Klage gegen „Jahrhundertauktion“ im Grand Palais

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Deutsche Presse-Agentur

Die Meisterwerke von Picasso und Matisse oder die herrlichen Silberpokale aus dem ehemaligen Besitz des Königshauses Hannover sorgen schon seit Wochen für Aufsehen.

Denn sie stammen aus der kostbaren Sammlung des im August 2008 gestorbenen Modeschöpfers Yves Saint Laurent und dessen Lebensgefährten Pierre Bergé und kommen in wenigen Tagen unter den Hammer. Wohl noch nie wurde eine Auktion in der französischen Metropole so in Szene gesetzt. Christie's hat für 300 000 Euro das riesige Pariser Grand Palais gemietet und es für eine Million Euro ausgestaltet. Denn bevor die 700 Kunstwerke und Objekte unter der 45 Meter hohen Glaskuppel des Grand Palais Anfang nächster Woche den Besitzer wechseln, werden sie am Wochenende ein letztes Mal zusammen in ihrer ganzen Pracht zu sehen sein. Am Montag beginnt dann der von manchen als „Jahrhundertauktion“ bezeichnete Verkauf im Grand Palais und dauert bis zum Mittwoch (23.-25.2.).

Der Medienrummel ist enorm, sorgfältig vorbereitet von dem Geschäftsmann Pierre Bergé und dem Auktionshaus. Der findige Financier, der mit Yves Saint Laurent nicht nur zusammen die einzigartige Kollektion aufgebaut hat, sondern auch dessen Modehaus, hat die Seine-Stadt deshalb gewählt, um dem Pariser Kunstmarkt „den Glanz zurückzugeben, den er verloren hat“. Bis jetzt scheint ihm dies gelungen zu sein. Bei Christie's steht das Telefon nicht mehr still: Journalisten bitten um Vorabbesichtigungen und Kunstliebhaber aus aller Welt melden sich zur Versteigerung an.

Das Schaulaufen wäre fast perfekt, gäbe es da nicht die Rückgabeforderungen Chinas. Die chinesische Regierung verlangt zwei Bronzeskulpturen zurück, die jeweils den Kopf eines Hasen und einer Ratte abbilden. Die beiden Tierköpfe stammen aus der Zeit um 1743 und wurden von dem Kaiser Qianlong für seinen Sommerpalast in Peking in Auftrag gegeben. China will die seltenen Stücke wiederhaben, weil sie während des Zweiten Opiumkriegs von Frankreich und England gestohlen worden seien. Christie's hingegen besteht darauf, dass die Herkunft aller Objekte klar und eindeutig sei.

Die Sammlung ist nicht nur aufgrund ihres Umfangs einzig, sondern auch wegen ihres eklektizistischen Charakters. Denn sie reicht vom 3000 Euro teuren Quarzkristall bis hin zu Lampen und Vasen von Alberto Giacometti und dem Stillleben von Pablo Picasso, „Instruments de musique sur un guéridon“ (etwa: Musikinstrumente auf einem kleinen runden Tisch), das auf 25 bis 30 Millionen Euro geschätzt wird.

Die Kollektion ist in 50 Jahren gemeinsamen Sammelns und Lebens entstanden. „Jeder hatte seinen Geschmack. Das einzige Kriterium für unsere Kollektion war die Qualität“, sagte Pierre Bergé, der selber ein Auktionshaus besitzt, Pierre Bergé & Associés, das ebenfalls an der Jahrhundertauktion beteiligt ist.

Mit dieser Sammlung aus Afrika, Asien, Amerika und Europa schmückten sich die beiden Männer ihre Pariser Prachtwohnungen. Man kombinierte nicht nach Epochen oder Stile. Und so stand bei Yves Saint Laurent in der Eingangshalle ein römischer Torso aus Marmor in der Nähe der postimpressionistischen „Träumenden Marie“ von Edouard Vuillard, die auf 1,5 Millionen Euro geschätzt wird. Für die Ausstellung im Grand Palais wurden die Zimmer der holzgetäfelten und mit edlen Stoffen und Teppichen ausgelegten Domizilien zum Teil rekonstruiert.

„Trotz der Krise hoffe ich, dass wir an die 300 Millionen Euro erzielen werden. Wir haben eine der letzten bedeutenden Privatsammlungen in Europa und ich bin sicher, dass die Museen von Russland bis Amerika hier eine einmalige Chance sehen“, hofft Pierre Bergé. Den Millionen-Erlös will der Geschäftsmann seiner Aids-Stiftung zukommen lassen.

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