Kritik an Echo bleibt nicht ohne Folgen

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Echo 2018
Ihre Auszeichnung sorgte beim Echo 2018 für heftige Diskussionen: Die Rapper Kollegah (r.) und Farid Bang bei der Verleihung. (Foto: DPA)
Deutsche Presse-Agentur
AFP

Angesichts der Kritik nach der Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang will der Veranstalter das Konzept erneuern.

Das schließe die „umfassende Analyse und die Erneuerung der mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen“ ein, erklärte Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Nähere Details nannte er nicht. Kollegah und Farid Bang waren am Donnerstag für ihr Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ in der Kategorie Hip-Hop/Urban National ausgezeichnet worden.

In der folgenden Antisemitismus-Debatte hat der Deutsche Kulturrat schwere Vorwürfe gegen die Veranstalter des Musikpreises erhoben. Schon die Nominierung der beiden zeuge von „wenig Selbstreflexion“, sagte Kulturrats-Geschäftsführer Olaf Zimmermann am Samstag dem „Handelsblatt“. Der Limburger Bischof Georg Bätzing nannte es „unerträglich, wenn über die Musik aggressiv zu Antisemitismus und Hass auf Religionen und Kulturen“ aufgerufen werde.

Bedauern: Es geht nicht um Qualität

„Die Echo-Jury und der Bundesverband Musikindustrie hätten die Notbremse ziehen müssen“, sagte Zimmermann. Der Kulturrat ist die Spitzenorganisation von 250 Bundeskulturverbänden. Kulturrat-Chef Zimmermann bedauerte, dass es beim Echo vor allem um den kommerziellen Erfolg gehe. Damit unterscheide er sich grundlegend von anderen Preisen wie etwa dem Deutschen Buchpreis oder dem Deutschen Filmpreis, bei denen eine Jury nach „Qualitätsgesichtspunkten“ auswähle.

"Antisemitische Provokationen haben keine Preise verdient"

Zuvor hatte unter anderem Außenminister Heiko Maas (SPD) die Echo-Verleihung an die Rapper scharf kritisiert. „Antisemitische Provokationen haben keine Preise verdient, sie sind einfach widerwärtig“, schrieb Maas über den Kurzbotschaftendienst Twitter. Die Preisverleihung ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag sei „beschämend“.

Die Rapper Kollegah und Farid Bang waren am Donnerstagabend für ihr Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ in der Kategorie Hip-Hop/Urban National ausgezeichnet worden. In dem Album finden sich die Textzeilen „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow“.

"Aufstand der Vernünftigen"

Der Limburger Bischof Bätzing sagte am Samstag bei einem Besuch auf der internationalen Musikmesse in Frankfurt: „In unserem Land sollen alle Menschen frei leben können.“ Der Bischof zeigte sich dankbar, dass sich nach der Echo-Preisverleihung ein „Aufstand der Vernünftigen“ gegen über Musik transportierte Ideologien formiere.

Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sagte dem „Handelsblatt“, die beiden Rapper „hätten den Preis nie bekommen dürfen“. Knobloch brachte eine Aberkennung des Preises ins Spiel: „Wenn die Echo-Verleiher jetzt ihre Verantwortung erkennen, dann gilt lieber spät als nie.“

Album steht auf dem Index

Wie das „Handelsblatt“ ebenfalls berichtete, steht das mit dem Echo ausgezeichnete Album der Rapper beim WDR auf dem Index. Das gehe aus einem Brief der WDR-Publikumsstelle im Auftrag von Intendant Tom Buhrow an eine Kölner Bürgerin hervor. Darin heißt es dem Bericht zufolge, „dass in unseren Radioprogrammen keine Musik aus der betreffenden Albumreihe 'Jung, brutal, gutaussehend' der beiden Musiker gespielt wird“.

Das gelte auch für das WDR-Jugendradio 1Live, das „grundsätzlich zwar sehr offen für deutschen Rap“ sei, „im konkreten Fall aber eine Ausstrahlung als unvereinbar mit öffentlich-rechtlichen Programmgrundsätzen eingeschätzt“ habe, zitierte das „Handelsblatt“ weiter aus dem Brief. „Auf die Nominierung bei den Echo-Awards haben wir jedoch keinen Einfluss, da der WDR nicht Veranstalter der Show ist.“ Die Echo-Verleihung lief beim Privatsender Vox.

Echo 2018
Helene Fischer erhält den 17. Echo für Schlager. (Foto: Jörg Carstensen / DPA)
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