Klimawandel macht „Nemos“ Kinder obdachlos

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Deutsche Presse-Agentur

Der Klimawandel erschwert „Nemos“ Kindern die Wohnungssuche: Die Versauerung der Weltmeere durch das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) stört den Geruchssinn der Larven von Clownfischen.

Das zeigt ein Experiment australischer Forscher der James-Cook-Universität, das in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften („PNAS“; online vorab) vorgestellt wird. Die Larven des orangefarbenen Clownfischs (Amphiprion percula), der im Animationsfilm „Findet Nemo“ die Titelrolle gibt, suchen mit Hilfe ihres Geruchssinns ein geeignetes Riff als Bleibe.

Unmanipuliertes Meerwasser hat einen pH-Wert von etwa 8,15 - je niedriger der Wert, desto saurer das Wasser. Larven, die von dem Forscherteam um Philip Munday in Meerwasser mit einem pH-Wert von 7,8 gezüchtet wurden, änderten ihr Verhalten deutlich: So fühlten sie sich auch von dem Geruch von Blättern eines Baumes aus einem Sumpfgebiet angezogen, den sie normalerweise meiden. Auch die Fähigkeit, zwischen den Eltern und anderen Erwachsenen zu unterscheiden, ging den Tieren in dem Experiment verloren.

Larven, die in einem Becken mit einem pH-Wert von 7,6 aufwuchsen, reagierten auf gar keine Gerüche mehr. Vermutlich sei durch den niedrigen pH-Wert die Übermittlung chemischer Signale im Nervensystem unterbrochen, die Geruchsorgane selbst seien nicht betroffen. In weiteren Studien müsse geklärt werden, ob die Auswirkung auf den Geruchssinn der Clownfisch-Larven unumkehrbar sei.

Den Angaben der Wissenschaftler zufolge nahmen die Weltmeere in den vergangenen 200 Jahren mindestens 30 Prozent des vom Menschen verursachten Kohlendioxids auf. Der pH-Wert sinke dadurch etwa 100 Mal schneller als in den vergangenen 650 000 Jahren, die Ozeane werden saurer. Es sei fraglich, ob die genetische Anpassung mariner Lebewesen mit dieser rasante Entwicklung Schritt halten könne. Wenn die Versauerung ungebremst weitergehe, bedrohe das die Stabilität zahlreicher Populationen von Meereslebewesen, was mögliche schwere Konsequenzen für die marine Artenvielfalt berge.

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