Kinder- und Jugendfilme auf der 59. Berlinale

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Deutsche Presse-Agentur

Drastische Dramen statt beschaulicher Märchenstunde: Das Kinder- und Jugendfilmfestival der 59. Berlinale erzählt von Kinderarbeit, Zwangsehen und Ehrenmorden.

Es sind zumeist tief erschütternde Dramen, in denen junge Menschen mit Kriegen, Krankheiten oder sozialen Missständen zurechtkommen müssen. Die Protagonisten stolpern, fallen, bleiben liegen - und das Leben geht unerbittlich weiter. 24 Spielfilme und drei Dokumentationen aus aller Welt treten in der Festivalsektion an, die seit 2007 Generation heißt. Sie konkurrieren während der Internationalen Filmfestspiele Berlin (5. bis 15. Februar) um Gläserne Bären und weitere Preise.

Im Schatten des Star-Trubels des offiziellen Berlinale-Wettbewerbs wird die Generation-Reihe oft etwas stiefmütterlich behandelt. „Das wissen wir, aber damit kommen wir gut zurecht“, sagt die neue Sektionsleiterin Maryanne Redpath im dpa-Gespräch. Statt bekannter Hollywoodgrößen stünden „junge Stars von morgen“ im Mittelpunkt. An Aufmerksamkeit vom Publikum mangelt es nicht - seit Jahren steigen die Zuschauerzahlen, zuletzt waren es rund 50 000.

Das Blitzlichtgewitter wird in diesem Jahr wohl zunehmen: Als Eröffnungspremiere wird die Verfilmung von Paul Maars Roman „Lippels Traum“ gezeigt. Auf dem roten Teppich werden neben dem Autor auch die Darsteller Moritz Bleibtreu, Christiane Paul und Uwe Ochsenknecht stehen. „Sams“-Erfinder Maar erzählt in „Lippels Traum“ von einem kleinen Jungen, der die Probleme zu Hause mit Hilfe einer erträumten Fantasiewelt und ihrer Figuren löst.

Die meisten Werke im Programm sind allerdings schwerere Kost. „My Suicide“ (Regie: David Lee Miller) ist ein fiktiver Dokumentarfilm über einen Jungen, der seinen Selbstmord ankündigt und dadurch endlich die gewünschte Aufmerksamkeit bekommt. Die Doku „Los herederos - Die Erben“ (Eugenio Polgovsky) zeigt arme mexikanische Kinder, die auf Feldern arbeiten müssen, sobald sie laufen können. Einmal verletzt sich ein kleiner Junge bei der Arbeit - und muss die stark blutende Schnittwunde mit Tesafilm zukleben. Erzählt werden Geschichten aus der Perspektive von Kindern und Jugendlichen. Durch die Themenauswahl richten sich die meisten Werke auch an ein erwachsenes Publikum.

Für das obligatorische Teenie-Gekreische am roten Teppich wird wohl Rupert Grint sorgen. Mit dem Zauberschüler Ron, den er in der „Harry Potter“-Reihe verkörpert, hat der neue Film des 20-Jährigen aber nichts zu tun: In „Cherrybomb“ (Glenn Leyburn/Lisa Barros D'Sa) taumelt er als haltloser Jugendlicher in einem fatalen Sog aus Gewalt und Drogen der Katastrophe entgegen. „Es geht um junge Menschen, die rebellieren, aber nicht wissen, wohin die Reise geht“, erklärt Redpath ein Grundmotiv, das die meisten Generation-Werke bestimmt. „Sie fangen etwas an, und das gerät außer Kontrolle.“

Ein erschütternder Höhepunkt der Filmreihe ist die iranisch-libanesisch-französische Koproduktion „Niloofar“ in der Regie der gebürtigen Iranerin Sabine El Gemayel. Eine 13-Jährige aus dem Irak soll einem Scheich für ein Stück Land verkauft werden. Sie will nicht, wehrt sich. Doch sollte sie fliehen, wird ihr mit „Ehrenmord“ gedroht. Ein so kritischer Blick von Filmemachern aus dem Nahen und Mittleren Osten auf den Stellenwert von Frauen in der islamischen Welt ist im Kino bislang selten zu sehen.

www.berlinale.de

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