiff der Welt sein“, verspricht ein Vertreter der finnischen Designerfirma Deltamarine. Vor dem Hintergrund des Unglücks von 1912 bemüht sich der zukünftige Besitzer der Titanic II darum, das Wort „unsinkbar“ zu meiden. Auf der Pressekonferenz in New York sagte Clive Palmer: „Alles kann sinken, wenn man ein Loch hineinbohrt.“ Wegen der Klimaerwärmung gebe es aber nicht mehr viele Eisberge im Atlantik, beruhigte der Milliardär.

Clive Palmer

40.000 Menschen sollen ihr Interesse an der Jungfernreise bekundet haben. manche Nostalgiker bieten der Blue Star Line angeblich siebenstellige Summen für die besten Tickets. „Für mich stehen finanzielle Motive nicht im Vordergrund“, versichert Palmer. Worum geht es also? Einerseits denkt der schwerreiche Träumer doch an sein Geld: „Ich will es ausgeben, bevor ich tot bin.“ Andererseits will er nach eigenen Worten mit dem schwimmenden „Denkmal“ all die „tapferen Seeleute“ ehren, die ihre Leben im Ozean gelassen haben.

„Titanic II wird ein Schiff des Friedens sein, der drei Kontinente verbinden und den Geist der Liebe tragen wird“, träumt Palmer. Manche Nachkommen der Titanic-Opfer sind sich dessen nicht so sicher. „Diese Idee ist sinnlos und sie zeugt vom schlechten Geschmack“, kritisierte in einem BBC-Interview Pat Lacey, die Urgroßnichte des Titanic-Kapitäns Edward J. Smith.

 

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